Präsidentenwahl in Somalia: Eine kleine Hoffnung

Kommentar | Julia Raabe, 11. September 2012, 18:29

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten hat das Land einen neuen Präsidenten gewählt

Nach über 20 Jahren grausamen Bürgerkriegs gibt es in Somalia wieder einen kleinen Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten hat das Land einen neuen Präsidenten gewählt - ein wichtiger Schritt im angestrebten Friedensprozess.

Mit Hassan Sheikh Mohamud haben sich die Parlamentarier zudem für einen Mann entschieden, der auch mit seinem Werdegang für einen Neuanfang steht: Als Akademiker und Friedensaktivist soll er sich die Chaosjahre hindurch für Versöhnung eingesetzt haben. Er arbeitete für das UN-Kinderhilfswerk, für NGOs und begründete ein Institut für Management und Verwaltung mit, die heutige Simad-Universität in Mogadischu. Erst seit 2011 soll er sich stärker politisch engagiert haben. Ein unbelasteter Präsident.

Das mag es leichter machen, ihn zu unterstützen. Doch die Aufgaben sind immens. Große Teile des Landes werden von der Regierung gar nicht kontrolliert. Die Gebiete Somaliland und Puntland im Norden sind faktisch unabhängig; der Rest des Landes - mit Ausnahme der Hauptstadt und eines Teils von Zentralsomalia - ist in der Hand lokaler Clans und islamistischer Gruppen. Allen voran der islamistischen Al-Shabaab-Miliz, die einen Großteil Mittel- und Südsomalias beherrscht. Ihre Reaktion ist wenig ermutigend: Mit Mohamud könnten sie zwar leben, nicht aber mit einem von Nachbarländern und dem Westen beförderten Friedensprozess. Schlechte Aussichten. (Julia Raabe, DER STANDARD, 12.9.2012)

Sehr brav!

Dafür gibt's ein goldenes Sternderl ins Heft.

Die Hälfte verschwiegen...

Es wäre redlich gewesen, zu erwähnen, dass die Mitglieder des "Parlaments" von Clanchefs bestimmt wurden und nicht vom Volk gewählt, was der Begriff "Parlament" suggeriert.

"Zum ersten Mal seit Jahrzehnten hat das Land einen neuen Präsidenten gewählt" versus "Mit Hassan Sheikh Mohamud haben sich die Parlamentarier zudem für einen Mann entschieden, der auch mit seinem Werdegang für einen Neuanfang steht"

Richtig, die Parlamentarier haben einen neuen Präsidenten gewählt. Das Volk hat gar nichts gewählt, da das Land immer noch von Bürgerkrieg, Chaos und Anarchie beherrscht wird. - Ja die Übergangsregierung hat heutzutage dank AMISOM mehr Kontrolle als noch vor ein paar Jahren - Aber es ist und bleibt ein Bürgerkriegsland.

"Große Teile des Landes werden von der Regierung gar nicht kontrolliert."

Gar nichts wird von der Regierung kontrolliert.

Ich gebe ja zu, dass es ausserordentlich schwierig sein dürfte, einen über Anarchie und Piraterie hinaus sinnvollen Kommentar über Somalia zu schreiben.
Aber dann lass ma es halt lieber ganz bleiben anstatt soviel Blauäugigkeit zu verbreiten.

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