Im Wohnzimmer der Kameliendame

30. Juni 2003, 20:22
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Verdis "La Traviata" im "Letzten Erfreulichen Operntheater"

Einer der Unterschiede zwischen dem Musikantenstadel und dem Wiener Opernetablissement L.E.O.? Solisten plus Publikum des "Letzten Erfreulichen Operntheaters" passen jederzeit in ein Wohnzimmer. Die winzige Gemeinsamkeiten: Richtig, es darf diesmal mitgesungen und geschunkelt werden, ja, und die Grammelschmalzstullen liegen nicht nur in den Pausen auf.

Um Giuseppe Verdis "La Traviata" kreist die neue Produktion des Letzten Erfreulichen Operntheaters, die heuer nicht nach Art des Hauses verschrägt ins Deutsche übertragen wurde. Mit dem Pianisten und schlagfertigen Conférencier Stephen Delaney bekommt das Publikum einen Kompass für die bekanntermaßen eher tragischen Wirrnisse um die heldenhaft opferbereite Pariser Kurtisane Violetta Valery in die Hand.

Sodass es unverzüglich von einem Highlight zum nächsten Highlight zwischen Violetta (mit Verve: Elena Schreiber) und Alfredo (in unverbrüchlicher Demut der Gesangskunst ergeben: Stefan Fleischhacker) jetten kann. Obwohl - einiges ist geblieben, wie es die Fangemeinde liebt: der kratzende Plattenspieler, Wagner zwischendurch und auch einige pikante Spielideen.

In zwei entscheidenden Szenen, in denen es um Leben und Tod geht, treiben die Besucher - nach unerbittlicher und genauester Einstudierung des Chorparts - das Geschehen dramatisch voran. Übrigens: Man sollte alle darauf folgenden Nachttermine verschieben, denn wer früher geht, verpasst leider das spannende Schlussquiz! (henn/DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2003)

Service

L.E.O. - Letztes Erfreuliches Operntheater,
Wien 3.,
Baumannstr. 2 ,

Termine:

3., 4., 5., 10. Juli,

Karten: (01) 712 14 27. 20.00

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