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Tripolis/Istanbul - Wenige Stunden nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi (Benghazi) hat das Parlament in der libyschen Hauptstadt Tripolis den Ministerpräsidenten einer neuen Übergangsregierung gewählt. Der amtierende Vize-Ministerpräsident Mustafa Abu Shagour setzte sich bei einer Stichwahl am Mittwochabend knapp gegen den Vorsitzenden der Mehrheitsfraktion, Mahmoud Jibril, durch, wie mehrere arabische Medien übereinstimmend berichteten. Shagour galt bereits im Vorfeld als Kompromisskandidat.
Abu Shagour steht den Islamisten nahe. Der 61-Jährige war erst kürzlich aus dem Exil zurückgekehrt. Er studierte und promovierte in den USA; dorthin hatte er sich als Gegner des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi bereits in den 80er Jahren begeben. Abu Shagours Hauptaufgabe in Libyen wird es nun sein, für Sicherheit im Land zu sorgen. Er muss eine neue Regierung bilden, die das Übergangskabinett von Abdelrahim al-Kib ablösen soll. Die neue Regierung soll das Land bis zur Verabschiedung einer Verfassung und einer erneuten Parlamentswahl führen, für mehr Sicherheit und Stabilität sorgen und die Milizen entwaffnen.
Der unterlegene Jibril war schon während des Aufstandes gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi von einem inzwischen aufgelösten Übergangsrat zum Regierungschef ernannt worden. Er spielte eine wichtige Rolle bei den Gesprächen mit westlichen Regierungen, die den NATO-Einsatz in Libyen unterstützten. Später wurde Jibril von dem aktuell amtierenden Ministerpräsidenten Al-Kib abgelöst.
Regelmäßige Gewaltausbrüche erschweren Libyens Weg zur Demokratie. In der Nacht zum Mittwoch wurden bei einem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner getötet. Angestachelt von einem islamfeindlichen Internetvideo hatten zuvor aufgebrachte Muslime in der ägyptischen Hauptstadt Kairo versucht, in die dortige US-Botschaft einzudringen. Ihr Zorn richtete sich gegen einen in den USA produzierten Filmtrailer, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird. International wurde die Gewalt scharf verurteilt. (APA, 13.9.2012)
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