Besserer Schlaf mit fremder Währung

29. Juni 2003, 19:54
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Bis zu 23 Prozent Gewinn in zwölf Monaten beim Yen - aber was jetzt? Können fast 300.000 Österreicher, die einen Fremdwährungskredit haben, ruhiger schlafen?

Viele Österreicher waren durch die zuletzt massiven Warnungen verschiedener Banken angesichts dieser Finanzierungsform verunsichert. Doch allen - zum Teil bankpolitisch - bedingten Aussagen zum Trotz: Mit Fremdwährungskrediten ließ sich bei richtigem Timing zuletzt ausgezeichnet verdienen.

Allein beim Yen konnten geschickte Kreditnehmer rund 23 Prozent einstreifen - die japanische Währung fiel von 114 auf bis zu 140,58 pro Euro. Der US-Dollar gab in den letzten 52 Wochen von 0,96 auf 1,19 nach - macht 24 Prozent Kursgewinn -, und der Franken fiel nach dem Ende des Irakkrieges auf 1,54 pro Euro.

Der Höchststand der letzten zwölf Monate lag bei 1,44, das ergibt einen Kursgewinn von sieben Prozent. Die Turbulenzen an den Fremdwährungsmärkten haben sich - vorerst - gelegt: Nach dem starken Anstieg des Euro zum US-Dollar, zum japanischen Yen und auch zum Schweizer Franken ist die europäische Einheitswährung in eine Seitwärtsbewegung übergegangen. Teilweise gingen bereits erzielte Gewinne wieder verloren. Eine Korrektur, so meinen Analysten, war jedoch überfällig. Der Yen könnte in Kürze sogar deutlich stärker werden: Positive Wirtschaftsdaten wie zum Beispiel ein über den Erwartungen liegender Handelsbilanzüberschuss (plus 12,5 Prozent) und zum 14. Mal hintereinander gestiegene Exportzahlen geben der japanischen Währung Auftrieb. Gefahr beim Yen sieht auch Shogo Nagaya, Währungsmanager des japanischen Bankriesen Nomura: "Durch die starke Nachfrage nach ausländischen Anlageprodukten in Japan, die in US-Dollar notieren, könnte der Yen durch den Kapitalabfluss zwar schwächer, zum Euro aber durchaus stärker werden."

Starker Dollar?

Dieser Trend könnte sich durch ein Wiedererstarken des US-Dollars verstärken, weil der Yen sich nicht direkt zum Euro, sondern über den Dollar definiert: Ein starker Dollar bedingt immer auch einen starken Yen. Und beim Greenback droht Gefahr: "Der Euro kann durch eine Erholung der US-Wirtschaft im dritten Quartal gegenüber dem Dollar deutliche abrutschen", meint Junya Tanase von JP Morgan Chase.

Einige Experten sehen Kursgewinne beim US-Dollar - die französische Großbank BNP Paribas zum Beispiel sieht den Euro zum nächsten Jahreswechsel bei 1,22. Sie begründen ihre Ansicht mit erneut guten Zahlen des Wirtschaftsmotors BRD: Dort steigt das Unternehmervertrauen, dies sollte positive Signale für die Wirtschaft und die europäische Einheitswährung setzen. Die Mehrheit der Fremdwährungsanalysten rät jedoch, bereits erzielte Gewinne in den sicheren Franken zu retten: "Die Schweizerische Nationalbank SNB hat nur eine einzige Strategie - und die lautet, einen starken Franken zu verhindern", meint Kamal Sharma, Währungsstratege der Commerzbank in London. Monica Fan von der Royal Bank of Canada sieht beim Franken sogar noch Gewinnmöglichkeiten: "Bisher war die Marke von 1,55 zum Euro eine Barriere. Das muss nicht immer so bleiben."

Der Wiener Fremdwährungsexperte Gerhard Massenbauer hält Dollar und Yen aktuell für Kreditnehmer nicht geeignet: "Diese Währungen werden in den nächsten drei Monaten eher stärker als schwächer werden. Man sollte die Finger davon lassen." Der Franken, so Massenbauer, kann kaum aufwerten: "Seitwärts oder leicht schwächer ist zurzeit einzige Wahl für den Franken. Weitere massive Bewegungen sind aktuell nicht zu erwarten." Und: "Chancen und Risiko halten sich beim Franken die Waage - der Zinsgewinn ist den Kreditnehmern dafür sicher. Der Unterschied zum Yen liegt bei nur rund 0,2 Prozent, dafür würde ich kein Risiko nehmen." (Reinhard Kremer, Der Standard, Printausgabe, 30.06.2003)

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