Gugelhupf bei Faymanns

Der Kanzler hat bei aller Dunkelheit der Szenerie doch einiges an Erhellung gebracht

Der Kanzler hat es nun hinter sich, das ORF-Sommergespräch - und das hat, bei aller Dunkelheit der Szenerie, doch einiges an Erhellung gebracht. Nun wissen alle, dass Jung Faymann als Schauspieler reüssierte, er Studienabbrecher ist, ihn freundschaftliche Bande mit der Kronen Zeitung verbinden und er in der Inseratenaffäre, die u. a. ebendort spielt, nicht mit einer Anklage rechnet. Und: Zum U-Ausschuss käme er schon, würde er nur geladen. Man ist erhellt, all das ergibt ein rundes Bild, auch vom Kanzler.

Die jüngste Krone bunt von Sonntag macht dieses noch viel bunter. Sie war bei "Bürger Faymann" daheim und lehrt den Leser, wie es dort ("Hier wuchs er auf, hier wütete er in der Sandkiste") sonntags zugeht, bei "Meerschweinchen, Martina und Gugelhupf". Kurzum: "Vorstadtidylle als Gegenpol zur großen Politik."

Der Sommer geht vorbei, die Erhellung über die große Politik schreitet indes fort. Dafür sorgt schon SPÖ-Klubchef Josef Cap, der des Kanzlers Interviewantworten nun als Ersatz für die Befragung im U-Ausschuss verkauft.

Ein interessanter Ansatz, zumal ausbaubar zur Entlastung der Justiz. Ermittlungen, Anklagen, Gerichtsverfahren gegen Politiker? Wie verzichtbar. Politiker geben künftig stattdessen Interviews - und essen Gugelhupf mit dem Boulevard. Das wieder-um hat Tradition - wie wir seit Bundespräsident Thomas Klestils Gugelhupfjause mit Krone-Chef Hans Dichand wissen. (Renate Graber, DER STANDARD, 12.9.2012)

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