Weltrisikobericht: Die gefährlichsten Länder der Welt

Studienautoren sehen Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und Naturkatastrophen: Vanuatu auf Rang eins, Österreich 135.

Erdbeben, Hurrikans oder Tsunamis sind Naturkatastrophen, die der Mensch selten auslöst und auch nicht vermeiden kann. Durch Eingriffe in die Ökosysteme des Planeten werden allerdings die natürlichen Schutzvorkehrungen zerstört. Dadurch kommt es immer öfter zu sogenannten Extremereignissen wie den Tsunami im Indischen Ozean Ende 2004. Das ist eine der Erkenntnisse des "Weltrisikoberichts 2012", den die Universität der Vereinten Nationen gemeinsam mit dem "Bündnis Entwicklung Hilft" und der Umweltschutzorganisation "The Nature Conservancy" veröffentlichte.

173 Staaten wurden unter die Lupe genommen und in einem Ranking zusammengefasst. Um den Risikowert zu berechnen, kombinierten die Studienautoren die geographische Lage mit der gesellschaftlichen Situation des Landes. So wurden auch die politischen Rahmenbedingungen und das nationale Katastrophenmanagement berücksichtigt.

Aufgrund dieser Faktoren ist der südpazifische Inselstaat Vanuatu am meisten durch Naturkatastrophen und ihre Auswirkungen bedroht. Die folgenden Plätze belegen Tonga, die Philippinen und Guatemala. Bemerkenswert ist, dass vor allem Inselstaaten durch den Klimawandel betroffen sind. Viele von ihnen liegen nur noch knapp über dem Meeresspiegel und drohen durch den Anstieg des Meeresspiegels unterzugehen.

Schutz von Korallenriffen wichtig

Deshalb kommt der Weltrisikobericht unter anderem zu dem Schluss, dass Ökosysteme wie Korallenriffe oder Mangrovenwälder besonders geschützt werden müssen. Diese natürlichen Barrieren können bis zu 85 Prozent der Wellenenergie absorbieren und vor allem Menschen in Küstengebieten vor Naturkatastrophen bewahren.  

Welche Auswirkungen vor allem ein funktionierendes politisches und ökonomisches System eines Landes auf die Risikobewertung hat, lässt sich am Vergleich zweier Erdbeben zeigen: Christchurch in Neuseeland wurde Anfang 2011 von einem Erdbeben der Stärke 6,3 auf der Momenten-Magnituden-Skala erschüttert. 187 Menschen starben, es enstand ein Sachschaden von 16 Milliarden US-Dollar (12,4 Milliarden Euro). Ein Jahr zuvor starben bei einem Erdbeben der Stärke 7 auf Haiti etwa 220.000 Menschen. Der Schaden von acht Milliarden US-Dollar (6,2 Milliarden Euro) überstieg das nationale Bruttoinlandsprodukt. Aufgrund dieser Unterschiede rangiert Neuseeland im Index auf Rang 122, während Haiti auf dem 21. Platz liegt.

4.130 Katastrophen in einem Jahrzehnt

Österreich wurde auf Rang 135 eingestuft. Das Ergebnis ist vor allem dadurch bedingt, dass es einen relativ hohen Risikowert bei der Häufigkeit von Naturkatastrophen gibt. Dabei ausschlaggebend sind vor allem schwere Hochwasser, wie etwa jenes im Jahr 2002. Deutschland liegt zum Vergleich auf Platz 146. Folgende Faktoren wurden bei der Studie untersucht: Exposition, Vulnerabilität, Anfälligkeit, Mangel an Bewältigungskapazitäten und Mangel an Anpassungskapazitäten.

Weltweit kam es laut Bericht in der Dekade von 2002 bis 2011 zu 4.130 Katastrophen, die mehr als einer Million Menschen das Leben kosteten. Dabei entstanden Schäden von 1,2 Billionen US-Dollar (930 Milliarden Euro). Für die Studienautoren wurde von der Politik bis dato der Zusammenhang von Umweltzerstörung und Naturkatastrophen viel zu wenig berücksichtigt. Sie fordern vor allem eine stärkere internationale Vernetzung bei den Themen Katastrophenhilfe, Katastrophenvorsorge und Entwicklungsstrategien. (bbl, derStandard.at, 12.9.2012)

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