Viszeralmedizin: Neue Wirkstoffe gegen Hepatitis C

Durch direkt antiviral wirksame Wirkstoffe können mehr als 70 Prozent der Patienten, die am Virus vom Genotyp HCV 1 erkrankt sind, geheilt werden

Hamburg - Während die bisher verfügbaren Wirkstoffe Interferon-alfa und Ribavirin ungerichtet gegen Hepatitis C-Viren wirken, können die beiden neuen - direkt antiviral wirksamen - Medikamente Boceprevir und Telaprevir die Bildung neuer Viren in der Leber stoppen. Die voriges Jahr in Europa zugelassenen Substanzen sind mitunter auch bei Patienten wirksam, bei denen eine Behandlung bislang erfolglos war. "Durch deren kombinierten Einsatz mit Interferon-alfa und Ribavirin können über 70 Prozent aller nicht vorbehandelten Patienten mit einer chronischen HCV-Infektion mit Genotyp HCV 1 geheilt werden", sagt Ansgar Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Behandlung müsse allerdings mindestens ein halbes, manchmal auch ein ganzes Jahr erfolgen und beeinträchtige durch mehrere, teilweise schwere Nebenwirkungen.

Stille Krankheit

Schätzungsweise eine halbe Million Menschen sind in Deutschland mit dem Hepatitis C-Virus infiziert. In Österreich bewegt sich die Anzahl der Betroffenen zwischen 40.000 und 80.000. Die Infektion verursacht oft über Jahrzehnte keine Beschwerden, bis am Ende die Leber schwer geschädigt ist. "Jeder Dritte der jahrelang Infizierten entwickelt eine Leberzirrhose, die auch mit einem deutlich erhöhten Risiko einhergeht, an Leberkrebs zu erkranken", erläutert Stefan Zeuzem vom Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Bis in die 1980er Jahre war die Virushepatitis C nicht behandelbar. Erst mit dem Einsatz von Interferonen konnten Ärzte einzelne Patienten erfolgreich therapieren. Die Wirksamkeit war jedoch begrenzt. Mit dem kombinierten Einsatz der Wirkstoffe Interferon-alfa und Ribavirin, einem unspezifischen Virusblocker, erzielten etwa 50 Prozent der mit Genotyp 1 infizierten Patienten eine Heilung.

Weitere Medikamente

Von einer Heilung gehen die Mediziner aus, wenn ein halbes Jahr nach dem Ende der Behandlung keine Viren mehr im Blut nachweisbar sind. Für den Patienten bedeute dies, dass die Lebererkrankung in der Regel nicht weiter fortschreitet, erklärt Ansgar Lohse, und ergänzt: "Bei vielen Patienten kommt es sogar zu einer Rückbildung der Vernarbung der Leber."

Boceprevir und Telaprevir sind nach Einschätzung der Experten nur der Anfang. Eine Reihe weiterer Virusblocker in Tablettenform sind zurzeit in der klinischen Entwicklung. "Auch wenn anzunehmen ist, dass nur einige der neuen Substanzen eine Marktzulassung erreichen, so ist zu erwarten, dass die Therapie weiter verbessert wird: Kürzere Therapiezeiten, weniger Tabletten pro Tag und höhere Heilungsraten sind absehbar", ist Lohse überzeugt. (red, derStandard.at, 12.9.2012)

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