Thrombosen als Warnsignal für Krebs

30. Juni 2003, 11:32
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Auswertung der Krankengeschichten von 62.000 Patienten weist auf Zusammenhang hin

Wien - Krebskranke sind besonders auch häufig von Venenthrombosen betroffen. Umgekehrt - so österreichische Fachleute - kann eine solche Thrombose auch auf eine entstehende und noch nicht erkannte bösartige Erkrankung hinweisen. Dies erklärte Univ.-Prof. Dr. Ingrid Pabinger, Leiterin der Gerinnungsambulanz am Wiener AKH, in einer Aussendung.

Patienten, die wegen einer Venenthrombose stationär behandelt wurden, haben im Vergleich zur übrigen Bevölkerung ein vierfach erhöhtes Risiko für eine Krebsdiagnose im folgenden Jahr. "Eine plötzlich auftretende Thrombose könnte somit ein Warnsignal für eine bisher unerkannte Tumorerkrankung sein", stellte Ingrid Pabinger fest.

Empirie

Das zeigte sich auch in einer Auswertung der Krankengeschichten von 62.000 schwedischen Patienten. Auffallend hoch ist offenbar das Risiko für urogenitale und gynäkologische Karzinome nach Venenthrombosen: So wurde zum Beispiel Eierstockkrebs bei Thrombosepatientinnen elf Mal häufiger diagnostiziert als bei Frauen ohne solche thrombo-embolische Erkrankungen.

"Thrombosen begünstigen sogar die Entstehung von Malignomen (Tumorerkrankungen, Anm.) und sind Indikatoren für besonders aggressive Krebserkrankungen", warnte die Blutgerinnungsexpertin.

Auch umgekehrte Kausalität

Menschen, die bereits an einer Krebserkrankung leiden, haben wiederum ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entstehung gefährlicher Blutgerinnsel in den Blutgefäßen. Ingrid Pabinger: "Im klinischen Alltag müssen wir etwa bei 15 Prozent aller Krebspatienten mit thrombo-embolischen Komplikationen rechnen. Bei bestimmten bösartigen Tumorerkrankungen, wie etwa bei Hirntumoren und Bauchspeicheldrüsenkrebs, ist das Risiko sogar doppelt so hoch."

Das Gefährliche daran: Die Blutgerinnsel werden mit dem Blutstrom zu lebenswichtigen Organen geschwemmt. Häufig setzen sie sich in den Lungenarterien fest - es kommt zur Lungenembolie (Lungeninfarkt).

Bei Krebspatienten können sich Immobilität bzw. Bettlägerigkeit noch zusätzlich negativ auf das Thromboserisiko auswirken, weil dadurch die Fließgeschwindigkeit des Blutes beeinträchtigt wird. Auch eine Chemotherapie hat einen negativen Effekt.

Schlussfolgerungen

Univ.-Prof. Dr. Christine Mannhalter, Vorsitzende der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung: "Die Blutzusammensetzung wird durch die erhöhte Konzentration von gerinnungsaktiven Substanzen beeinflusst, da der Körper den Tumor als innere Wunde ortet und den Blutgerinnungsprozess in Gang setzt. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen außerdem, dass der Tumor versucht, sich durch die Blutverdickung gleichsam vor dem körpereigenen Abwehrsystem zu schützen."

Laut den Fachleuten sollte deshalb bei Krebspatienten das Thromboserisiko genau bestimmt werden. Im Bedarfsfall sollte auch an eine medikamentöse Prophylaxe mit niedermolekularem Heparin gedacht werden. Das verbessert offenbar bei manchen Betroffenen sogar die Überlebenszeit der Schwerkranken, ergab eine Studie, die vor kurzem bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung vorgestellt wurde. An ihr hatten 382 Patienten mit Brust-, Darm-, Eierstock- und Bauchspeicheldrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium teilgenommen. Ein derart positiver Effekt zeigte sich allerdings nur bei einer Untergruppe von Betroffenen. (APA)

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