Die Ziellinie ist gleichzeitig der Start

9. September 2003, 12:06
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Christa Furter, die "anziehende" Frau hinter dem Katalog des Modeversandunternehmens "La Redoute", hat eine Bilderbuchkarriere hinter sich - Blühende Erfolge wurden der Tochter niederösterreichischer Gärtnereibesitzer allerdings schon gleichsam in die Wiege gelegt

Der Versandkatalog La Redoute, erschwingliches Familienmitglied der Luxus Gruppe Redcats, erfreut weltweit über acht Millionen - "treue" Kunden mit französischem Lebensstil und enervierend-aktueller Mode.

Als Nummer eins in Frankreich ist La Redoute mit kontinuierlicher Beharrlichkeit darum bemüht, auch den Rest der Welt "chic" einzukleiden. Mit Vertretungen in England, der Schweiz, Portugal, Spanien, Österreich, Belgien, den USA und Schweden rangiert La Redoute mittlerweile auf Platz drei im internationalen Versandhandel.

Als alleinige Geschäftsführerin von La Redoute Österreich ist Christa Furter seit 1998 für den heimischen Markt verantwortlich. Der Firmensitz mit 110 Mitarbeitern befindet sich in Hallein bei Salzburg. Dass der österreichische Standort, konzernintern, als wegweisend innovativ und besonders kundenorientiert gilt, ist nicht zuletzt auf die 34-jährige Geschäftsführerin und Österreich-Managerin zurückzuführen.

Händchen für blühenden Erfolg

Ihr ist es gelungen, mithilfe ihres Teams, wirtschaftlichem Geschick und Charisma, starke Kundenbindungsprogramme aufzubauen und die anderen 15 heimischen Versender (darunter auch Quelle, Otto und Neckermann) abzugrenzen. In ein niederösterreichisches Blumenunternehmen (vulgo Gärtnerei) hineingeboren, hat die Geschäftsführerin von frühester Jugend an ein Händchen für blühenden Erfolg. Christa Furter entsinnt sich ihrer, manchmal auch rauen, Kindheit.

Die Geschichte ihrer Karriere klingt wie ein Märchen: Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen, wurde ihr die Gabe zu verkaufen quasi in die Wiege gelegt. Sie erinnert sich, als Kind, am Straßenrand stehend, ihr Taschengeld mit dem Verkauf von Blumen verdient zu haben.

"Später hatte ich die Wahl zwischen im Geschäft stehen oder den Haushalt führen. Abwechselnd tat ich beides. Ich glaube, ich war wohl das einzige Kind, das sich darauf freute, wenn die Ferien zu Ende waren und die Schule wieder anfing", lacht Furter überzeugend.

Obwohl im Familienunternehmen noch zwei Brüder tätig waren, sah der Vater vor allem die Zukunft seiner Tochter im Gartenbau. Es kostete Christa Furter allerlei Mühen und Überzeugungskraft, ihren Studiumswunsch an der Wiener Modeschule Michelbeuern durchzusetzen.


Job und Studium

Die schulischen Leistungen stimmten den Vater gnädig, obwohl er weiterhin nicht bereit war, seine Tochter auch finanziell zu unterstützen. "Wer studieren will, muss arbeiten können", so der Vater. Und arbeiten, das konnte Christa Furter.

Sie bewarb sich als Einkauf-assistentin beim französischem Dessoushersteller Damart. Sprachbegabung und die Resultate eines Eignungstests förderten Christa Furters Karriere von der ersten Stunde an. In kürzester Zeit gewann sie internationalen Einblick in Großkonzerne und den Versandhandel. Ihr Einstieg ins Marketing wurde vom Zufall (der Erkrankung einer Kollegin) geprägt.

Anstatt sich auf ihren beruflichen Erfolgen auszuruhen, strebte Christa Furter immer wieder berufliche Veränderungen an. 1993 begann ihre Karriere im Kosmetikkonzern Yves Rocher, wo sie im Bereich Produktmanagement und Stammkundenbetreuung tätig war. Nach der Fusion Österreich/Schweiz musste Christa Furter ein Marketingteam, zur Hälfte aus Schweizern und zur Hälfte aus Österreichern bestehend, leiten.

In den zwei Jahren, in denen sie in der Schweiz und gleichzeitig auch in Österreich arbeitete, wurde sie der Qualitätsunterschiede der beiden Länder gewahr.

Sparen

Während in der Schweiz Gärtner in die Agentur geholt wurden, um sich um Zimmerpflanzen zu kümmern, war in Österreich Sparen angesagt. Einschränkungen begannen hierzulande bereits beim Putzteam. Wer seinen Schreibtisch reinigen wollte, musste sich mit Putzutensilien von der Rezeption ver- sorgen.

Christa Furter absolvierte ihr Wochenendstudium an der Managerakademie der Universität Salzburg. 1995 wurde sie von den Casinos Austria zur "Miss Roulette" gewählt. Obwohl der französische Konzern das Engagement der Österreicherin erkannte und ebenfalls viel in ihre Weiterbildung investierte, lehnte Furter nach fünf Jahren Yves Rocher eine Karriere innerhalb des zentralistischen Unternehmens ab.

"Es passt nicht zu meiner Natur", so Furter. "Ich liebe Kursveränderungen. Es gibt kaum etwas Schöneres, als mit Menschen etwas Neues aufzubauen."

1997 erfolgte ihre derzeit letzte berufliche Veränderung. Bei einem Geschäftstermin wurde die erfolgreiche Marketingexpertin von La Redoute abgeworben und als Geschäftsführerin für die Markteröffnung in Österreich vorgeschlagen. Nach sechs Jahren, darunter auch gelegentlichen Frustphasen, bekennt Christa Furter: "Ich liebe meinen Beruf, aber ich höre nicht mit dem Träumen auf. - Leadership ist so etwas wie ein endloser Marathon, bei dem die Ziellinie gleichzeitig auch immer wieder der Start ist." (Genoveva Kriechbaum, DER STANDARD, Prinausgabe, 28./29.6.2003)

  • La-Redoute- Österreich-Chefin Christa Furter: "Leadership ist so etwas wie ein endloser Marathon, die Ziellinie gleichzeitig wieder der Start"
    foto: la redoute

    La-Redoute- Österreich-Chefin Christa Furter: "Leadership ist so etwas wie ein endloser Marathon, die Ziellinie gleichzeitig wieder der Start"

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