Morcheeba: "Parts of the Process"

21. Oktober 2005, 15:54
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Eine Best of-Kompilation ... samt Vorschlag für die ideale Abspielfolge

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Best of-Kompilationen sollten grundsätzlich chronologisch geordnet sein - zuviel Information geht sonst verloren. Zum Beispiel wie KünstlerInnen von Album zu Album konsequent den Weg treppab von wow! zu würg! schreiten (Cowboy Junkies), älter und dauertourbedingt abgebrühter werden (The Cardigans), den kommerziellen Erfolg in den Wind schlagen, um sich in einen tendenziell unkonsumierbar werdenden Klangkokon einzuweben (Björk; mal ehrlich: wer hört sich das noch mit dem gleichen Genuss wie "Venus as a boy" an??) - oder sich im Lauf ihres Bestehens durch die zitierten Musikstile surfen, um den eigenen Sound lebendig zu erhalten (Saint Etienne).

TripHop light

Morcheeba, benannt nach einem Slang-Ausdruck für rauchbares Kraut, wurden 1996 in die Erfolgswelle des TripHop hineingeboren und lieferten mit "Trigger Hippie" eine der Hymnen des Genres ab. Anders als die großen Säulenheiligen Tricky, Portishead und Massive Attack mit ihrem Hang zur Bleischwere ließen Morcheeba aber von Anfang an das Notausgangsschild "Exit to pop" leuchten.

Die frisch erschienene Kompilation "Parts of the Process" illustriert denn auch weniger einen fortschreitenden Stilwechsel als ein verändertes Auswahlmuster ihres Soundeklektizismus: Im Lauf der vier Alben "Who Can You Trust?", "Big Calm", "Fragments Of Freedom" und dem erst letztes Jahr erschienenen "Charango" rückten Funk, Soul, Disco, Pop, Easy Listening und R'n'B ins Zentrum, während die TripHop-Elemente zusehends hinausgespült wurden. - Durchaus parallel zu den ebenfalls immer erfolgreicher werdenden Moloko, mit denen Morcheeba im Juli beim Jazzfest Wiesen auftraten.

Mehrwert

Zwei neue Songs enthält die Kompilation: das R'n'B-Stück "What's Your Name" mit Gastauftritt von Big Daddy Kane und die sanfte (und bemerkenswert "weiße") Ballade "Can't Stand It" - beide ausgesprochen gut. Und ein letztes Kaufargument neben der obligatorischen Bequemlichkeit, (beinahe) alle Singles Morcheebas auf einer Scheibe serviert zu bekommen.

Und noch etwas zeigt die Chronologie: Nämlich wie Skye Edwards' Stimme im Lauf der Jahre an Ausdrucksstärke und Variationsreichtum zugelegt hat - passend zur extravaganten Selbstinszenierung der Sängerin. Wer's ganz genau mitverfolgen will, programmiere seinen CD-Player in obiger Reihenfolge.
(Josefson)

Morcheeba: "Parts of the Process" (China Records/Warner 2003)

Morcheeba.net
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    coverfoto: china records
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