"Armutsfalle" Arbeitsmarkt

30. Juni 2003, 01:43
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Zahlen, Daten und Fakten des ÖGB zum Thema "Frauen am Arbeitsmarkt"

Die Arbeitslosenquote der Frauen stieg von 5,9 Prozent im Jahr 2000 auf 6,4 Prozent 2002. Im Vergleich zum Februar des Vorjahres hat die Zahl der arbeitslosen Frauen im Februar 2003 geringfügig abgenommen ( minus 1,5 Prozent). Absolut waren im Februar 2003 99.162 Frauen als arbeitslos registriert. Die tatsächliche Zahl der Arbeit suchenden Frauen ist laut ÖGB weit höher.

Karenz- und KindergeldbezieherInnen

Karenz- bzw. KinderbetreuungsgeldbezieherInnen werden in der offiziellen Statistik als beschäftigt gezählt. Die Beschäftigtenzahlen schauen dadurch, so der ÖGB, deutlich besser aus, die Arbeitslosenquote wird dadurch niedriger. Frauen würden teilweise fälschlich annehmen, "so lange es Geld gibt, bin ich auch in Karenz". Kindergeld gibt es allerdings tatsächlich bis maximal zum 30. Lebensmonat (wenn nur ein Partner die Betreuung über hat), die Karenz dauert nur bis zum 2. Geburtstag des Kindes. Bleiben die Frauen (aus Unwissen) länger zu Hause, werden sie immer häufiger vom Dienstgeber einfach entlassen.

"Versteckte" Arbeitslose

Wiedereinstiegerinnen und Frauen, die wegen der Anrechnung des Partnereinkommens um die Notstandshilfe fallen, verzichten häufig auf die Meldung beim AMS und scheinen damit nicht in der offiziellen Arbeitslosen-Statistik auf. Allein im Jahr 2002 wurde bei 12.588 Personen die Notstandshilfe "mangels Notlage" abgelehnt oder eingestellt, 85 Prozent der Betroffenen waren Frauen. Dazu kommen noch jene Arbeitslosen, die sich in Schulungen befinden. Auch sie scheinen nicht in der offiziellen Arbeitslosenstatistik auf (im Februar 2003 waren dies über 45.000 Frauen und Männer.)
Der Anteil der Frauen, die nach der Karenz nicht mehr in den Arbeitsmarkt zurückkehren, stieg von 37,6 Prozent im Jahr 1997 auf 40,9 Prozent im Jahr 2001. Gleichzeitig schaffen auch weniger Frauen die Rückkehr in eine voll versicherte Voll- oder Teilzeitbeschäftigung.

Mehr atypische Beschäftigung – weniger Vollzeitstellen

Der Zuwachs bei der Frauenbeschäftigung in den letzten Jahren geht auf Teilzeit und geringfügige Beschäftigung zurück. Das Jahreseinkommen der unselbständig Beschäftigten im Jahr 2001 betrug 15.138 Euro netto (Medianwert). Frauen kamen gerade auf 11.664 Euro netto, Männer auf 17.856 Euro. Das mittlere Fraueneinkommen betrug damit 65 Prozent des Einkommen eines Mannes. Im Handel erhält eine Beschäftigte mit einem 20-Stunden Job ca. 500 Euro brutto.

Arbeitslosigkeit und Notstand

Das mittlere Arbeitslosengeld betrug 2001 pro Monat 653 Euro (inklusive allfälliger Familienzuschläge). Frauen erhielten 591 Euro (Medianwert), Männer 727 Euro. Zumindest 60 Prozent der arbeitslosen Frauen mussten 2001 mit einem Arbeitslosengeld auskommen, das den Ausgleichszulagenrichtsatz für Alleinstehende in der Pensionsversicherung (2001: 613,14 Euro) unterschreitet oder bestenfalls erreicht. Bei den Männern lag der Anteil bei 20 Prozent. Die mittlere monatliche Notstandshilfe belief sich 2001 auf 532 Euro; Für Frauen betrug der Median 460 Euro, bei Männern 586 Euro.

Probleme auf dem Arbeitsmarkt

Die Beschäftigung der Frauen ist in den letzten Jahren zwar im Gegensatz zu den Männern angestiegen, jedoch erfolgte dieser Anstieg überwiegend im Bereich der Teilzeitbeschäftigung. Die Ausweitung der Frauenbeschäftigung erfolgt vor allem im Dienstleistungsbereich und hier wiederum im Bereich der einfacheren Qualifikationen. In diesem Bereich geht die Arbeitslosigkeit in letzter Zeit zurück, was, so der ÖGB, die These aufwirft: "Frauen sind billiger." JedeR/r zehnte unselbständig/e Erwerbstätige musste 2001 mit weniger als 1.000 Euro auskommen (Männer 5 Prozent, Frauen 17 Prozent). Das sind 314.000 Beschäftigte. Berücksichtigt sind bei dieser Berechnung sowohl Vollzeiterwerbstätige als auch Teilzeitkräfte mit auf Vollzeit umgerechnetem Einkommen.

Die Folgen

Frauen würden auf die Rolle der "Zuverdienerin" reduziert. Minimale Sozialleistungen im Falle der Arbeitslosigkeit und bei der Pension sind die Folge. Die geplante Ausweitung des Durchrechnungszeitraums von den besten 15/18 Jahren auf 40 Jahre bei den Pensionen trifft Frauen massiv, bei langjährig Teilzeitbeschäftigten oder Frauen mit unterbrochener Erwerbskarriere sind Kürzungen bis zu 30 Prozent zu erwarten.

(red/Quelle: "Frauen am Arbeitsmarkt", Österreichischer Gewerkschaftsbund)

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