Operation ohne Narkose

30. Juni 2003, 13:20
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Frau erlebte Unterleibsoperation 45 Minuten lang bei vollem Bewusstsein

Klagenfurt - Auf 70.000 Euro hat eine Kärntnerin das Landeskrankenhaus Klagenfurt geklagt. Die Frau hatte bei vollem Bewusstsein eine Dreiviertelstunde eine schmerzhafte Unterleibsoperation miterleben müssen. Eine Narkoseärztin hatte den Narkoseschlauch nicht ordnungsgemäß angeschlossen. Die Frau konnte sich auch nicht verständigen, weil ihr zuvor Muskel lähmende Substanzen verabreicht worden waren.

Der Fall, der sich vor rund einem halben Jahr zugetragen hat, wurde am Sonntag von der "Neuen Kärntner Tageszeitung" publik gemacht. Wie es in dem Bericht heißt, habe die aus Moosburg (Bezirk Feldkirchen) stammende Frau bei dieser Operation den "blanken Horror" durchgemacht. Sie hätte auf Grund ihrer Bewegungsunfähigkeit verzweifelt versucht, mit Hilfe von Bewegungen der Augen auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Arztwechsel nach Dreiviertelstunde

Erst als die zuständige Narkoseärztin nach einer Dreiviertelstunde zu einem Kaiserschnitt gerufen wurde, habe deren Vertreterin sofort den erhöhten Blutdruck und die heftig tränenden Augen der Patientin bemerkt. Sie habe auch festgestellt, dass der Narkoseschlauch nicht angeschlossen war. Erst danach sei die Narkose eingeleitet worden.

Um ihr Leben gebetet

Die Krankenhaus-Versicherung bot der Frau - Alter, Beruf und Familienstand wurden aus Gründen des Datenschutzes nicht bekannt gegeben - 5.000 Euro Schmerzensgeld an. Der Rechtsanwalt der Betroffenen sprach jedoch gegenüber der "KTZ" von einem "lächerlichen Betrag", der für eine derartige Horrorgeschichte nicht akzeptiert werden könne. Der Anwalt: "Meine Mandantin hatte den Eindruck, als ob ihr jemand den ganzen Bauch zersägen würde, wobei sie ständig eine blutige Säge sowie zerschnittene Fäden vor Augen hatte." Die Frau habe während der Operation um ihr Leben gebetet.

Ganze Operation hätte sie nicht überlebt

Der Anwalt erklärte weiters, dass seine Mandantin laut Angaben der Ärzte die gesamte Operation ohne Narkose nicht durchgehalten hätte und voraussichtlich an einem Herzstillstand gestorben wäre. "Sie kann das Martyrium nicht vergessen und leidet unter schweren Verhaltensstörungen."

Kärntens Patientenanwalt Erwin Kalbhenn dazu: "Das ist ein äußerst bedauernswerter Fall. Ich kann verstehen, was diese Frau durchgemacht hat. Das LKH hat sofort reagiert, alles bedauert und der Patientin psychiatrische Gratis-Behandlungen angeboten. Das Spital wollte den Fehler, so weit das überhaupt möglich ist, gutmachen." (APA)

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    Narkoseschlauch nicht richtig angeschlossen - 45 Minuten lang wurde eine Kärnterin bei vollem Bewusstsein operiert.

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