Amazonas-Regenwälder schwinden immer schneller dahin

30. Juni 2003, 13:02
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Brasilianische PolitikerInnen schlagen sich mit den Folgen zunehmenden Soja-Anbaus herum

London/Brasilia - Der Urwald im Amazonas-Gebiet verschwindet nach neuesten Erkenntnissen in einer noch nie dagewesenen Geschwindigkeit. Nach jüngsten Satellitendaten des National Institute for Space Research (INPE) sind allein im Vorjahr mehr als 25.000 Quadratkilometer Regenwald in Amazonien gerodet worden, berichtet BBC-online. Das entspricht einer Steigerung von 40 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Auf den gerodeten Flächen wird in erster Linie Soja angebaut.

Umweltaktivisten warnen vor dem Verlust des größten Regenwaldsystems der Erde. "Eigentlich sollte die Rodung im südlichen Amazonasgebiet zurückgehen anstatt zu wachsen", so Mario Monzoni, Projekt-Koordinator der Umweltorganisation Friends of the Earth in Brasilien. Gründe für die rasche Zerstörung des Waldes liegen darin, dass Soja den Bauern relativ große Gewinne verspricht und vor allem für einen Aufwärtstrend in der brasilianischen Handelsbilanz sorgt. Umweltschützer werfen den lokalen Behörden vor, Gesetze zum Schutz des Regenwaldes mehr oder weniger zu ignorieren.

Politisches Problem

Die Mitte-Links Regierung unter Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat bereits angekündigt, neue Vorschläge gegen den drohenden Verlust der Wälder zu unterbreiten. Die neue Umweltministerin und ehemalige Kampagnerin Marina da Silva erklärte gegenüber BBC, dass ihr selbst die Hände gebunden sind: einerseits habe Brasilien Mio. Dollar für die Satellitenüberwachung des Regenwaldes investiert, andererseits fehlt Umweltschutzorganisationen und lokalen Umweltbehörden oft Geld um Treibstoff für Autos und Motorboote zu kaufen. Dadurch könnten illegale Schläger und Bauern, die geschützte Wälder roden häufig nicht belangt werden. Aber auch auf nationaler Ebene sorgen brasilianische Gesetze mit zahlreichen Schlupflöchern und korrupten Beamten dafür, dass Umweltverbrecher häufig gar nicht belangt werden.

Internationale Umweltorganisationen warnen vor dem Schaden, den weitere Schlägerungen in dem fragilen Ökosystem anrichten. Die Urwälder Amazoniens beherbergen etwa 30 Prozent aller auf der Erde vorkommenden Tiere und Pflanzen. Immer noch sind Tausende Lebewesen im größten Regenwald der Erde unerforscht und wissenschaftlich unbeschrieben. In den vergangenen 15 Jahren wurden insgesamt 243.000 Quadratkilometer des Waldes gerodet. (pte)

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