Demoskopen sehen kleinen Aufschwung für Obama

Analyse

Romney startet schlechter in letzte Wahlkampfwochen

Washington/Wien - Eine knappe Woche nach den Parteitagen der Republikaner und Demokraten hat sich der Dampf höherer Polit-PR in den USA verflüchtigt. Alle Angriffe und Interpretationsvorgaben der Spin-Doktoren beider Lager sind durch den Meinungswolf gedreht. Und inzwischen können die Demoskopen bereits sagen, ob den Wählern die Nachrichtenwurst gemundet hat.

Präsident Barack Obama, vermelden die Auguren, konnte sich etwas von seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney absetzen. Sahen die meisten Institute Obama noch vor den Conventions mit jeweils etwa 45 Prozent Zustimmung in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Romney, kam er in Umfragen umittelbar nach dem Ende des demokratischen Parteitages in Tampa auf bessere Zahlen als sein Rivale. Ipsos hatte den Präsidenten bei nationalen Befragungen bei vier Prozent Vorsprung, Gallup bei fünf und CNN bei sechs Prozent. Und die Washington Post wies immerhin noch einen Punkt mehr für Obama aus.

Die Schwankungsbreiten der Studien liegen zwischen drei und vier Punkten, dennoch scheint Obama beim Parteitag besser aus den Startlöchern gekommen zu sein. Er und nicht Romney nimmt einen kleinen "convention bounce", einen Parteitagsaufschwung, mit in die letzten acht Wochen dieses Wahlkampfes.

Verbessert haben sich Obamas Zahlen auch bei anderen, allgemeineren Werten als der "Dienstagsfrage" in den USA. Ispos stellte etwa fest, dass nun 39 Prozent der Befragten die Vereinigten Staaten in die richtige Richtung gehen sehen (55 Prozent glauben es geht in die falsche). Das ist der beste Wert seit April 2010 und Zeichen einer Stimmungsaufhellung, die nicht mit den aktuellen Wirtschaftsdaten kongruent geht.

Gut sieht es für den Präsidenten auch in den sogenannten Swing Staaten aus, also jenen Bundesstaaten, die keine solide Mehrheit haben und im November in die Richtung der Republikaner oder Demokraten tendieren könnten.

Beobachter gehen von inzwischen neun Bundesstaaten aus, in denen die Wahlen gewonnen werden: Nevada, Colorado, Florida, Iowa, New Hampshire, North Carolina, Ohio, Virginia und Wisconsin. In einigen davon liegt Romney nach guten Werten im Sommer ziemlich weit hinten: In Ohio um fünf Punbkte, in Virginia und in Florida um zwei Punkte.

Jackpot Florida

Romney muss vor allem Florida mit seinen 29 (von 538) Elektorenstimmen gewinnen, um eine realistische Chance auf einen Sieg zu haben. Wichtige Gruppen dort sind Pensionisten und jüdische Wähler, die zuletzt durch die Debatten über die Gesundheitsversorgung und Obamas Loyalität gegenüber Israel verunsichert wurden. Auf der anderen Seite gibt es im Bundesstaat einen wachsenden Anteil von nicht kubanischen Hispanics, die mehrheitlich demokratisch wählen.

Der zweite zentrale Swing-State ist Ohio (20 Elektorenstimmen). Dort hat Obama Romney zuletzt hinter sich gelassen, weil ihm die Leute dort mehrheitlich die Rettung der US-Autoindustrie zugute halten. Der Präsident liegt vor allem bei Frauen vorn, Romney bei Männern. Anfang der Woche bereiste der Republikaner den Bundesstaat und befolgte damit einen Rat seiner inzwischen schon etwas besorgten Parteifreunde: "Get off the bus" - steig aus dem Bus aus und zeig dich den richtigen Wählern. (Christoph Prantner /DER STANDARD, 13.9.2012)

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