Berlusconisierung - von RAU

30. Juni 2003, 18:54
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Berlusconisierung Berlusconisierung der EU? Mit der Übernahme des EU-Ratsvorsitzes durch den italienischen Ministerpräsidenten beschäftigen sich europäische Medien vom Spiegel bis zu Financial Times mit der Tatsache, dass eine höchst umstrittene Figur nun für sechs Monate sozusagen Geschäftsführer von Europa ist. Die Anspielungen (Spiegel: "Der Pate"; FT: "The untouchable president of Europe") dazu kommen aus dem Mafiamilieu.

Tatsächlich ist Berlusconi etwas, was es in Europa gar nicht geben dürfte: ein Premierminister, dem praktisch die wichtigsten Medien des Landes gehören, der die Justiz und das Parlament missbraucht, um sich und seine Kumpane vor der Strafverfolgung wegen Korruption zu schützen.

Aber: Die Italiener haben ihn gewählt bzw. die Möglichkeit gegeben, eine Parteienkoalition zu bilden, um eine Regierungsmehrheit zu erreichen. Das Prinzip des Berlusconismus, nämlich die Verbindung von überwältigender Medienstrategie und Eindringen des Privatgeschäfts in die staatlichen Institutionen - der altösterreichische Kulturphilosoph George Steiner nennt es den "Faschismus des Geldes" -, hat noch keinen ernstlichen Widerstand gefunden. In Italien nicht und in Europa auch nicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2003)

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