Belgrad: Mutmaßlicher Kriegsverbrecher stellte sich

30. Juni 2003, 19:57
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Meakic war Befehlshaber des Gefangenenlagers Omarska - del Ponte beklagt fehlenden Festnahme-Willen

Belgrad/Berlin - Der einstige Befehlshaber des bosnisch-serbischen Gefangenenlagers Omarska bei Prijedor (Westbosnien) hat sich heute, Montag, der Belgrader Polizei gestellt. Der bosnische Serbe Zeljko Meakic dürfte bis zum Wochenende an das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert werden, meldete der Belgrader Sender B-92. Der Name Meakic steht auf einem Verzeichnis von 18 mutmaßlichen Kriegsverbrechern, das sich nach Angaben des Tribunals weiterhin in Serbien befindet. Die meisten Angeklagten sind bosnische Serben.

Die Anklage gegen Meakic war im Jahre 1995 erhoben worden - wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Verletzungen des Kriegsrechts. Im Gefangenenlager Omarska waren im Sommer 1992 etwa 3.000 Muslime und Kroaten inhaftiert worden, die dort gefoltert, sexuell missbraucht und getötet wurden.

Kritik Del Pontes

Die Chefanklägerin des UNO-Tribunals für Ex-Jugoslawien, Carla del Ponte, hat fehlenden Willen zur Festnahme der mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic und Ratko Mladic beklagt. "Ich habe keine Erklärung, warum der politische Wille fehlt", sagte Del Ponte am Montag nach Gesprächen im Auswärtigen Amt in Berlin. Karadzic, der Ex-Chef der bosnischen Serben, lebe im serbischen Teil Bosniens, Ex-Armeechef Karadzic in Serbien. "Ich glaube, dass die Nato, wenn sie wollte, (Karadzic) sehr schnell haben könnte."

Indirekt stellte Del Ponte den Willen der USA zur Festnahme Mladics infrage: "Warum sie nicht Mladic als Bedingung für die Bestätigung (der Kooperation der Regierung von Serbien und Montenegro mit dem Tribunal) gestellt haben, muss man die USA fragen." Nach ihren Worten war die Festnahme eines weniger wichtigen Verdächtigen Mitte Juni Bedingung für die Bestätigung, die US-Finanzhilfen für das Land freimachte.

Karadzic und Mladic werden für schwere Kriegsverbrechen während des Bosnien-Konflikts von 1992 bis 1995 verantwortlich gemacht, darunter das Massaker von Srebrenica im Juli 1995. Seit Ende des Krieges ist in Bosnien die von der Nato geführte internationale Friedenstruppe SFOR stationiert. Führende westliche Politiker haben mehrfach gefordert, dass Karadzic und Mladic vor den Gerichtshof kommen, der im niederländischen Den Haag seinen Sitz hat. (APA/Reuters)

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