Haider droht mit "Gebührenstreik"

29. Juni 2003, 22:53
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Erneut heftige Kritik an Partisanen- Dokumentation

Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) hat am Sonntag dem ORF mit einem landesweiten "Gebührenstreik" gedroht, falls nicht bald eine "Gegendarstellung" zu der im vergangenen Jahr gesendeten Dokumentation "Die Kärntner Partisanen" ausgestrahlt werde. "Leute, die massakriert haben, haben in Österreich keinen Ehrenplatz, auch nicht in ORF-Sendungen", betonte Haider beim "Fest der Kärntner Freiheit" im Klagenfurter Landhaushof.

"Einseitigkeit"

"Der ORF-Bericht über das angeblich segensreiche Wirken der Partisanen ist ein Versuch die Geschichte umzuschreiben," sagte Haider. Die von Gerhard Roth gestaltete Partisanen-Dokumentation war schon unmittelbar nach ihrer Ausstrahlung wegen ihrer "Einseitigkeit" heftig kritisiert worden. Vor allem der Kärntner Abwehrkämpferbund und der Kärntner Heimatdienst (KHD) sowie auch Haider hatten darauf hingewiesen, dass die Partisanen im und nach dem Zweiten Weltkrieg nicht für ein freies und demokratisches Österreich, sondern für den Anschluss eines großen Teiles von Kärnten an das kommunistische Jugoslawien gekämpft hätten.

Auch Abwehrkämpferbund-Obmann Fritz Schretter und KHD-Obmann Josef Feldner erneuerten am Sonntag ihre Kritik an der ORF-Dokumentation. Gleichzeitig verlangten sie, dass sämtliche slowenischsprachige Sendungen aus dem ORF-Radio in Kärnten eliminiert werden müssten. Schretter und Feldner begründeten dies mit der Ankündigung von ORF-Generaldirektorin Monika Lindner, den Kärntner Slowenen nach der Gebührenerhöhung Finanzmittel für ein eigenes Radioprogramm zur Verfügung zu stellen.

Neben dieser Forderung formulierte Schretter noch weitere vier Punkte, für die sich der Abwehrkämpferbund stark macht: Es dürfe keine weiteren zweisprachigen Ortstafeln mehr geben, im Minderheitenschulwesen müsse es zu Reformen zu Gunsten der benachteiligten deutschsprachigen Kinder und Lehrer kommen, eine "ethnische Erhebung der Minderheit" habe stattzufinden und schließlich sollte es auch für die Opfer der Tito-Partisanen eine Entschädigung aus dem Restitutionsfonds geben, verlangte der Abwehrkämpferbund-Obmann.

Gespräche über slowenisches Radio laufen

"Es handelt sich um die Meinung dieser beiden Herren." Mit diese Worten kommentierte der Kärntner ORF-Landesdirektor Willy Mitsche die Forderung von Abwehrkämpferbund-Obmann Fritz Schretter und KHD-Obmann Josef Feldner beim "Fest der Kärntner Freiheit" nach Eliminierung sämtlicher slowenischsprachiger Sendungen im ORF-Radio Kärnten.

Derzeit gebe es Gespräche mit den Betreibern von Radio dva, dem privaten slowenischen Sender, daher wolle er die Forderungen nach Abschaffung nicht kommentieren, sagte Mitsche gegenüber der APA.

Zur Drohung des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider mit einem landesweiten "Gebührenstreik" gegen den ORF wollte Mitsche nicht Stellung nehmen. Dies falle in die Verantwortung der Zentrale, das Landesstudio sei davon nicht betroffen. (APA)

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