Österreichische SARS-Forschung

30. Juni 2003, 11:59
posten

Drei verschiedene Kandidat-Vakzine entwickelt

Wien - "Wir haben bereits drei verschiedene Kandidat-Impfstoffe, die wir jetzt in großen Mengen für die weiteren Tests herstellen", sagte der zuständige Forschungschef des Pharma- und Impfstoffkonzerns Baxter, Univ.-Prof. Dr. Friedrich Dorner, am Montag am Rande der Jahrestagung der europäischen Gesellschaft für Chemotherapie und Infektionskrankheiten (bis 1. Juli) in Wien.

"Wir verwenden bei der Entwicklung dieser Vakzine Techniken, die wir bereits für andere Impfstoffe geschaffen haben. Wir haben drei verschiedene Sars-Impfstoff-Kandidaten. In einem Fall handelt es sich um ein Vakzin aus inaktivierten ganzen Viruspartikeln, die wir in Vero-Zell-Gewebekulturen züchten. Dann haben wir einen Impfstoff aus einem modifizierten Vaccinia-Virus (Kuhpocken, Anm.), auf das wir Bestandteile der Membran des Sars-Virus 'aufsetzen'. Und schließlich haben wir auch noch ein defektes Vaccinia-Virus mit dieses 'Spikes' (Spitzen, Anm.) von Sars", erklärte Dorner.

Weitere Vorgehensweise

Baxter befindet sich derzeit in Verhandlungen mit zwei Partnern für die weitere Entwicklung dieser Impfstoffe. Was das Unternehmen auszeichnet: im Rahmen der ehemaligen Immuno AG eine jahrzehntelange Erfahrung mit Vakzinen (FSME etc.). Dorner und sein Team entwickelten schließlich ihre Technik der Herstellung von Impfstoffen in Säugetier-Zell-Linien. Der Vorteil: Binnen kürzester Zeit lassen sich große Mengen an unterschiedlichen Impfstoffen herstellen. Dadurch kann auch schnell auf neue Bedrohungen geantwortet werden.

Der Wissenschafter: "Wir haben für das US-Unternehmen Acambis (jenes im Auftrag der US-Regierung) 53 Millionen Dosen Pocken-Impfstoff produziert. Jetzt sind wir dabei, eine neue Generation des Pocken-Vakzins zu entwickeln Es basiert auf einem modifizierten Vaccinia-Virus." Die Herstellung erfolgt zunächst mit der selben Technologie wie beim FSME-Impfstoff (Kuhpockenvirus, Anm.). Hier könnte ein Auftrag der US-Regierung von weiteren 30 Millionen Dosen winken.

Gleichzeitig wird auch die Entwicklung der Technik zur Herstellung des Vakzins in den Zellkulturen vorangetrieben. Der Vorteil der modifizierten Vaccinia-Viren laut Dorner: Was das Virus zum Wachsen benötigt, bekommt es erst aus der Zellkultur. Da der Mensch diese Gen-Anlagen aber nicht besitzt, sind diese Impf-Viren extrem sicher.

Forscung in anderen Ländern

In den Niederlanden bereits zugelassen ist ein Influenza-Impfstoff von Baxter, der ebenfalls erstmals in Zell-Kulturen produziert wird. Hie soll es in absehbarer Zukunft zur Zulassung in den EU-Ländern kommen. Die klinischen Studien in den USA sollen ebenfalls anlaufen. Der Wissenschafter: "Unser Vakzin ist zumindest so wirksam wie die herkömmlichen Influenza-Impfstoffe." (APA)

Share if you care.