Kontrolleurin der Wiener Linien erfand Attacke eines Fahrgasts

  • Ein Überwachungsvideo beweist, dass die Kontrolleurin der Wiener Linien einen Schwarzfahrer zu Unrecht der Körperverletzung beschuldigt hatte. Sie wurde fristlos entlassen und wegen Verleumdung angezeigt.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Ein Überwachungsvideo beweist, dass die Kontrolleurin der Wiener Linien einen Schwarzfahrer zu Unrecht der Körperverletzung beschuldigt hatte. Sie wurde fristlos entlassen und wegen Verleumdung angezeigt.

Kollege bestätigte vermeintlichen Angriff gegenüber Behörden - Überwachungsvideo entlarvt Falschaussage

Wien - Eine Kontrolleurin der Wiener Linien soll im vergangenen Juli von einem Schwarzfahrer tätlich angegriffen worden sein. So brachte es die Mitarbeiterin des Verkehrsbetriebs gegenüber den Behörden vor.

Ein Kollege der Frau bestätigte die Attacke per Zeugenaussage, wonach Polizeibeamte die Überwachungsvideos routinemäßig auswerteten. Was die Polizisten zu sehen bekamen, entsprach nicht ihrer Erwartung: Die Frau hatte den Angriff frei erfunden.

Anzeige wegen Körperverletzung fallengelassen

Der Vorfall ereignete sich bereits am letzten Julitag, als ein Passagier der U-Bahn-Linie U2 zur Mittagszeit der Kontrolleurin keinen gültigen Fahrschein zeigen konnte. Um seine Personalien aufzunehmen, lotste sie den Mann in der Station Rathaus auf den Bahnsteig.

"Im Bereich des Entwerters der U2", so der Polizeiakt, soll der Schwarzfahrer die Frau tätlich angegriffen haben. Sie erstattete Anzeige wegen Körperverletzung, die die Behörden nach Sichtung der Videos umgehend fallen ließen.

Nicht genehmigter Krankenstand als Motiv

Das Bildmaterial beweise, dass die Frau nicht attackiert worden sei, bestätigen Polizei und Wiener Linien gegenüber derStandard.at. Die Aussage habe die Kontrolleurin getätigt, weil sie einen in ihren Augen berechtigten Krankenstandsanspruch nicht genehmigt bekam - die ihr vermeintlich vom Fahrgast zugefügte Körperverletzung sollte schließlich Arzt und Vorgesetzte von der Arbeitsunfähigkeit überzeugen.

Die Kontrolleurin und ihr Kollege, beide langjährige Mitarbeiter der Wiener Linien, wurden fristlos entlassen. Laut Unternehmenssprecher Dominik Gries sieht die interne Routine vor, dass im Fall von Angriffen durch Passagiere umfangreiche interne Untersuchungen eingeleitet würden. Der in diesem Fall unnötige Aufwand sei neben dem Vertrauensbruch ein Hauptgrund für die Trennung von den Mitarbeitern gewesen: "Solche Leute brauchen wir bei den Wiener Linien nicht", so Gries.

Gegen die Kontrolleurin wurde außerdem Anzeige wegen Verleumdung erstattet. In dieser Sache habe es laut Auskunft der Polizei noch keine Einvernahmen gegeben. (Michael Matzenberger, derStandard.at, 18.9.2012)

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