Israelische Querschüsse im US-Wahlkampf

12. September 2012, 18:51

Der Atomstreit mit dem Iran ist für Mitt Romney eine Gelegenheit, Barack Obama außenpolitisches Versagen vorzuwerfen

Israels Premier Benjamin Netanjahu sähe ohnehin den Republikaner lieber im Weißen Haus als Obama.

 

Jetzt kramen sie in den Biografien: Benjamin Netanjahu und Mitt Romney haben einst in derselben Firma gearbeitet: 1976 kreuzten sich ihre Wege, als sie Berater der Boston Consulting Group (BCG) waren, und seitdem verbindet sie eine enge Freundschaft. Es ist kein Geheimnis, dass der konservative Israeli lieber den Republikaner im Oval Office sähe als Barack Obama. Kritisiert er ihn deshalb so scharf? Wirft er ihm deshalb im Streit um Irans Atomprogramm riskantes Zögern vor?

Kommentatoren in Washington sprechen bereits von einem Tiefpunkt im ohnehin delikaten bilateralen Verhältnis - und Obama will auch nicht mit Netanjahu bei der UN-Vollversammlung in New York zusammentreffen. Erst am Wochenende hatte Außenministerin Hillary Clinton erklärt, die USA würden in Sachen iranische Urananreicherung keine Fristen setzen, die - falls nicht eingehalten - eine Militäraktion zur Folge hätten.

Netanjahu reagierte sehr polemisch, wie es unter Verbündeten eigentlich völlig unüblich ist: "Wer sich weigert, dem Iran rote Linien vorzugeben, hat kein moralisches Recht, Israel eine rote Ampel hinzustellen."

Schließlich legte ein prominenter Parteifreund Romneys nach: Lindsay Graham, neben John McCain der führende Sicherheitspolitiker unter den republikanischen Senatoren, will Unterschriften sammeln, um Obama aufzufordern, den Atompoker exakt zu definieren.

Letzteres hat die Administration bisher tunlichst vermieden. Geduldig setzt man auf harte Sanktionen, bewusst lässt Obama offen, wie weit das iranische Atomprogramm fortgeschritten sein muss, ehe man eine Attacke erwägt. Es soll Spielraum für die Diplomatie erhalten bleiben.

USA beschwören Kooperation

Zugleich legt das Weiße Haus gesteigerten Wert auf die Feststellung, dass die USA und Israel rüstungstechnisch und geheimdienstlich enger kooperieren als je zuvor. Als herausragendes Beispiel gilt die verdeckte Operation "Olympische Spiele", deren Ziel es ist, die iranische Urananreicherung durch Cyberattacken zumindest aufzuhalten - wenn nicht gar zurückzuwerfen.

Doch weil ein Präsident, der durch den Wahlkampf hetzt, nicht gleichzeitig ein ausgeruhter Krisenmanager sein kann, versucht Obama, das Thema Iran aus dem Wahlkampf herauszuhalten, soweit es irgendwie geht.

Folgt man amerikanischen Presseberichten, sollte Netanjahu versprechen, zumindest bis zum Urnengang am 6. November nicht auf eigene Faust loszuschlagen. Falls es stillschweigende Abmachungen gab, rüttelt Netanjahus polemischer Vorstoß nun daran? Oder hat es nie einen geheimen Konsens gegeben?

Romney jedenfalls zierte sich nicht lange, die Steilvorlage seines Freundes anzunehmen. Dass Teheran vorankomme bei seinen Atomplänen, bezeichnet er als größtes außenpolitisches Versagen seines Rivalen: "Der Präsident hat uns kein Stück weggebracht von einem nuklearen Iran." (Frank Herrmann aus Washington /DER STANDARD, 13.9.2012)

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Die Wertewelt der israelischen Führung unterscheidet sich nicht von den Werten einer Strache-FPÖ

... vielleicht kann ich es damit endlich auf den Punkt bringen. Beide Denkweisen, beide Haltungen anderen gegenüber nehme ich gleich wahr und habe mit diesen Werte das gleiche Problem...

10:1

Das Problem Israels ist in jedem Falle, dass es etwa 10x so viele Iraner gibt wie Israelis (und die Israelis keineswegs geschlossen für einen Militärschlag sind). Das gibt dem Iran einfach ein gewisses wirtschaftlich-militärisches Gewicht. Das ist keine "Kleinigkeit" wie der Libanon, die haben mehr Einwohner als der Irak und Afghanistan zusammen.

Was Netanjahu WIRKLICH will, ist, dass die USA "das machen", weil es keine realistische Chance gibt, dass Israel es gegen den Iran "allein schafft". Und die USA sehen das und wollen das nicht. Irgendwie verständlich... Die USA werden dem Iran nicht erlauben, die Bombe zu bauen, werden sich aber auch nicht einmischen, ehe das unmittelbar bevorsteht - was es offenbar nicht tut.

Es gibt dZt. keine einzige serioese (!) Stimme in den USA die ernsthaft einen bewaffneten Konflikt mit Iran fordert bzw. erwaegt. Iran waere eine ganz anderer Gegner als Irak bzw. Afghanistan, die Kosten, sowohl materiell als auch human waeren immens groesser.

Ein Angriff auf den Iran wuerde das iranische Volk verbuenden und das Regime staerken. Die richtige Strategie ist es deshalb auch die Konflikte innerhalb des iranischen Regimes auszunuetzen.

Einzig, Premier Netanjahu ist komplett unberechenbar und er hat sich in eine Sackgasse manoevriert.

Und man darf auch nicht die Nachbarn in der Region vergessen, die zwar leise sind, aber sehr wohl im Hintergrund agieren. Ein nuklearer Iran waere eine Katastrophe fuer die Region.

keine Sorge! Romney holt sich seine Informationen von Sarah Palin!

Erschreckend, welchen Einfluß die Israelis auf die US-Politik haben!! War da nicht einer, der dasselbe schon vor über 70 Jahren sagte?

Lieber Freund, die Äpfel unter dem Apfelbaum sind immer Äpfel. Auch wenn sie vor 70 Jahren ein Irrer aufgeklaubt hat und meinte, es seien Tollkirschen.

man beruft sich ja immer darauf, dass die iranische führung israel von der landkarte haben will. langsam denk ich mir, dass umgekehrt offensichtlich dasselbe gilt.

Money

Geld regiert die Welt. Keinen cent mehr für Israel bis sie ihren Nachbarn die Hand reichen und einen Dialog anfangen.

ich finde Israel sollte es versuchen und denn Iran angreifen, ansonsten wirken Netanyahus Drohungen nur noch lächerlich, wer bitte soll ihn noch ernst nehmen, jeden tag neue Drohungen Richtung Iran und mal will er das Land mit A Waffen angreifen mal mit Mikrowellen Waffen.

der Man ist nicht mehr Gefährlich, er könnte glatt der Cousin von Comical Ali sein.

mal über den Petro$ informieren!

Und spätestens an diesem Punkt...

...sollte auch dem letzten klar werden, dass es nicht völlig egal ist, wer US-Präsident wird.

Wo Obama bis zum letzten möglichen Moment warten wird, und offensichtlich versuchen wird, einem militärischem Konflikt aus dem Weg zu gehen, zündelt Romney jetzt schon herum und drängt im Wahlkampf auf Krieg.

Wir können uns blühend vorstellen wie schnell der Iran "demokratisiert" wird, wenn Mitt an der Macht ist und ungestört mit seinem radikalen Kumpel aus den "guten alten Zeiten" packeln kann.

Rüstungsvorsprung ermöglicht Israel Einschüchterung statt Nachbarschaft

Den Herrenmenschen gehen die Argumente aus. Auf Augenhöhe die Nachbarschaft pflegen wäre für Netanjahu und Konsorten unvorstellbar...

"Den Herrenmenschen gehen die Argumente aus"

Da weiss ich dann schon ganz genau aus welcher Ecke Sie hervorgekrochen sind ...

genau der Reflex ist bezeichnend... (und das fadenscheinige Argument, alles zu belassen)

ein STAAT errichtet ein Ghetto von der Größe halb Tirols für 1,5 Mio (?) Menschen. Entzieht denen willkürlich (also Volkssanktion) Lieferungen, Wasser, Strom, Spitalsstruktur etc...
Mit welchem Selbstverständnis können die Verursacher das für sich rechtfertigen, wenn nicht als übergeordnete Menschen mit mehr Rechten? Lieber Krieg führen, den anderen Ländern drohen, die Bürger zweiter Klasse im eigenen Land unterdrücken als jemals auf der Basis von Respekt mit den anderen Menschen in der Region auskommen wollen. (ginge ja auch nicht, solange einflussreiche Idioten das Jüngste Gericht frei von Muslimen im heiligen Land vorbereiten - oder eben daran glauben wollen, wie es die Neuevangelikalen unter und um Busch zum politischen Ziel haben).

Wow, grulu, Ihre Sichtweise betreffend Gaza zeugt von einer selektiven Realitätswahrnehmung sondergleichen!

"ein STAAT errichtet ein Ghetto von der Größe halb Tirols für 1,5 Mio (?) Menschen. Entzieht denen willkürlich [...]"

Ihre Ahnungslosigkeit über die Geschichte d. Nahostkonflikts und die Umstände in d. Region muss wirklich grenzenlos sein, wenn Sie so einen voreingenommenen Schwachsinn im Brustton d. Überzeugung von sich geben...

was war da dran falsch?

Es scheint so, dass die mehr als berechtigte Kritik an Israels Politik mit falsch verstandener Freundschaft aus historisch schlechtem Gewissen immer wieder unterbunden wird. So lange, bis der nahe Osten explodiert. Dann wüde ich mich fragen, ob es echtes Wohlwollen gegenüber diesem Land war...
Das, was ich trotz der für Israel ständig begünstigten Medienmanipulation wahrnehmen kann, ist nicht zu rechtfertigen. Die Verachtung dieses Landes anderen Menschen und Staaten gegenüber, die ständige Intervention und Unterstützung bestimmter Gruppen aus den USA sind ein großes Unrecht und wird nicht weniger schlimm, wenn Sie sich ständig der Diskussion entziehen und irgendwelche ominöse Sachlagen und Verfolgtenboni beschwören!

habens auch argumente?

die "Geschichte d. Nahostkonflikts und die Umstände in d. Region" ändern nichts an den traurigen fakten

Nukular

Es heißt: nukular.

Rote Ampeln

"Wer sich weigert, dem Iran rote Linien vorzugeben, hat kein moralisches Recht, Israel eine rote Ampel hinzustellen."

Wenn Premier Netanhaju ernsthaft glaubt einen unilateralen Konflikt mit Iran anzetteln zu koennen, dann ist Ihm in der Tat nicht mehr zu helfen. Eine etwas differenzierte Sicht - David Remicks (New Yorker) Artikel ueber den Ex-Mossad Chef Meir Dagan der sich oeffentlich gegen einen Militaerschlag bezieht - http://bit.ly/Pk9FKm

Ad. Sen. Lindsey Graham - seit dieser im Bezug auf die Folteraffaere der US Sicherheitskraefte im Rahmen eines Senathearings in der Tat gemeint hat, das "der Grund warum Folter ueber Jahrhunderte bei Verhoeren angewendet wurde, ist weil es schlichtweg funktioniert.", kommt mir bei dem die Galle hoch.

Die Sache ist halt: Es ist relativ egal, ob Israel grünes Licht von den USA bekommen oder nicht, im Ernstfall würden die USA immer aushelfen. Entsprechend kann Israel ein viel höheres Risiko eingehen als wie ihnen eigentlich aufgrund ihrer militärischen Stärke zusteht.

Langsam reicht's.

Der Romney hat die Geschichte mit dem Angriff auf das Konsulat

(mit 4 toten Diplomaten) aber schon ein dermassenes Desaster gebaut, dass er wohl im Rest der Kampagne im Bereich der Außenpoltik keinen Fuß mehr auf den Boden bekommt.

Israel hat Erfahrung....

geheime Atomwaffen zu bauen - haben aber GENAU dasselbe gemacht was sie dem Iran jetzt vorwerfen-ich will nicht das der Iran Atomwaffen besitzt - ich will auch nicht das israelische Bürger Angst haben müssen - ich will aber auch keine Kriegshetzer solange die Vernuft nicht tot ist - auch die Politik Israels trägt negativ dazu bei das wir alle in Gefahr sind und dazu hat auch Israel kein Recht - man darf die Geschichte nicht vergessen aber sie rechtfertigt nicht jedes Mittel bis in alle Ewigkeit.

Lieb ...

Isreal fürchtet sich schon wieder vor dem Iran ( das Regime möcht ich auf keinen Fall verteidigen - die sind sowieso gstört) aber jetzt da noch mal die Amis mit ins Boot zu nehmen (wollen) ist schon sehr perfied. Und dann gibts noch eine Wahlempfehlung für einen relativen rechten Recken - super! Der Bibi ist ja so toll. Der Premier eines Landes das grad mal NICHT die Einwohnerzahl von New York hat möcht in den Wahlkampf eingreifen ...

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