Rektorswahlen brachten kaum neue Gesichter an die Uni-Spitzen

30. Juni 2003, 13:52
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Fünf neue Rektoren, und nach wie vor keine Frau - An der Medizin-Uni Innsbruck wurden Wahlen nicht fristgemäß durchgeführt

Wien/Innsbruck - Die durch die Einführung des Universitätsgesetzes (UG) nötigen Rektorswahlen haben kaum neue Gesichter an die Spitze der österreichischen Hochschulen gebracht. An 13 der derzeit bestehenden 18 Unis wurden die bisherigen Amtsinhaber wiederbestellt, auch die Mehrzahl der Neo-Rektoren profitierte vom Rückzug ihrer jeweiligen Vorgänger, die sich nicht mehr der Wahl stellten. Tatsächlich abgewählt wurden nur zwei Rektoren. Nach wie vor steht auch keine Frau an einer Uni-Spitze.

Nur an Insbrucker Medizin-Uni wurden Rektorswahlen nicht fristgemäß durchgeführt

Bis Montag (30. Juni) hatten die Universitäten Zeit, ihre neuen Rektoren zu bestellen. Diese gesetzlich eingeräumte Frist haben sämtliche 18 bestehenden Unis eingehalten, auch die beiden neu entstehenden Medizin-Unis Wien und Graz haben bereits gewählt. Als einzige der künftig 21 Hochschulen ist bisher nur die neue Medizin-Uni Innsbruck dieser Verpflichtung nicht nachgekommen - dort gibt es noch Meinungsverschiedenheiten zwischen Gründungskonvent und Universitätsrat über den Kandidaten. Mittlerweile hat sich sogar Landeshauptmann Herwig Van Staa (V) als Vermittler eingeschaltet. Jetzt ist Bundesministerin Gehrer am Zug. Sie muss per Gesetz einen Rektor für die Medizin-Uni bestellen. Marsoner ging davon aus, dass die Entscheidung "ziemlich rasch" fallen werde. Er rechnete bereits für die erste Julihälfte mit der Ersatzvornahme.

Der Universitätsrat der Medizinischen Universität lehnte den Vorschlag des Gründungskonventes bei einer Stimmenthaltung einstimmig ab. Der Gründungskonvent hatte wiederholt auf den Dekan der Medizinischen Fakultät, Univ.-Prof. Hans Grunicke, als einzigen Kandidaten beharrt. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber die Argumente des Konventes sind nicht besser geworden", erklärte Marsoner. Er begründete das Ergebnis damit, dass "der andere Kandidat besser war".

Graz: Neubestellte Rektoren wollen nicht kommen oder weggehen Probleme gab es auch an der Technischen Universität Graz: Dort wurde zunächst Helmut Hoyer zum Rektor gewählt, der es nach zwei Wochen aber doch vorzog, an seiner bisherigen Wirkungsstätte, der Fernuni Hagen, zu bleiben. Auch der wieder gewählte Rektor der Uni Graz, Lothar Zechlin, spielt derzeit nur einen Monat nach seiner Wahl mit einem Weggang nach Deutschland.

Chancen hatten die "neuen Gesichter" fast nur an jenen Unis, an denen der bisherige Rektor nicht mehr für eine erneute Amtszeit kandidierte. Tatsächlich "abgewählt" wurden nur Wolfgang Pöhl an der Montanuniversität Leoben (ihm folgt Wolfhard Wegscheider) und Winfried Müller (ihm folgt Günther Hödl) an der Universität Klagenfurt. Die anderen Neu-Rektoren Hubert Dürrstein (Universität für Bodenkultur), Hans Sünkel (Technische Universität Graz) und Manfried Gantner (Universität Innsbruck) mussten jeweils nicht gegen den bisherigen Amtsinhaber antreten.

Kontinuität an den Medizinischen Universitäten und den Kunsthochschulen

Auch an den durch das UG neu entstehenden drei Medizinischen Universitäten wird größtenteils auf Kontinuität gesetzt: In Wien wurde der amtierende Dekan der Medizinischen Fakultät, Wolfgang Schütz, zum Rektor gewählt, und in Innsbruck - der einzigen Uni, die noch keinen Rektor bestellt hat - kämpft der Gründungskonvent um die Installierung des amtierenden Dekans Hans Grunicke als Rektor. Die Medizinische Universität Graz hingegen setzte mit Gerhard Franz Walter auf ein neues Gesicht, der gebürtige Grazer verbrachte die letzten 18 Berufsjahre in Deutschland.

Überhaupt keine Änderungen hat es an der Spitze der sechs Kunstuniversitäten gegeben, wo alle Rektoren wiedergewählt wurden. (APA)

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