Ärztekammer beharrt auf Freiwilligkeit von ELGA

  • Ärztekammer beharrt auf freiwilliger Teilnahme an ELGA.
    foto: jens wolf/dpd

    Ärztekammer beharrt auf freiwilliger Teilnahme an ELGA.

Präsident Wechselberger bemängelt zudem unzureichende Suchfunktion in Befunden

Wien - Die Ärztekammer beharrt auf ihren Forderungen für eine Zustimmung zur vom Gesundheitsministerium geplanten Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA). Vor allem die elektronische Verwertbarkeit der Befunde, also eine effektive Suchfunktion, müsse gewährleistet sein, betonte Ärztekammer-Präsident Artur Wechselberger am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Nur wenn im Gesetz auf alle Forderungen - darunter auch die freiwillige Teilnahme am System, Datensicherheit und eine Probephase - eingegangen wird, kann er sich einen Start 2013 vorstellen. Ansonsten werde es kein Ja der Ärztekammer geben.

Wechselberger hatte die Forderungen der Kammer bereits Ende August aufgestellt. Nun betonte der Präsident, dass die Experten der Kammer sowie des Gesundheitsministeriums in ihren Verhandlungen nicht weitergekommen seien. Zwar hätten die Ärzte mit ihren Anliegen im Ministerium grundsätzlich Zustimmung gefunden, im vorgelegten Gesetzesentwurf hätten die Vorschläge der Kammer dann aber keinen Niederschlag gefunden. Seine Aufgabe werde es jetzt sein, mit dem Ministerium weiterzuverhandeln.

Bedienungsfreundlichkeit wichtig

Als besonderes Anliegen nannte Wechselberger die "Usability" des Systems. Konkret will er eine umfassende Suchfunktion implementiert wissen, der derzeitige Plan sei diesbezüglich unzureichend. "Es soll für die Ärzte nicht ein reines Dokumente-Sammelsystem sein", so der Wunsch des Präsidenten. Denn es genüge nicht, wenn nur Dokumente im PDF-Format gespeichert werden, diese müssten die Ärzte dann erst recht wieder manuell durchsuchen. Vielmehr bedürfe es einer effektiven, Dokumente-übergreifenden Suchfunktion. Das Gesundheitsministerium erkenne das zwar an, wolle ELGA aber dennoch vorerst ohne diese Funktion starten - "Ein Ansatz, der grundlegend falsch ist", so Wechselberger.

Datentypen

Er fordert, dass ab sofort "ELGA-fähige Dokumente" erstellt würden und nur diese ins System eingespeist werden. Wechselberger verwies gleichzeitig darauf, dass Umfragen bei 15 Krankenanstaltenträgern ergeben hätten, dass 50 Prozent davon dazu nicht in der Lage seien - und zwar auch nicht im Jahr 2015, wie vom Ministerium vorgeschlagen. Und "weit unter zehn Prozent sind in der Lage, das Dokumentensystem jetzt schon zur Verfügung zu stellen", so Wechselberger - ganz zu schweigen vom niedergelassenen Bereich. In einem ersten Schritt will er nur drei Typen von Daten eingespeist wissen, nämlich Labor-Daten, radiologische Befunde sowie Entlassungsbefunde.

Neben der Suchfunktion beharrt die Ärztekammer auch auf einer Freiwilligkeit an der Teilnahme von ELGA - und zwar sowohl für die Patienten als auch für die Ärzte. Darüber hinaus müsse die Datensicherheit gewährt sein und eine Probephase kommen. Und auch die Finanzierung ist nach Ansicht Wechselbergers nach wie vor unzureichend geklärt.

Stöger: Verhandlungen konstruktiv

Im Gesundheitsministerium lässt man die Kritik der Ärztekammer so nicht stehen. Die Gespräche seien sehr wohl "konstruktiv" gewesen, hieß es am Mittwoch aus dem Büro von Ressortchef Alois Stöger (SPÖ). Weitere Verhandlungen mit den Ärzten werde es aber keine mehr geben. Nächster Anprechpartner Stögers sei nun das "Spiegelressort", Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Am Zeitplan, ELGA Mitte 2013 zu starten, hält das Ministerium fest. (APA, 12.9.2012)

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