Abkühlung nach Jahrhundert-Junihitze

30. Juni 2003, 18:42
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Temperaturen lagen um bis zu sechs Grad über dem langjährigen Durchschnittswert- mit Grafik

Wien/Eisenstadt - Schweißdrüse an Sympathikus: "Bin total ausgelaugt!" Der eben zu Ende gegangene Juni hat dem menschlichen Kühlsystem den letzten Tropfen abverlangt - bis zu drei Liter pro Person und Tag. Und was sich auf vielen Sweatshirts deutlich abgezeichnet hat, ist seit Montag amtlich: Es war eine Jahrhundert-Junihitze.

Die Monatsmittel der Temperatur lagen im Westen und Süden Österreichs um fünf bis sechs Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt. Im Norden und Osten um 3,5 bis fünf Grad. Das ist die Bilanz von Helmut Derka von der Klimaabteilung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) auf der Hohen Warte in Wien.

Städtewerte

Einige Städtewerte: Bregenz war zwischen Mai und Juli durchschnittlich 23 Grad warm, um drei Grad mehr als der bisherige Rekord aus 1877. Zum Vergleich: In Palermo ist es normalerweise auch nicht heißer. Salzburg: 21,5 Grad (bisher 19,4 aus 1917). Klagenfurt: 21,8 (bisher 20,6 aus 1822). In Wien wurde mit 22 Grad der alte Junitemperaturrekord aus dem Jahr 1811 um knapp einen halben Celsius übertroffen.

An den hohen Werten sind laut Hoher Warte nicht einige extreme Hitzetage schuld, sondern das völlige Fehlen von markanten Kaltlufteinbrüchen. Selbst die sonst so verlässliche "Schafskälte" sei heuer ausgeblieben.

Burgenland: Schwierigkeiten mit Wasserversorgung

Im Burgenland gibt es wegen der Trockenheit punktuell Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung. Betroffen sind Gemeinden wie Rechnitz, Deutsch Kaltenbrunn oder Nikitsch, die noch nicht an überregionale Wasserverbände angeschlossen sind. Im Mühlviertel in Oberösterreich sind ebenfalls einige Hausbrunnen trocken. Von großflächigeren Wasserengpässen blieb Österreich bisher aber verschont. In Wien wurden im Juni zusätzlich zu den beiden Hochquellwasserleitungen täglich 40.000 bis 70.000 Kubikmeter Grundwasser aus der Lobau eingespeist.

Sympathikus an Schweißdrüse: "Produktion drosseln!". Ab heute, Dienstag, zieht sich die Sonne zurück. Stimmt die Prognose, sinken die Temperaturen auf 20 bis 25 Grad, Schauer sind bis Sonntag möglich. "Man wird nicht erfrieren, aber mit dem Hochsommer ist es vorerst einmal vorbei", hieß es auf der Hohen Warte. (simo/DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2003)

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    Überfüllte Bäder, übermäßige Grade, sich übertreffender Juni.

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