Kleine Nachfrage nach großen Vögeln

12. September 2012, 18:25

Das Mega-Geschäft mit den Großraumflugzeugen lässt auf sich warten. Die Fluglinien halten sich mit Bestellungen zurück

Berlin/Wien - 1243 Aussteller aus 46 Ländern tummeln sich auf der Internationalen Luftfahrt- und Raumfahrtaustellung neben der Südbahn des künftigen Flughafens Berlin-Brandenburg in Schönefeld. Doch der Glanz des nagelneuen Messegeländes passt nicht so recht zur Lage der Branche. Zumindest wenn es um den Wettlauf der beiden Erzrivalen Airbus und Boeing bei ihren Großraumflugzeugen geht.

500 Passagiere und mehr fassen der europäische A-380 und die amerikanische 747-8, die beide in Berlin zu sehen sind, doch gerade davor scheinen sich die Fluglinien zu fürchten. Diese Kapazitäten müssen erst einmal gefüllt werden, so der Tenor der Airlines. Dazu kommt, dass die Konjunkturflaute auch die erwartete Aufrüstung der asiatischen Fluglinien ins Stocken bringen könnte. Virgin Atlantic Airways hat im Juli die Bestellung von sechs A-380 neuerlich verschoben, Turkish Airlines von 15 auf sechs reduziert. Das Ziel von 30 Aufträgen im laufenden Jahr dürfte Airbus damit deutlich verfehlen. Boeing droht, heuer keine einzige Order für den Riesenjumbo zu erhalten. Allerdings befinde sich bis Jahresende noch einiges in der Pipeline, erklärte ein Sprecher des in Chicago sitzenden Konzerns.

Die Konzerne versuchen, die aktuelle Flaute zu durchtauchen. Ein, zwei oder drei Jahre mit niedriger Nachfrage stelle die Überlebensfähigkeit der Riesenvögel nicht infrage, erklärte Tom Enders, Chef der Airbus-Mutter EADS. Doch Analysten bezweifeln, dass die Airlines rasch wieder in Kauflaune kommen. Es gehe nicht nur um deren Bedarf, sondern die Fluglinien seien bei den Ausgaben einfach vorsichtiger geworden, wird Rupinder Vig von Morgan Stanley von der Agentur Bloomberg zitiert. Zudem brächten kleinere Flugzeuge mehr Flexibilität bei der Auswahl der einzelnen Strecken.

Geldverbrennung

Die beiden Rivalen vertrauen hingegen auf die Verdoppelung der Megacitys in den nächsten zwei Jahrzehnten und damit einer explodierenden Nachfrage nach ihren Jumbos. China und Indien spielen in den Prognosen eine tragende Rolle, Bestellungen blieben aber bisher Mangelware. Bis sich die Großraumflieger durchsetzen, wird viel Geld verbrannt. Der A-380 hat sechs Milliarden Euro mehr an Entwicklungskosten verschlungen, als geplant war, die durch Haarrisse in den Tragflächen verursachten Verzögerungen belasten das Projekt zusätzlich. Einige Kunden zögerten offenbar, bisher nur provisorisch reparierte Flugzeuge zu übernehmen. Eine endgültige Lösung soll erst 2014 zur Verfügung stehen.

Der 747-8 geht es nicht besser, laut einer Barclays-Analyse wird der Flieger acht Milliarden Dollar (6,2 Mrd. Euro) verschlungen haben, bis er in die Gewinnzone steuert. Bis jetzt wurden bereits zwei Milliarden Dollar abgeschrieben. Dennoch wird beteuert, dass der Markt groß genug für die Flieger beider Konzerne sei.

Sorgen bereitet Airbus auch der Streit Chinas mit der Europäischen Kommission über Emissionsrechte. Seit Jänner dieses Jahres müssen Verschmutzungsrechte für Flüge gekauft werden, was u. a. Peking ablehnt. Somit drohen ab 2013 Strafzahlungen und Retorsionsmaßnahmen. Airbus müsse die geplante Produktionssteigerung für das Langstreckenmodell A330 sehr bald revidieren, sagte Airbus-Chef Fabrice Bregier. Die Fachminister der Airbus-Staaten Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien wollen den Emissionshandel in Europa daher vorübergehend aussetzen. (as, Reuters, DER STANDARD, 13.9.2012)

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11 Postings

Große Vögel brauchen wir in Österreich nicht, wir haben reichlich schräge Vögel....

B748 scheint kein "Burner" zu sein, in den letzten 3 Jahren gerade mal 4 (VIER!) Bestellungen...

http://en.wikipedia.org/wiki/Boei... deliveries

Wow, kein einziger Dreamliner verkauft in 2012?!?!

Der Dreamliner ist kein Riesenjumbo,

der Artikel bezieht sich wohl auf die 747-8

Turkish Airlines hat von 15 auf sechs redurziert?

Turkish hat sechs A 380er bestellt? Was verzapft denn die Standard Redaktion hier? Die haben vor kurzem verlautbart, dass sie keine "Jumbo" Bestellungen planen, damit sind sowohl B747 als auch A380 gemeint. Bitte besser recherchieren lieber Standard!

Natürlich sind größere Flugzeuge die Zukunft. Es wird in Zukunft immer mehr Flugverbindungen und Fluggäste geben, d.h. für alle Flugzeuggrößen gibt es einen ausreichend wachsenden Markt. Ich bin sicher dass es in 10-15 Jahren viel schneller und billiger sein wird global von A nach B zu kommen. Z.B. denke ich wird es Direktflüge z.B. von Wien in größere Städte Chinas, Brasiliens oder der USA mit mittelgroßen Flugzeugen geben. Gleichzeitig werden die heute schon etablierten Routen (z.B. Frankfurt - Sao Paulo) nur noch von Superjumbos und das mehrmals täglich beflogen werden. Auch in Europa wird man viel leichter mit kleineren Flugzeugen von einer kleineren Stadt (z.B. Klagenfurt) in eine andere kommen, und das direkt.

Phantasien aus den Hobby-Heftchen der Sechziger Jahre.

In Wirklichkeit wird bei der in 10-15 Jahren erfolgenden Steigerung der Treibstoffpreise das Fliegen für die Freizeit-Passagiere immer unattraktiver (teurer) werden.
Besonders die ständig zunehmende Fluglinien-Konzentration wird automatich zu weniger Konkurrenz und höheren Preisen führen.
Und die Mega-Cities haben den "Vorteil", dass die vielen Millionen Menschen dort gar nicht mehr irgendwohin fliegen müssen.

Ihre Prognose ist in etwa so als hätten sie beim Beginn des Eisenbahnausbaus prophezeit dass bald alle wieder mit der Postkutsche oder zu Pferd verkehren werden...

Treibstoff wird teurer werden. Das ist aber nicht das Ende der Luftfahrt. Erstens wird der Treibstoffverbrauch pro Passagier weiter sinken (durch immer größere Flugzeuge, höhere Auslastung, effizientere Triebwerke etc.), zweitens werden alternative Antriebstechnologien kommen (zumindest als Ergänzungen) und drittens werden andere Kostenfaktoren wie Flughafengebühren und Lohnkosten der Mitarbeiter sinken.

Natürlich sind die steigenden Treibstoffpreise nicht das Ende der Luftfahrt, ihre Prognose scheint mir aber trotzdem sehr gewagt zu sein. Auch wenn die neuesten Triebwerke sparsamer und effizienter sein werden, wird es noch einige Jahrzehnte dauern bis Alternative Treibstoffe "serienreif" sein werden.
Nachdem auch immer mehr sogenannte Billigfluglinien wirtschaftliche Probleme bekommen, kann man davon ausgehen, das Fliegen längerfristig nicht wesentlich billiger wird. Und daß z.Beisp. bei einem Einkommen von 1300-1400€ brutto für eine Flugbegleiterin, die Einsparungen beim Personal auch endendwollend sind stellt sich die Frage, wer sich dann den Urlaub per Flugzeug noch leisten kann !

Man könnte vor allem im Bereich Sicherheit und damit bei den Flughafengebühren noch erhebliche Einsparungen erzielen. Vielleicht wird das Thema Terroranschläge auf oder in Flugzeugen bzw. Flughäfen in 10 Jahren nicht mehr so eine große Rolle spielen und man wird diese extremen Sicherheitvorkehrungen und Kontrollen verringern und damit die Kosten und den Verlust an Zeit. Ich verstehe auch heute schon nicht worin der Unterschied besteht ob man nun einen Zug, einen Bus, eine U-Bahn oder ein Flugzeug in die Luft jagen will. Bei ersteren gibt es Null Sicherheitskontrollen obwohl man genauso viele Menschen töten kann.

klar, weil ja mega-cities den erholungswert bieten, der es erlaubt keinen urlaub mehr zu benötigen.

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