USA evakuieren Botschaft in Libyen

Nach Mord an Botschafter - US-Bürger nach Deutschland ausgeflogen - Rätseln um Urheber von antiislamischem Hetzfilm

Washington - Nach dem gewaltsamen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Benghazi ist das dortige Personal nach Deutschland ausgeflogen worden. Wie ein offizieller Vertreter in Washington am Mittwoch weiter mitteilte, wurde das Personal an der US-Botschaft in der libyschen Hauptstadt Tripolis reduziert. Außerdem ließen die USA die Sicherheit aller ihrer diplomatischen Vertretungen überprüfen.

Bei dem Angriff auf das Konsulat in Benghazi am Dienstag waren der US-Botschafter in Libyen, drei seiner US-Mitarbeiter und mehrere libysche Sicherheitsleute getötet worden. Fünf US-Bürger wurden verletzt. In Kairo drangen Demonstranten auf das Gelände der US-Botschaft vor, rissen die US-Flagge von dem Gebäude und beschmierten die Wände mit Parolen.

Seit Dienstag gibt es in zahlreichen arabischen Ländern massive Proteste gegen den im Internet veröffentlichten Hetzfilm "Innocence of Muslims" ("Unschuld der Muslime"). Darin wird der Prophet Mohammed beschimpft und als Frauenheld, Kinderschänder und Mörder dargestellt. Bekannt wurde der Amateurfilm laut "New York Times" erst, als ein aus Ägypten stammender und in den USA lebender koptischer Christ das Video auf seinem Blog im Internet veröffentlichte.

Über die Identität des Machers des Films sind wilde Spekulationen entbrannt. Ein Beteiligter an dem Filmprojekt sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, Sam Bacile sei gar nicht der richtige Name des Regisseurs. Auch war inzwischen unklar, ob es sich tatsächlich um einen US-Bürger israelischer Abstammung handelt.

Verantwortlicher untergetaucht

Der Filmemacher sei untergetaucht, sagte Steve Klein, der nach eigenen Angaben an dem umstrittenen Film "Innocence of Muslims" ("Unschuld der Muslime") mitgearbeitet hat. Klein erklärte, er kenne den richtigen Namen des Mannes auch nicht. Dem Regisseur, der sich ihm gegenüber ebenfalls unter dem Pseudonym Sam Bacile vorgestellt habe, drohe das gleiche Schicksal wie dem niederländischen Filmemacher Theo Van Gogh, der 2004 wegen eines islamkritischen Films ermordet worden war. "Wenn er seine Identität preisgibt, wird er sicher ermordet", sagte Klein.

In einem 14-minütigen Zusammenschnitt von amateurhaft produzierten Filmszenen, der auf dem Videoportal Youtube online gestellt wurde, wird der muslimische Prophet Mohammed als Frauenheld, Kinderschänder und Mörder verunglimpft. Aus Wut über den Film hatten militante Islamisten am Dienstag die US-Botschaft in Kairo gestürmt. Bei einem Angriff auf das US-Konsulat im ostlibyschen Benghazi wurden der Botschafter und drei US-Mitarbeiter getötet.

Der Filmemacher hatte sich in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" am Dienstagabend als israelischstämmiger US-Bürger ausgegeben, der eigentlich im Immobiliengeschäft in Kalifornien tätig sei und das Kapital für das Filmprojekt bei jüdischen Spendern aufgetrieben habe.

Bekannt wurde der Amateurfilm laut "New York Times" erst, als ein aus Ägypten stammender und in den USA lebender koptischer Christ das Video auf seinem Blog veröffentlichte. Möglicherweise stammt der Filmemacher aus dem Umfeld der koptischen Gemeinde. Klein sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Mann habe Verwandte in Ägypten und sei sehr besorgt. "Sie sind auch im Untergrund, sie verstecken sich", sagte Klein, der in der Vergangenheit selbst mit islamfeindlichen Äußerungen in radikalen christlichen Kreisen in Erscheinung getreten ist.

In die Kontroverse hat sich auch der umstrittene Pastor Terry Jones aus Florida eingeschaltet, der im Frühjahr 2011 mit der Verbrennung des Korans blutige Proteste in der islamischen Welt ausgelöst hatte. Jones hatte umgehend erklärt, den anti-islamischen Film in seiner Kirche zeigen zu wollen. Der US-Generalstabschef Martin Dempsey zeigte sich besorgt über mögliche Gefahren für US-Soldaten, die in Afghanistan und anderen muslimischen Staaten stationiert sind. Nach Angaben seines Sprechers bat er Jones in einem kurzen Telefongespräch, sich von dem Film zu distanzieren. (APA, 12.9.2012)

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