Wieder einmal "wieder da"

29. Juni 2003, 19:46
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Haider will Erster in der Partei sein

Damals, im September des Vorjahres, wollte er dann doch nicht Parteichef werden. Eigentlich schon designiert, überlegte es sich Jörg Haider wieder anders, erzählte kryptisch von Bedrohungen durch die Waffenlobby - und ließ zuerst Mathias Reichhold und dann Herbert Haupt für die Wahlniederlage die Verantwortung übernehmen.

Eine Wahlniederlage, an der Haider in erklecklichem Ausmaß schuld war. Unter seiner Regie und mit seinem Wohlwollen hatten die blauen Knittelfelder gegen die damalige Parteispitze geputscht - und Neuwahlen ausgelöst. Monatelang hatte Haider davor versucht, seine Nachfolgerin an der FPÖ-Spitze, Susanne Riess-Passer, zur Übergabe des Parteivorsitzes zu bewegen. Vergeblich. Nach Knittelfeld ging sie - und Haider machte eine neue Erfahrung: Jahrelang war er schillernder Popstar, angehimmelter Übervater und verehrter Altbauer der FPÖ, nach Knittelfeld geriet er plötzlich für viele Blauen zum Buhmann.

Laute Pfiffe anderer "einfacher Parteimitglieder" gegen ihn waren wohl ein Mitgrund, warum er im September doch nicht den Sprung an die Parteispitze wagte. Diese offene Kritik wurde nach der vernichtenden Wahlniederlage noch lauter: Etliche FPÖ-Granden und viele Basisvertreter prangerten Haiders Zickzackkurs an oder forderten ihn zum Schweigen auf, einzelne Ortsgruppen fassten sogar den Beschluss, Haider aus der FPÖ auszuschließen. Manche Haider-Kritiker sind heute selbst aus der Partei ausgeschlossen worden.

Und Haider genießt, zumindest bei manchen Landesparteichefs, wieder den Ruf als Erlöser aus dem blauen Jammertal. Im Gegensatz zum Führungskampf mit Susanne Riess-Passer, der als scheibchenweise Demontage ablief, macht Haider jetzt bei Herbert Haupt überhaupt kein Hehl mehr daraus, dass er sich für den besseren Parteichef hält, sondern kündigt fast täglich in selbstbewussten Interviews an, dass er bald "wieder da" und FPÖ-Obmann sein werde.

Lange Opferliste

Haupt wäre beileibe nicht die erste Personalleiche auf Haiders Marsch durch die Innenpolitik. Heide Schmidt, Norbert Gugerbauer und Riess-Passer sind nur einige der Opfer, die Haider auf seinem Zickzackkurs hinterlassen hat. 1986 hatte er sich gegen Norbert Steger an die Parteispitze geputscht, 1989 wurde er Kärntner Landeshauptmann. 1991 stolperte er über eine seiner vielen Avancen an die NS-Zeit, über den Ausspruch der "ordentlichen Beschäftigungspolitik im Dritten Reich". Polterte ab dann als Klubchef in Wien, wurde 1999 wieder Landeshauptmann - und zog sich 2000 als FPÖ-Obmann zurück.

Wie oft er seither endgültig "schon weg" oder wenig später "wieder da" war, lässt sich kaum mehr zählen - und passt zu seinen Stimmungsschwankungen und Destruktivitätsschüben, die schon viele Psychologen beschäftigt haben. Einig sind sich alle darin, dass der narzisstische Haider niemanden lange an der FPÖ-Spitze duldet - außer sich selbst. (eli/DER STANDARD, Printausgabe, 30.6.2003)

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