IHS und Wifo: Vorgezone Reform könnte "verpuffen"

30. Juni 2003, 14:46
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Felderer: Konjunkturelle Wirkung "fraglich" - Kramer sieht Spar-Gefahr

Wien - Die österreichischen Wirtschaftsforscher sehen das Vorziehen der Steuerreform in Deutschland - und ein mögliches Vorziehen auch in Österreich - sehr skeptisch. IHS-Chef Bernhard Felderer hält von einem Vorziehen der großen Steuerreform in Österreich wenig, vor allem zu Lasten des Budgets. Ob eine solche Steuerreform kurzfristig greife und eine konjunkturelle Wirkung zeige, sei "fraglich", sagte Felderer am Montag im Ö1-Mittagsjournal.

Reformen hätten bisher meistens erst nach Jahren ihre Wirkungen erreicht. Ob eine Steuerreform, die 2,5 Mrd. Euro koste und zu einem Ansteigen der Staatsverschuldung führe, "eine gute Strategie" sei, sei mit einem "großen Fragezeichen" zu versehen. Bei derartigen Reformen bestehe die Gefahr eines Verpuffens bei gleichzeitiger Zusatzbelastung des Staats-Haushaltes.

Spar-Gefahr

Auch der Budgetexperte des Wifo, Gerhard Lehner, beurteilt eine vorgezogene Steuerreform skeptisch. Es sei möglich, dass die Bevölkerung das zusätzliche Einkommen aus der Steuerreform anspare und es daher keine positiven Impulse auf das Konsumverhalten gebe, so Lehner im Mittagsjournal des ORF-Radio.

Auch in Deutschland bezweifeln Volkswirte, dass die Steuerentlastung tatsächlich einen kräftigen Konjunkturimpuls auslösen wird. "Die Steuerreform geht schon in die richtige Richtung, aber viel wichtiger für den Standort Deutschland und unseren Aktienmarkt war die Art und Weise wie am Wochenende die Streiks im Osten gescheitert sind. Die Front der Reformblockierer ist dadurch geschwächt", sagte Matthias Joerss, Aktienmarktstratege beim Bankhaus Sal. Oppenheim laut Reuters am Montag zu den zwei wichtigsten politischen Ereignissen des Wochenendes. (APA)

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