Regierungspartner traut dem Frieden nicht ganz

30. Juni 2003, 11:22
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Pühringer: "Wer die Aktivitäten des Kärntner Kollegen kennt, der weiß, dass am nächsten Tag alles anders sein kann"

Wien - So ganz scheint man in der ÖVP dem vorläufigen Frieden im Kampf um die FP-Spitze nicht zu trauen. So meinte Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (V) vor Beginn des Österreich Konvents am Montag zum scheinbar befriedeten Konflikt: "Wer die Aktivitäten des Kärntner Kollegen kennt, der weiß, dass am nächsten Tag alles anders sein kann." Finanzstaatssekretär Alfred Finz beantwortete die Frage, ob man nun einen stabilen Koalitionspartner habe mit einem Lachen: "Das glaube ich, kann sich jeder selbst beantworten."

"Ein Wechsel an der FP-Spitze wäre "für die Koalition nicht gut", meinte Pühringer. Ob ein Wechsel des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider (F) an die FP-Spitze nicht auch ein Ende der Personaldiskussion und damit ein Mehr an Stabilität bringen könne, beantwortete Pühringer mit dem Hinweis, dass zur Stabilität auch die Verlässlichkeit des Koalitionspartners gehöre. Ob diese Verlässlichkeit mit Haider nicht gegeben wäre? "Alle kennen Jörg Haider und jeder Kommentar dazu ist überflüssig."

Orakel von Delphi

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (V) auf die Frage, ob sich Haider nun ruhig verhalten werde: "Da müsste man das Orakel von Delphi sein, wenn man darauf eine Antwort geben wollte." Und, so Leitl: "Ich glaube, dass die wahren Vorgänge mit dem, was wir gestern (in der TV-Diskussion "Offen gesagt", Anm.) gesehen haben, nichts zu tun haben."

Etwas Skepsis war auch in den Worten von Landwirtschaftsminister Josef Pröll (V) zu hören. Die FPÖ befinde sich "auf dem Weg der Klärung". Für die ÖVP sei FP-Parteichef Herbert Haupt der Ansprechpartner, der gute Arbeit in der Regierung leiste. Haider forderte er auf, sich auf seine Arbeit als Landeshauptmann zu konzentrieren, "und Kommentare in andere Richtungen zu unterlassen".

Der Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa zeigte sich über die "Schärfe" der Reaktion Haupts "überrascht". Er glaubt aber, dass der Konflikt über die Parteiführung "natürlich nicht" geklärt sei. Das verstärkte Auftreten Haiders hänge von "anderen Dingen als vom politischen Kalkül" ab, so van Staa, der hinzufügte, dass er immer ein "Skeptiker" der schwarz-blauen Koalition gewesen sei.

Keinen Kommentar gab es vor dem Konvent von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) und auch FP-Klubchef Herbert Scheibner. Haider lässt sich bei der heutigen Konventssitzung übrigens durch den Kärntner Landtagspräsidenten Jörg Freunschlag vertreten. (APA)

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    Josef Pühringer ist nicht das Orakel von delphi

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