Voest-Poker wird zum Verwirrspiel

30. Juni 2003, 17:35
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ÖIAG-Chef: Magna aus dem Rennen - Magna-Sprecher Andreas Rudas: "Hexenjagd" gegen Magna

Wien - In der Causa Voest-Privatisierung ist die Verwirrung seit dem Wochenende perfekt. Fix ist offenbar nur, dass sich zwischen ÖIAG-Aufsichtsratspräsidenten Alfred Heinzel und Finanzminister Karl-Heinz Grasser ein Zerwürfnis anbahnt. Denn während Grasser meint, der Magna-Konzern des Frank Stronach sei weiterhin ein Kandidat für den Kauf von Voest-Anteilen, fällt der kanadische Autozulieferer für Heinzel als Anwärter aus. "Allerdings kenne ich den Regierungsauftrag noch nicht im Wortlaut", wird Heinzel im Nachrichtenmagazin Profil zitiert.

Scharinger will weiter "österreichische Lösung"

Sollte Grasser, wie im ÖIAG-Gesetz vorgesehen, tatsächlich in Entscheidungsvorgänge der ÖIAG maßgeblich eingreifen wollen, würde er sich aus dem Aufsichtsrat verabschieden.

Dem Wunsch des Voestalpine-Vorstands, die ÖIAG möge so schnell wie möglich neun Prozent ihrer Voest-Aktien an die Investoren rund um die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (RLB OÖ) verkaufen, kann Heinzel nichts abgewinnen: Bevor nicht entschieden sei, was mit jenen 25 Prozent des Aktienkapitals passieren solle, die sich danach noch im Besitz der ÖIAG befänden, hielte er einen Verkauf des Neun-Prozent-Pakets für "fahrlässig".

Oberösterreichs RLB-Chef Ludwig Scharinger bleibt davon unbeeindruckt, er verfolgt seine Pläne für eine "österreichische Lösung" in der Voestalpine-Frage. Diese seien "sehr weit gediehen". "Die ÖIAG muss nur noch zustimmen", zitiert die Oberösterreichischen Rundschau den Banker. Er gehe davon aus, dass die Staatsholding dem Vorschlag für eine österreichische Lösung zustimmen werde, möglicherweise bereits bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 10. Juli.

"Hexenjagd" gegen Magna-Konzern

Zur Schadensbegrenzung ist indes Magna-Sprecher Andreas Rudas ausgerückt. Er bezeichnet die Berichte über eine mögliche Übernahme der Voestalpine und eine anschließende Zerteilung und "Filetierung" des Konzerns als "Hexenjagd". "Ich weiß überhaupt nicht, wie man zu dieser Tatarenmeldung kommt. Ich kann mir nur vorstellen, dass es sehr klar motivierte Absichten einer bestimmten Gruppe gibt, die selber die Voest haben möchte", sagte Rudas laut der Tageszeitung.

"Magna hat kein Angebot gestellt, Magna hat nur eines klar gesagt: Aufgrund des österreichischen Übernahmegesetzes können wir keinen Kommentar abgeben, weil jede inhaltliche Aussage rechtliche Auflagen zur Folge hätte", wird Rudas zitiert. Er könne nur die Philosophie von Magna offen legen: "Magna zerteilt nicht, Magna filetiert nicht, Magna baut nicht ab. Ganz im Gegenteil: Magna ist ein Unternehmen, das aufbaut, weiterentwickelt", betonte Rudas. (Der Standard, Printausgabe, 30.06.2003)

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    ÖIAG-Aufsichtsratschef Alfred Heinzel

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