"Die eigenen Stärken betonen"

29. Juni 2003, 22:06
posten

Am Mittwoch streiten Salzburg, Vancouver und Pyeongchang um die Winterspiele 2010 - Egon Winkler im Gespräch mit Fritz Neumann

Allgemein wird ein spannendes Duell zwischen Salzburg und Vancouver erwartet. Auch Egon Winkler, der Generaldirektor des Olympiabüros, würde Salzburgs Chancen nicht bloß mit 33,3 Prozent beziffern, wie er im Gespräch mit Fritz Neumann sagt.

der Standard: Würden auch Sie Pyeongchang als den kleineren Gegner betrachten? Zuletzt war zu hören, dass allein das Klima gegen Südkorea spricht, weil man ähnlich katastrophale Bedingungen wie bei der Ski-WM in Morioka erwarten würde.
Winkler: Über das Wetter, das dort herrscht, kann ich nichts sagen. Klar ist schon, dass Pyeongchang eine gewisse Außenseiterrolle einnimmt. Aber alle drei Bewerbungen sind sehr stark - man darf nicht vergessen, dass von ursprünglich acht Kandidaten vier ausgewählt wurden, von denen sich dann einer, Bern, selbst verabschiedet hat.

STANDARD: Vergleicht man freilich allein die finanziellen Möglichkeiten der drei Bewerbungen, so wäre Salzburg klar im Hintertreffen.
Winkler: Das Geld wird nicht den Ausschlag geben. Aber es stimmt, uns standen etwa 8,5 Millionen Euro zur Verfügung, ein Drittel des Budgets der Kanadier. Und über die finanziellen Möglichkeiten Pyeongchangs wissen wir nichts Genaues, die waren wohl ziemlich unbegrenzt.

STANDARD: Wie sehen die letzten Tage bis zur Vergabe aus?
Winkler: Wir sind seit kurzem in Prag, dürfen aber kein Lobbying mehr machen. Im Vordergrund steht die Schlussredaktion der letzten Präsentation, die wir noch haben. Diese 45-minütige Präsentation wird eine sehr große Rolle spielen, viele IOC-Mitglieder scheinen ihre Entscheidung noch nicht getroffen zu haben.

STANDARD: Woran liegt das?
Winkler: Daran, dass es den IOC-Mitgliedern nicht erlaubt war, die Kandidatenstädte zu besuchen. So hat sich zwar die Evaluierungskommission vor Ort ein Bild machen können, aber insgesamt sind eben noch viele unentschlossen.

STANDARD: Nicht wenige Menschen vertreten die Meinung, dass es bei einer Olympia-Vergabe nicht so sehr um die tatsächliche Qualifikation der Bewerber geht. Wie politisch ist die Entscheidung in Prag?
Winkler: Bei jeder Entscheidung zwischen mehreren Bewerbern ist das so. Natürlich werden am Mittwoch regionale, sogar kontinentale Überlegungen miteinbezogen, das ist ganz klar.

STANDARD: Inwiefern haben Sie sich mit den beiden Konkurrenten beschäftigt?
Winkler: Kaum. Man hat sich natürlich oft getroffen, weil man denselben Leuten hinterhergerannt ist. So wurden gute, freundschaftliche Beziehungen zu den Kanadiern und Südkoreanern aufgebaut. Aber wir haben uns ganz bewusst auf uns selbst konzentriert, auf den uns eigenen Stärken aufgebaut.

STANDARD: Wo sehen Sie diese Stärken, Vorteile Salzburgs?
Winkler: Das ist ganz klar die Verbindung Sport-Kultur-Umwelt, der hohe Grad an Sicherheit, die Kompetenz und Qualität der Sportstätten, die tolle Infrastruktur. Zugegeben wirkt eine Stärke noch besser, wo die Mitbewerber nicht so stark erscheinen. Aber man darf nie die andere Schwäche, man muss immer die eigene Stärke betonen.

STANDARD: Ihr Tipp für Prag?
Winkler: Ein ganz, ganz enges Rennen zwischen Salzburg und Vancouver. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 30. Juni 2003, Fritz Neumann)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Generaldirektor des Olympiabüros Egon Winkler (li) und Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden hoffen auf eine Olympiade in Salzburg.

Share if you care.