Eine Diktatur schaut Deutschland

In Nordkorea werden Fußballspiele aus der ersten und zweiten Bundesliga gezeigt

Köln - Nordkoreas Staatsfernsehen überträgt voraussichtlich schon ab dem kommenden Wochenende Spiele der deutschen Fußball-Bundesligen. Die Vereinbarung mit dem Propagandakanal KCTV bestätigte die DFL Sports Enterprises als zuständige Tochter der Deutschen Fußball Liga (DFL). " Die Bundesliga ist damit als erste internationale Liga in Nordkorea zu sehen", sagte Geschäftsführer Jörg Daubitzer der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Über finanzielle Inhalte der Absprache mit KCTV, das pro Woche entweder ein Erstliga-Spiel live oder eine Zweitliga-Begegnung als Aufzeichnung ausstrahlen kann, machte die DFL-Tochter keine Angaben. Laut Daubitzer bringt der Vertrag mit dem Sender aus dem völlig verarmten 25-Millionen-Einwohner-Land das Unternehmen in der Auslandsvermarktung der Liga "wirtschaftlich nicht in neue Dimensionen". Vielleicht ist es sogar ein Verlustgeschäft.

Legionär als Hingucker

Hintergrund des verstärkten Interesses am deutschen Kick in dem abgeschotteten Staat, der 2010 in Südafrika erstmals seit 44 Jahren wieder an einer WM-Endrunde teilgenommen hat, ist auch das Engagement des nordkoreanischen Starstürmers Chong Tese beim Absteiger 1. FC Köln. Deswegen erscheint denkbar, dass KCTV häufiger von der Zweitliga-Option Gebrauch machen wird, zumal der Anstoß der meisten Erstliga-Spiele am Samstag (15.30 Uhr) durch die Zeitverschiebung in Nordkorea nur eine halbe Stunde vor Sendeschluss (23 Uhr) des sechsstündigen Programms erfolgt.

Der über eine japanische Agentur abgewickelte Deal der DFL, durch den die Bundesliga nunmehr in 205 von insgesamt 209 Mitgliedsländern des Weltverbandes Fifa zu sehen ist, gilt politisch als beachtlich.

"Dass die Bundesliga den Schritt in das verschlossene Land geschafft hat, ist ein sehr positives Zeichen", sagte Willi Lemke, der ehrenamtliche Sonderbotschafter des Generalsekretärs der Vereinten Nationen für Sport. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Werder Bremen hofft in den Beziehungen zu dem international isolierten Regime des Diktators Kim Jong-un auf "Entkrampfung und Entspannung". (sid, DER STANDARD, 12.09.2012)

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