Spar macht Verluste in Ungarn

  • Spar betreibt in Ungarn 400 Filialen. Der Einbruch der Kaufkraft und die 
Krisensteuer setzen dem Handelskonzern schwer zu.
    foto: apa

    Spar betreibt in Ungarn 400 Filialen. Der Einbruch der Kaufkraft und die Krisensteuer setzen dem Handelskonzern schwer zu.

Die Handelskette zapft den Kapitalmarkt an und holt sich über eine Anleihe 200 Millionen Euro. Die Krise in Ungarn kostet Spar Millionen Euro

Wien - Spar gibt den Wettlauf um das Goldene Dreieck der Wiener Innenstadt nicht auf. Im Herrnhuterhaus am Neuen Markt zog Rivale Billa ein. Auch auf der Tuchlaube zog Spar den Kürzeren: Denn Rewe sicherte sich den prominenten Standort für Merkur. Nun erzählen Marktkenner, dass Spar in der Kärntner Straße eröffnen will.

Die Handelskette soll über eine noble Fläche verhandeln, die zwischen dem Textilkonzern Hennes & Mauritz und dem Traditionsun- ternehmen Gerstner liegt. Der Vertrag mit bestehenden Mietern laufe dort aus, erfuhr der Standard. "Wir sondieren das Zentrum. Wir haben großes Interesse am ersten Bezirk und brauchen hier noch den einen oder anderen Standort", sagt Hans Reisch, Finanzchef der Spar-Gruppe. Derzeit gebe es aber "noch nichts Spezielles".

Spar baut jedes Jahr im Schnitt bis zu 35 neue Filialen. In Österreich hält der Konzern mittlerweile einen Marktanteil von 29,6 Prozent im Lebensmittelhandel, Diskonter miteingerechnet. Während die Geschäfte hierzulande wachsen, nicht zuletzt auch durch Expansion an Tankstellen, Bahnhöfen und Flughäfen, kämpft Spar an anderer Front mit Verlusten.

Sorgenkind

Das Sorgenkind ist Ungarn: Die österreichische Handelsgruppe ist dort seit 1990 vertreten und seit der Übernahme von fast 180 Plus-Märkten die Nummer zwei am Lebensmittelmarkt. 400 Filialen setzen 1,4 Milliarden Euro um. Für Spar ist Ungarn nach Italien der zweitgrößte Auslandsmarkt - und er sorgt derzeit für rote Zahlen, wie Reisch bestätigt. Für die Rückkehr in die Gewinnzone werde es bis zu drei Jahre brauchen.

Es sind die massiven wirtschaftlichen Probleme des Landes, die dem Handel seit längerem schwer zu schaffen machen. Der Konsum brach ein, seit drei Jahren müssen Handelsketten über eine Krisensteuer 2,5 Prozent ihres Nettoumsatzes an den Fiskus abliefern. 21 bis 25 Millionen Euro mache das für Spar im Jahr aus, sagt Reisch.

Er habe nun jedoch verlässliche Informationen aus der Regierung, dass die Steuer kommendes Jahr für Lebensmittelhändler auslaufe.

Kapitalmarkt

"Um bankenunabhängiger agieren zu können und für alle Eventualitäten gerüstet zu sein", zapft Spar zum vierten Mal seit 2001 den Kapitalmarkt an. Diesmal will sich das Unternehmen, das in der Hand dreier Familien ist, 200 Mio. Euro über einen Bond holen, ließ Reisch gestern, Mittwoch, wissen.

Die Unternehmensanleihe mit einer Laufzeit von fünf Jahren ist in 1000 Euro gestückelt und jährlich mit 3,5 Prozent verzinst. Die Zeichnungsfrist für Privatanleger läuft von 17. bis 19. September.

Es gehe um Bewegungsfreiheit bei Expansion und Zukäufen, sagt Reisch. Jedes Jahr würden gut 450 bis 500 Millionen Euro in In- und Ausland investiert, um das Filialnetz in Schuss zu halten. Im Vorjahr erhöhte die Spar Österreichische Warenhandels AG ihren Umsatz um 4,5 Prozent auf 5,36 Mrd. Euro. Das Ebit sank laut Bilanz von 139 auf 110 Mio. Euro. Grund seien überdurchschnittliche Kostensteigerungen und nicht weitergegebene Preiserhöhungen. (vk, DER STANDARD, 13.9.2012)

Share if you care