Ein Sieg ohne Freude

30. Juni 2003, 16:07
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Das Finale zwischen Frankreich und Kamerun stand im Zeichen des verstorbenen Marc-Vivien Foe - Henry: "Es war egal, ob wir gewinnen"

Paris - Einer musste gewinnen - und der französische Stürmerstar Thierry Henry lässt sich keine Chance zu einem "Goldenen Tor" entgehen. Frankreichs Endspielsieg im Confederations Cup am Sonntag in Paris gegen Kamerun (1:0) war aber kein Fußball-Fest. Das Spiel geriet vielmehr zu einer bewegenden Hommage an den nur drei Tage zuvor beim Halbfinale in Lyon gegen Kolumbien zusammengebrochenen und kurz danach im Alter von 28 Jahren gestorbenen Teamspieler Kameruners, Marc-Vivien Foe.

Spiel mit Trauerflor

Mit den Gedanken waren die Gastgeber und die Afrikaner ganz woanders. Das Endspiel im Stade de France fiel wegen des immer noch rätselhaften Todesfalles völlig aus dem Rahmen - und der Trauerflor am Trikot zeigte allen, warum.

"Niemand wollte auf dem Platz stehen"

"Das war kein großes Finale, weil der Fußball heute Abend in den Hintergrund rückte", versuchte Frankreichs Mittelfeldspieler Robert Pires zu erklären. "Alle Spieler haben nur darauf gewartet, dass es vorbei ist, niemand wollte eigentlich auf dem Platz stehen." Fast entschuldigend fügte der Arsenal-Star hinzu, dass es wohl besser gewesen wäre, Kamerun hätte dieses Match gewonnen, das "Les Bleus" vor 52.000 Zuschauern in der 97. Minute durch Henry für sich entschieden hatte.

Henry: "Froh sind wir nicht"

"Froh sind wir nicht wie sonst nach einem normalen Endspiel", erklärte Henry, der beste Torjäger und Spieler des Turniers. "Hier ging es um etwas anderes. Es war das erste Mal, dass es mir egal war, ob wir gewinnen oder verlieren." Die Franzosen verteidigten den Cup gegen eine ungemein kämpferische Elf aus Kamerun auch deshalb, weil Torhüter Fabien Barthez bei mehreren großen Chancen den Sieg rettete.

"Ein Löwe stirbt nicht - Er schläft"

"Ein Löwe stirbt nicht. Er schläft", hieß es auf einem Plakat der Kamerun-Fans, von denen etliche Tränen in den Augen hatten. Um ein riesiges Foto des Verstorbenen hatten sich beide Mannschaften vor dem Anpfiff im Mittelkreis zusammengefunden. Arm in Arm, mit ernsten Gesichtern und gesenkten Häuptern, gedachten sie des Spielers von Manchester City. Erst nach etwa 20 Minuten schien das Spiel richtig zu beginnen, die Verkrampfung begann sich etwas zu lösen.

Keine Überschwänglichkeit

Kameruns deutscher Trainer Winfried Schäfer würdigte das Finale als "Werbung für den Fußball an einem sehr, sehr traurigen Tag". Gemeinsam und ohne jedes Zeichen von Überschwänglichkeit zeigten die beiden Kapitäne Marcel Desailly und Rigobert Song nur kurz eine vom Tod abgewertete Siegestrophäe vor.

Tod noch nicht geklärt

Das Rätsel um die Todesursache bleibt weiterhin unklar. Erst am Mittwoch oder Donnerstag sollen die Ergebnisse anatomischer und toxikologischer Zusatzanalysen bekannt werden.

Sinnhaftigkeit des Bewerbs in Frage

Durch das Ableben Foes wurde die Sinnhaftigkeit der Kontinental-Meisterschaft einmal mehr in Frage gestellt. Vielem Betreuer, Funktionäre, Mediziner und auch Spieler kritisierten das Turnier am Ende einer strapaziösen Saison bei Temperaturen von über 30 Grad Celsius und noch dazu einem äußerst straffen Zeitplan. Trotz des tragischen Todesfalls will die FIFA jedoch am Confederations Cup festhalten, der auf Grund von TV-Verträgen noch zumindest zwei Mal über die Bühne gehen muss. (APA/dpa/Reuters)

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    Die Kapitäne Rigobert Song und Marcel Desailly teilten sich den Pokal.

  • Vor dem Spiel standen die Akteure in Einigkeit am Mittelkreis.

    Vor dem Spiel standen die Akteure in Einigkeit am Mittelkreis.

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