"Kampf ist noch nicht zu Ende"

30. Juni 2003, 13:31
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Bomben, Schussattentate, Sprengfallen - beinahe täglich sterben GIs im Irak

Die Serie von Anschlägen und Sabotageakten im besetzten Irak nimmt kein Ende. Zwei US-Soldaten wurden am Sonntag durch eine Sprengfalle verletzt, als ihr Konvoi eine Autobahn in Bagdad befuhr. Ein irakischer Zivilist starb bei demselben Zwischenfall, zunächst war nicht klar, ob er die Amerikaner begleitete, die Sprengfalle betätigt oder zufällig am Unglücksort war.

Am Samstag fand das US-Militär nördlich von Bagdad die Leichen von zwei Soldaten, die seit Mittwoch vermisst wurden, 50 Kilometer entfernt von dem Ort, von dem aus sie sich zuletzt gemeldet hatten. Freitagabend war einem US-Offizier beim CD-Einkauf auf einem Bagdader Markt in den Nacken geschossen worden. Der Mann wurde schwer verletzt in ein Hospital in Deutschland ausgeflogen.

Hinzu kommen Sabotageakte auf wichtige Infrastruktureinrichtungen. In der vergangenen Woche brannten immer wieder Ölpipelines. Der prekären Stromversorgung Bagdads, die zu gut 50 Prozent auf der Verbrennung schweren Heizöls beruht, setzte das nur weiter zu - derzeit kommt vielleicht täglich vier bis sechs Stunden lang Strom aus der Steckdose. Samstagmittag standen zwei Rauchsäulen am Himmel der irakischen Hauptstadt. Zwei Lager standen in Flammen. Das eine barg wichtige Bauteile für die E-Wirtschaft wie Spulen und Kabel, das andere importiertes Papier für den Druck von Banknoten.

Das US-Militär gibt vor, ein klares Bild von den Schuldigen zu haben. "Der Kampf ist noch nicht zu Ende", sagte ein hoher Offizier dem STANDARD in Bagdad. "Wir gehen gegen Elemente der Baath-Partei und andere Feinde des Irak vor, die unsere Anstrengungen zur Herstellung eines sicheren Umfelds stören wollen." Hinter den Anschlägen stünden Anhänger des untergetauchten Saddam Hussein, ehemalige Mitglieder der regimeloyalen Fedayin-Milizen sowie Tausende Strafgefangene, die von Saddam durch eine Generalamnestie vergangenen Oktober freigelassen worden waren. Insgesamt mache aber das US-Militär Fortschritte bei der Bekämpfung dieser "Elemente". Die Sicherheitslage sei "unbezweifelbar besser" geworden, behauptete der Generalstabsoffizier.

Dem widersprechen nicht nur US-Soldaten, die mit schweren Panzerwesten, Stahlhelm und Gewehr bei der Bagdader Sommerhitze von 45 Grad und mehr auf Patrouillen gehen. "Vielleicht zwei von zehn Anschlägen gehen auf das Konto von Saddam-Loyalisten", schätzt auch der irakische Journalist Ziad Haris. Gezielte Akte gegen strategisch wichtige Punkte könnten unter diese Rubrik fallen. "Alles andere sind spontane Aktionen, Ausdruck des allgemeinen Unmuts über die Besatzung und die immer noch chaotischen Verhältnisse." (DER STANDARD, Printausgabe, 30.6.2003)

Bomben, Schussattentate, Sprengfallen - beinahe täglich sterben GIs im Irak. US-Militärs sehen saddamtreue Saboteure hinter den Aktionen, andere Beobachter sprechen vom "allgemeinen Unmut" gegen die Besatzer als Auslöser.

Gregor Mayer aus Bagdad
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