David Beckham als Geldeintreiber

30. Juni 2003, 14:09
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Mit dem englischen Neuzugang möchte Real Madrid in eine neue finanzielle Dimension vorstoßen - Präsentation am Mittwoch

Madrid - Ein Massenauflauf hat in der vergangenen Woche Tokios Innenstadt lahm gelegt. Tausende kreischender Menschen wollten den populärsten Fußballer der Welt aus der Nähe sehen. Drei Tage tourte David Beckham durchs Land und machte Werbung für japanische Kosmetik und Schokolade. Die Popularität des englischen Teamkapitäns in Asien ist beeindruckend. Selbst an den Aktienmärkten machte die Aufregung um den Besuch des Superstars offenbar nicht halt. Die Aktien des Schokoladenherstellers und Beckham-Sponsors Meiji Seika Kaisha legten jedenfalls 1,28 Prozent zu.

Präsentation am Mittwoch

David Beckham ist ein Markenprodukt, und aus diesem Grund ist er genau der richtige Spieler für Real Madrid, oder besser gesagt für Vereinspräsident Florentino Perez, der den Superstar Mitte Juni für 35 Millionen Euro Ablöse von Manchester United gekauft hat. Am kommenden Mittwoch wird er offiziell präsentiert, was zu einem gigantischen Medienereignis ausartet. 30 TV-Stationen werden die Show live übertragen, insgesamt ließen sich 520 Journalisten aus 40 Ländern akkreditieren.

Mit Real wieder nach Asien

Dass man Beckham weniger aus sportlichen als viel mehr aus finanziellen Gründen verpflichtet hat, versucht Perez nicht einmal zu kaschieren: "Es gibt keinen Zweifel", verkündete der Präsident, "dass uns Beckhams Medienprojektion helfen wird, die Marke Real Madrid auf dem angelsächsischen Markt, in Asien und den USA zu konsolidieren." Damit kann der 28-Jährige auch gleich beginnen. Bereits am 24. Juli startet Real Madrid mit seinem Vorbereitungsprogramm für die kommende Saison - zufälligerweise in Asien. Neben Training und Freundschaftsspielen gegen China, Japan und Malaysia wird auch kräftig die Werbetrommel gerührt.

Shirts ausverkauft

80 Adidas-Shops aus Singapur riefen wegen ausverkaufter Lagerbestände der weißen Real-Trikots mit Beckhams Namen bereits den Notstand aus. Adidas-Marketingchef Asien, James Tan, erwartet in den nächsten Monaten einen Absatzanstieg von bis zu 40 Prozent. Außerdem erhält Real Madrid die Hälfte aller privaten Werbeeinnahmen Beckhams. Eine schöne Zusatzeinnahme, bedenkt man, dass der "Flankengott" neben seinem Grundgehalt von rund sechs Mio. Euro (plus Prämien) jährlich weitere 9,1 Millionen Euro aus privaten Werbeverträgen verdient.

Jedes Jahr ein Superstar

Bei diesen Summen reibt sich Perez die Hände. Beckham wird ihn in seinem Vorhaben, aus dem laut FIFA "weltbesten Verein des 20. Jahrhunderts" auch den reichsten zu machen, ein ganzes Stück weiter bringen. "Geld verdient man nur mit den besten Spielern der Welt und nicht mit den restlichen. Deshalb gibt es jedes Jahr einen neuen Superstar bei Real Madrid", tönte Perez. Bei seinem Amtsantritt präsentierte er gleich Portugals Weltfußballer Luis Figo, den er für 70 Millionen Euro eingekauft hatte. Ein Jahr später kam Zinedine Zidane für rund 75 Millionen Euro von Juventus. Im vergangenen Jahr begeisterte der Vereinschef Sponsoren, TV-Sender und Fans mit dem Brasilianer Ronaldo. 50 Millionen Euro blätterte Perez Mailand hin, um den medienwirksamen Torjäger zu bekommen.

Das Geld sprudelt

Und die Jahrhundertwechsel der Weltfußballer zu Real Madrid machen sich bezahlt. Das Bernabeu-Stadion ist ständig ausverkauft und die Sponsorengelder sprudeln wie nie zuvor, freut sich Real Madrids Marketingdirektor Jose Angel Sanchez. Allein das spanische Pay-TV legt dem Verein pro Saison 54 Millionen Euro auf den Tisch, um herausragende Spiele des Dream-Teams exklusive zeigen zu können. Ronaldos Verpflichtung ließ die Abonnements des hauseigenen Bezahlfernsehens Real Madrid TV sogar um 33 Prozent auf 60.000 steigen. Ausrüster Adidas überweist jährlich weitere 24 Millionen Euro und dem Trikotsponsor Siemens ist die Ausnahmemannschaft elf Millionen Euro pro Saison wert.

Erhöhte Einnahmen durch Merchandising

40 Prozent des Jahresetats von 240 Millionen Euro stammen allein aus dem Merchandising. Die Verpflichtungen von Zidane und Ronaldo erhöhten die Merchandisingeinnahmen des Vereins um über 50 Prozent. Mit den Stars hat sich Madrids Fan-Gemeinschaft mittlerweile auf hundert Millionen Anhänger aus fünf Kontinenten vergrößert. Die Marke Real Madrid zieht, und mit jedem neuen Star steigen auch die Einnahmen aus dem Verkauf von Trikots, Büchern und Postern.

Schulden Tilgen leicht gemacht

Geld für weitere Weltfußballer ist immer noch da. Perez verkaufte nach seinem Amtsantritt das Trainingsgelände für 442 Millionen Euro an die Stadt Madrid, welche das Gelände für ihre Olympiakandidatur 2012 brauchte. So machte er den mit 340 Millionen Ü Euro verschuldeten Verein über Nacht nicht nur schuldenfrei, sondern hatte sogar noch Geld, um Weltfußballer einzukaufen und ein neues Trainingszentrum zu bauen. Sein Baukonzern ACS stieg in Spanien zum Marktführer auf. Mit Real Madrid scheint ihm das ebenfalls zu gelingen. Mittlerweile hat nur noch Manchester United mehr Geld.(APA)

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    Becks drauf, Geld rein.

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