Ein französischer Blick auf Amstetten

12. September 2012, 18:54
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    foto: verlag lessingstrasse 6

Ab 13. September auf Deutsch - Vorwürfe von Voyeurismus und Österreich-Bashing im Vorfeld

Er hat 528 Seiten, viele Fakten, noch mehr Fiktion: So schwer kommt "Claustria" daher, Régis Jauffret gewaltiges, gewaltsames Werk. Sein vorletztes Buch galt der Ermordung des Genfer Bankiers und Sadomaso-Praktikers Edouard Stern (auf Deutsch: "Streng"). Nun reiste Jauffret nach Amstetten, wo alles hübscher und viel schlimmer aussieht.

Der Franzose steigt in den Keller in Amstetten, in dem Josef F. seine Tochter 24 Jahre lang einsperrte und ihr sieben Kinder in den Bauch pflanzte. 2008 verhaftet, wurde er in einem Prozess zu lebenslanger psychiatrischer Verwahrung verurteilt.

So weit die Fakten, die Jauffret präzis wiedergibt. Sein im letzten Winter im Pariser Großverlag Seuil erschienener Roman war in Frankreich ein Ereignis und ein Erfolg. Er beginnt im Jahre 2055, als Josef F. längst tot ist. Die meisten seiner Sprösslinge auch: "Die frische Luft hatte sie wie eine tödliche Ausdünstung langsam umgebracht." Amstetten sei nun eine "begrünte Stadt", und beim Betreten der örtlichen Moschee streife man seine Schuhe ab, schreibt Jauffret, der den Ort des Grauens besucht hat und darüber berichtet, auch über den Prozess.

Eine Bekannte Jauffrets sagt in dem Buch: "Ich kann mir vorstellen, wie ich ermordet, verstümmelt, gefoltert werde. Aber es gelingt mir nicht, mir vorzustellen, 24 Stunden lang in einem Loch zu verbringen." Dann zu den Lesern: "Versuchen Sie's, Sie schaffen es auch nicht. Vielleicht eine Woche, vielleicht vier Wochen. In der folgenden Nacht haben Sie Angst, einzuschlafen."

Jauffret versucht es trotzdem. Er beschreibt alles, lässt nichts weg. Dem Franzosen wurde schon vorgeworfen, er betreibe Voyeurismus und Österreich-Bashing. Dabei ist ein realer Roman wohl die einzige Art, sich einem so realen Fall zu nähern: Beim Lesen herrscht Schweigen, wie auf dem Friedhof, wie im Keller. Und man merkt, dass man sich eben doch nicht vorstellen kann, wie es gewesen sein muss. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 13.9.2012)

Régis Jauffret: "Claustria", € 24,90, 528 Seiten, Verlag Lessingstrasse 6, Salzburg 2012

Veranstaltungshinweis
"Claustria"-Lesung mit Régis Jauffret und Nicholas Ofczarek (deutsche Texte), Gespräch mit Charles Ritterband.
Rabenhof Theater, Rabengasse 3, 1080 Wien
Montag, 24.9., 19 Uhr

 

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Wer ist Frankreich?

Ist das die Rache dafür, dass man diesmal die Opfer nicht vor die Kamera gezerrt und jedes Detail erörtert hat?

Was nicht bekannt wurde, muss nun wohl erfunden werden, damit die Sensationsgeilheit befriedigt ist. In meinen Augen ist das krank.

Fies und widerlich!

Da zieht sich eine Familie, der Schreckliches angetan wurde und widerfahren ist von der Umwelt zurück, dann kommt so ein Schmierfink und wühlt im Dreck.
Frau NK hingegen hätte ihre hellste Freude daran gehabt, wäre ihr das passiert, doch nein, SIE mußte sich für ihre Bio einen Ghost writer suchen. Unglaublich.

Die Nenne des Buches (was soll Claustria heißen) finde ich misslungen.

Claustrophobie Austria

Verallgemeinerung und Sippenhaftung sind mir ein greuel. Wo liegt der Unteschied in HCS Ausländerdidaktik ("alle Ausländer sind böse, alle dunkelhäutigen Drogendealer") und Jauffrets Polemik ("Würde man im ganzen Land DNS-Tests durchführen, würde herauskommen, dass eine beträchtliche Anzahl unserer Mitbürger die Frucht eines inzestuösen Verhältnisses ist. Das ist eine typisch österreichische Angelegenheit")

Eine gehobenere Ausdrucksweise kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Grundaussage genauso abgrundtief Primitiv ist, wie jene von HCS!

zumal verwandtenehe eher in anderen gegenden tradition ist. bis heute.

;)

solange damit nicht ein besonderer Bundesstaat in der USA gemeint ist..

*gähän*

wie unglaublich uninspiriert.

diese literarische verzweiflungstat lässt befürchten, dass man von diesem herrn nicht mehr viel erwarten darf ...

Wieviel des Erlöses gehen an die Opfer? Klingt für mich ein bissl nach Geschäftemacherei, nach allzu simplen Schlussfolgerungen und nach einer passenden Lektüre für pädophile Kerkermeister.

Irgendwie traurig, dass man sich an dieser Schreckenstat immer wieder aufgeilen kann. Ich hoffe die Familie wird davor abgeschirmt werden.
Aber man muss auch sagen, dass Jauffret genau das geschrieben hat, was viele interessiert. Lesen werde ich es nicht. Vielleicht mag der ein oder andere denken, dass ich mich davor verschließe, aber vergessen kann man es eh nicht.

freaks wie fritzl..

gibts leider auf der ganzen welt. trittbrettfahrer wie Jauffret ebenso.

fritzl ein "freak"???

diese Bezeichnung erscheint mir doch sehr beschönigend. Fritzl ist ein Gewaltverbrecher! ... sonst stimme ich zu.

Sind alle Belgier Kinderschänder (Dutroux)? Oder alle Deutschen Nazis (NSU)? Wohl eher nicht. Genauso wenig sind alle Österreicher Kerkermeister mit einer Vorliebe für Inzest...

behauptet wer?

vielleicht das buch erst lesen und dann nachdenken und dann urteilen?

Ja, Jauffret behauptet dies. Oder wie ist das Zitat
"Würde man im ganzen Land DNS-Tests durchführen, würde herauskommen, dass eine beträchtliche Anzahl unserer Mitbürger die Frucht eines inzestuösen Verhältnisses ist. Das ist eine typisch österreichische Angelegenheit" sonst zu erklären`?

wenn man nach dem titel geht, kann man sich das lesen sparen.

na dann!

spindi hilf! oesterreichsanktionen gegen die eu sind jetzt wohl angebracht! die europaeer werden sich fuerchten...har har harrrrrrr!

wenn er davon eine zeitlang leben kann und nicht am arbeitsamt karten ziehen muss ... nun gut.

pauschalurteile an einzelbeispielen aufzuhängen ist nicht gerade eine intelligente leistung

berechtigte gesellschaftskritik hingegen wäre intelligent.

dieser mann will halt kohle machen und da ist ihm jedes mittel recht. durch polarisieren, verallgemeinern und polemisieren jedoch kann man diesen gesellschaftlich notwendigen diskurs nicht erreichen.

peinlich und armselig. aber geld wird er damit sicher verdienen.

für die tochter und deren kinder eine zumutung sondergleichen. voyerurismus stimmt, nicht seitens des autors, sondern von seiten der leser. der autor selbst ist zynisch.

der mir-san-mir-waldheim-jetzt-erst-recht-reflex,

der den österreichern scheinbar in die gene gelegt ist, funktioniert noch immer.

sobald das geheiligte vaterland oder die - meist gar nicht beherrschte - muttersprach auch nur irgendwo einer kritischen reflexion unterzogen werden, schlägt er gnadenlos zu, der patriotenreflex.

hirn einschalten und einfach mal nachdenken, auch wenns weh tut. aber lieber macht man die fensterläden dicht und schmollt.

die welt ist ja so ungerecht und wir sind ja soooo lieeb. wie man erst wieder beim ach sooo ungerechten ergebnis im wm-quali-spiel gegen die piefkes sehen konnte.

'uns' bleibt auch nix erspart. seufz, wein, schmoll.

wenns unsinn ist, wird mans wohl unsinn nennen dürfen.

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