Filesharing-Rechtsstreit: 222.000 Dollar Strafe für 24 Songs

  • Jammie Thomas-Rasset (li) mit einem ihrer Anwälte nach dem Urteilsspruch im Jahr 2009
    foto: apa

    Jammie Thomas-Rasset (li) mit einem ihrer Anwälte nach dem Urteilsspruch im Jahr 2009

Fünfjähriger Streit zwischen einer Privatperson und der Musikindustrie nahm sein Ende mit einer hohen Geldstrafe

Der Rechtsstreit "Capitol vs. Thomas-Rasset" ist in den USA der erste Fall gewesen, in dem ein Record Label, in diesem Fall Capitol, eine Privatperson wegen Filesharings verklagt hat. Gegenstand des Streits waren 24 Songs. Begonnen hat der Rechtsstreit bereits im Jahr 2007, der Streitwert betrug 222.000 US-Dollar, Jammie Thomas-Rasset wurde vom Gericht verurteilt diesen Schadenersatz zahlen zu müssen. 2009 wurde der Fall neu aufgerollt, dieses Mal musste Thomas-Rasset 1,9 Millionen US-Dollar zahlen. 

Immer wieder Revision

Das Gericht hat die Strafe später auf 54.000 Dollar gesenkt, womit sich Capitol nicht zufrieden hab und in Revision ging. 2010 dann ein erneutes Urteil: Thomas-Rasset muss 1,5 Millionen US-Dollar zahlen, das wiederum auf die im zweiten Urteil beschlossenen 54.000 US-Dollar gesenkt wurde. Das Label ging wieder in Berufung.

9.250 Dollar pro Song

Nun hat am 11. September ein Berufungsgericht Thomas-Rasset wieder zu 222.000 US-Dollar Schadenersatz verurteilt. Während die Musikindustrie einen weiteren Erfolg nach einem jahrelangen Rechtsstreit verbuchen kann, stößt das Urteil auf viel Kritik. Besonders betont wird immer wieder die Unverhältnismäßigkeit, die 24 verbreitete Songs zu einer so hohen Geldstrafe haben führen lassen. Dies entspricht 9.250 US-Dollar pro Lied, das auf Kazaa verbreitet wurde. 

Anhörung vor dem Supreme Court ungewiss

Laut PC Advisor wollen Thomas-Rasset und ihre Anwälte in Berufung vor den Supreme Court gehen. Die Chancen auf eine Reduzierung des Schadenersatzes sind jedoch klein. Thomas-Rassets Anwalt Kiwi Camera meint, dass diese Strafe grausam, ungewöhnlich und verfassungswidrig wäre. Ob es im Supreme Court überhaupt zu einer Anhörung kommt, ist nicht gewisst. Bislang hat das höchste Gericht in den USA viele solcher Fälle abgelehnt, unter anderem auch den Fall von Joel Tennenbaum, der 675.000 US-Dollar an die RIAA zahlen musste, weil er 31 Songs runtergeladen hat. (red, derStandard.at, 12.9.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 210
1 2 3 4 5
Komische Argumentation...

"Jeder weiß, wie diese File-Sharing Clients wie Kazaa, eMule etc. funktionieren:" - eh, das sehe ich auch so.

Aber genau das würde doch eine härtere Bestrafung verlangen - wenn eh jeder weiß, dass Upgeloadet wird - kann es keiner unabsichtlich tun...

Also passiert der Upload _wissentlich_... Und damit ist ein Milderungsgrund weg, oder?

Alan, Denny - packt die Koffer

es geht vor den Supreme Court!

Deshalb einfach anonym saugen...

.. am Besten via Starbucks & Co? ;-)

Und die files auf einen anonymen, öffentlichen Facebook account hochladen...

Es geht nicht um Recht

Es geht um Rechtssprechung und die ist erschreckend losgelöst von Gerechtigkeit.

zum vregleich:

der vormalige wunderwuzzi mirko kovats
-jetzt wirtschaftskrimineller-
wurde zu € 300.000,- verdonnert.

Man würde sich wünschen, als einfache Privatperson in anderen Lebensbereichen auch diese großzügige Unterstützung durch Politik und Justiz zu erhalten.

Aber wir sind ja nur die Deppen ohne die entsprechenden finanziellen Ressourcen, um in unserem Sinne zu korrumpieren.

Das ist jetzt keine Stellungsnahme pro oder contra Filesharing, sondern ein Versuch, die Einseitigkeit der Politik und Gesetzgebung auszuzeigen: Geld hat (fast) immer Recht.

Diese Urteile sind nur ein Beispiel
für eine Gesetzgebung und Politik ,
die ihre ethischen Grundlagen verloren hat .

.... Und nicht weit davon ist der Faschismus ,
der ja auch immer juristisch gedeckt ist .

@derStandard.at: Könnte man bitte endlich einmal darüber berichten, welche Auswirkungen diese Urteile in der Praxis haben?

Es erwartet ja wohl niemand, dass die Frau die 220 k$ zahlen kann. Also was macht sie jetzt? Wir sie ihr Leben lang gepfändet? Eingesperrt, wenn sie nicht zahlen kann? Oder gibt es in den USA einen Privatkonkurs wie bei uns? usw.

Gibt es. Vielleicht hat sie das Geld ja auch. 222k ist ja nicht die Welt. Steuern zahlen sie ja auch kaum die Amis und jeder wird einmal Millionär.

Der dümmste Baueruser erntet die grössten Kartoffelstrafen

:o|

Mal schauen...

[kikinovak@alphamule:~] $ find /home/kikinovak/{Musique,Vrac} -type f | wc -l
13442

Was droht mir da jetzt? Ein paar Jahrtausende Guantanamo Bay?

So schafft man

potentielle zukünftige Amokläufer.

Homeland Security braucht ja auch ein Betätigungsfeld.

Hoffentlich nicht Amok, sonder etwas gezielter.

Pyrrhussieg..

nach 5 Jahren eine Veruteilung erreicht..
nach 5 Jahren aber noch immer kein Konzept zum legalen Musikvertrieb.

Apple macht denen da was vor..

Angenommen, ich klaue direkt bei Capitol 1 CD mit 24 Titeln

oder meinetwegen sogar ein Dutzend CDs.

Wie hoch wäre hier die Strafe?

Wobei in diesem Fall bei Capitol etwas fehlen würde. Beim sogenannten "Raubkopieren", das eigentlich "illegales Vervielfältigen" heißen müsste, fehlt beim "Beraubten" nichts.
Es ist also weder eine "Wegnahme" noch iA "gewaltsam": http://de.wikipedia.org/wiki/Raub

Somit müsste das illegale Vervielfältigen unter einer geringeren Strafdrohung stehen, als ein echter Raub von CDs.

Alles andere ist Willkür der Geldmächtigen gegen die ohnmächtigen Arbeits- und Konsumsklaven.

Das Problem ist der UPLOAD

und natürlich ist der Schaden für Rechteinhaber größer, wenn sie uploaden als wenn sie ein paar CDs fladern.

"illegales Vervielfältigen" gibt es übrigens bei uns bei Liedern, Filmen, Büchern, ... nicht - wenn sie es als Privatperson machen

Dann sprechen wir eben von dem Delikt "Hehlerei"

An wie viele weitere User wurden die 24 Songs weitergegeben?
1.000?
Also welche Strafe bekomme ich dafür, gestohlene 1.000 CDs zu verschenken?
Denn Hehlerei bedeutet ja normalerweise, dass ich mich an Diebsgut bereichere, nicht dass ich Diebsgut kostenlos weitergebe.

Und auch hier: Bei der Quelle fehlt ja nichts und man musste auch nicht gewaltsam eindringen oä. im Gegensatz zum sonstigen Handel mit Diebsgut.

Es bleibt bei der Willkür der Geldmacht über die Konsum- und Arbeitssklaven. That's it.

Man könnte sich vorstellen...

... dass die Zur-Verfügung-Stellung der Lieder einer Nutzung von weltweiten Ausstrahlungsrechten gleichkommt. Da waren die ausgesprochenen Strafen im Vergleich wohl ein Lerchalschaß von den Kosten...

Leider nein

Es gibt doch LEGALE Internetradios en masse, die somit auch "weltweit" spielen.
Die wären doch unfinanzierbar nach Deinem Gedanken.

Bei Bildernutzungsrechten gibt man selbst die Verbreitung an, in der man sie nutzen möchte, und danach richtet sich der Preis.
Um Songrechte für die öffentliche Ausstrahlung habe ich mich noch nicht gekümmert.

MMn müsste man bei Filesharing auch nachvollziehen können, wie viele sich's runtergesaugt haben.

Dann die Kosten für diese Ausstrahlungsrechte mal 10 oder 20 wäre auch ein Ansatz.

Aber zu ihrem Ansatz:

Ich befürchte eben, dass die Ausstrahlungsrechte teurer sind als die Strafen. Meiner Meinung nach sollten die Strafen bei Privaten geringer sein als die Ausstrahlungsrechte - weil ohne kommerziellen Hintergedanken.
Zusätzlich sollten sie geringer sein als die derzeitigen Strafen, also keine Existenzen vernichten.

Wenn das durch ihr Modell gewährleistet ist - bin ich schwer dafür!

Es wäre echt spannend...

... wieviel die Ausstrahlung kostet.

Ich _glaube_, dass die Rechte drecksteuer sind - zumindest bei aktuelleren Kinofilmchen merkt man es ja, wie es Stichtage geben dürfte, ab denen die Lizenz billiger wird... An genau dem Tag strahlen ja alle möglichen Sender gleichzeitig denselben Film aus |-D.

Ich glaube auch, dass weltweite Werbung drecksteuer ist - und genauso abhängig vom Einzugsgebiet wie das ausstrahlen von Liedern, ...

Und darauf wird wohl das Geschäftsmodell basieren. Wahrscheinlich gehen Hausnummer 95% der Werbeeinnahmen gleich an Rechteverwerter.

Die kleinen Leute fassen die höchsten Strafen aus...

Posting 1 bis 25 von 210
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.