Österreichs Lehrer unterrichten weniger

11. September 2012, 15:46

Nur Volksschullehrer stehen so lange in der Klasse wie Kollegen in anderen Industriestaaten

Wien - Die aktuelle Ausgabe der OECD-Vergleichsstudie "Bildung auf einen Blick" liefert sowohl Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) als auch der Lehrergewerkschaft Argumentationshilfe im laufenden Ringen um eine Reform des Dienstrechts: Erneut wird belegt, dass Österreichs Lehrer im Vergleich mit ihren Berufskollegen in den anderen 34 Industrienationen kürzer in der Klasse stehen, gleichzeitig aber mehr verdienen. Allerdings zeigen die Daten auch auf, dass Pädagogen hierzulande im Vergleich mit Akademikern in anderen Bereichen eher schlecht bezahlt werden.

Befeuert wird durch die Daten Schmieds Ansinnen, dass Lehrer länger in der Klasse stehen sollen. Einzig Österreich Volksschullehrer unterrichten mit 779 Stunden pro Jahr etwa so viel wie ihre Berufskollegen im OECD-Schnitt (782 Stunden). Pädagogen in der Sekundarstufe I (Hauptschule, AHS-Unterstufe, Neue Mittelschule) und Sekundarstufe II (AHS-Oberstufe; berufsbildende mittlere und höhere Schule, BMHS) kommen unterdessen mit 607 bzw. 589 Stunden pro Jahr auf deutlich weniger Unterricht in der Klasse als Lehrer im OECD-Schnitt (704 bzw. 658 Stunden pro Jahr).

Österreichs Lehrer verdienen mehr

Beim Einkommen (exklusive Zulagen) verdienen Österreichs Lehrer etwas mehr: Die Einkommen sind bereits zu Berufsbeginn in allen Lehrergruppen höher als im OECD-Vergleich. In Österreich verdienen Lehrer in der Volksschule beim Einstieg laut der Studie rund 24.000 Euro Jahresgehalt , im OECD-Schnitt sind es knapp 22.300 Euro. Lehrer der Sekundarstufe I starten mit 25.000 Euro. Der OECD-Schnitt liegt hier bei 23.300 Euro, Lehrer der Sekundarstufe II mit 25.600 Euro, während die Länder im OECD-Schnitt 24.200 Euro verdienen.

Ebenfalls überdurchschnittlich fällt bei Österreichs Lehrern die Gehaltssteigerung aus: Nach 15 Berufsjahren liegt das Einkommen 1.800 bis 3.800 Dollar über dem OECD-Schnitt. 

Andere Akademiker bekommen mehr Gehalt

Andreas Schleicher, OECD-Sonderbeauftragter für Bildungspolitik, relativiert diese Zahlen jedoch: So würden Lehrer in Österreich nicht schlecht verdienen, "aber im Vergleich zu anderen Tertiärabsolventen schneiden Lehrer schon relativ schlecht ab". Das trifft unabhängig davon zu, ob sie eine dreijährige Ausbildung an einer Pädagogischen Hochschule (PH) oder eine fünfeinhalbjährige an der Uni gemacht haben: Die an den PH ausgebildeten Volks- und Sonderschullehrer verdienen in Österreich lediglich 58 Prozent von Akademikern, die in anderen Bereichen arbeiten. Bei 62 Prozent liegt der Wert in der Sekundarstufe I, wo an der Hauptschule Lehrer mit PH-Abschluss und an der AHS-Unterstufe Pädagogen mit Uni-Abschluss unterrichten. Die an den Unis ausgebildeten Lehrer für AHS-Oberstufe und BMHS erhalten 64 Prozent vom durchschnittlichen Gehalt anderer Akademiker. (APA, 11.9.2012)

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10 Postings
beweis für manipulierte zahlen??

volksschullehrer unterrichten so viel mehr?
dabei haben sie nur 1 stunde mehr pro woche zu unterrichten, allerdings auch keine sprechstunde, soviel ich weiß!

folglich kann es nur so sein, dass es bei den volksschullehrern nur wenige teilzeitbeschäftigte gibt (wär ja logisch - jede eigene klasse), bei anderen schulformen viel mehr!
sprich: es werden ganz offensichtlich teilzeitkräfte miteingerechnet, ob die anderen oecd-länder auch so schummeln??

wenn das die gewerkschaft argumentativ wirklich zulässt wärs der wahnsinn!!

Problematisch ist die Diskrepanz

zwischen dem Lehrerverdienst und Durchschnittsverdienst anderer Akademiker. Klar - muss man da schon gewaltig aufpassen. Ein Absolvent der Pädagogischen Hochschule (sicher nicht vergleichbar mit einem Master oder Mag.) sollte natürlich nicht so viel verdienen wie ein Arzt, Anwalt, Manager...
Aber Achtung: Wenn jetzt ein Lehrer mit echter Uniausbildung (HTL, HAK, Gym,...) zu viel weniger verdient als seine privatwirtschaftlichen Kollegen, dann wird es problematisch. Dann kommen nämlich wirklich nur die in die Schule, die es draußen nicht schaffen. Und das geht dann wirklich auf Kosten der Qualität.

Eines noch:

Dass Österreichs Lehrer/innen im OECD-Schnitt besser verdienen , halte ich für ein Mindestgebot. Schließlich liegt das Lohnniveau in Ö. allgemein sehr viel höher als in fast allen anderen OECD-Ländern.

Das ist doch alles eine Augenauswischerei. Während die Alten langsam in die Pension verschwinden, wollen wir Junglehrer/innen finden, indem wir ihnen öffentlich bekanntgeben, sie werden sehr viel weniger verdienen und mehr unterrichten müssen.

Wer glaubt, dass so etwas funktioniert, muss ein durchgeknallter Neoliberaler sein.

Österreichs Lehrer unterrichten gar nicht weniger, und daneben haben sie zirka 10mal mehr organisatorischen Kram zu erledigen als Lehrer anderswo.

So schauts aus.

studie falsch?

ihrer ansicht nach ist also die studie falsch?

Man kann das ja auch nicht wirklich eine unabhängige Studie nennen,

denn die Zahlen werden aus dem österreichischen BMUK gemeldet.

Wie sie zustandekommen, bleibt den Gerüchteköchen überlassen.

Ich habe als Deutschlehrer an BHS die niedrigstmögliche volle Lehrverpflichtung. Sie beträgt pro Jahr 648 bis 684 Stunden (je nach Platzierung der Feiertage).

Lt. OECD hätte ich viel weniger Unterricht.

Die plausibleste Erklärung ist, dass die Unterrichtseinheiten auf 60 Minuten umgerechnet werden, bzw. dass alle karenzierten und anderweitig verwendeten Lehrer (z. B. Direktoren) in die Kopfzahl mit eingerechnet werden. Im UK z. B. gelten die head teachers nicht als Lehrer, fallen also aus dem Schlüssel.

Wenn die Gewerkschaft aus taktischen Gründen den Ball ins Ministerium zurückschießt, soll mir das recht sein.

Die Studie ist sicherlich nicht falsch, richtig wird wohl auch sein, dass österreichische Lehrerinnen und Lehrer tatsächlich weniger in der Klasse stehen. Was hier nicht erwähnt wird, ist, dass Sie zur reinen Unterrichtszeit nochmal 1000Std.+ rechnen müssen. Die Gesamtarbeitszeit liegt nämlich bei durchschnittlich ca 1770 Stunden, also knapp über dem OECD-Durchschnitt allgemein und mehr als 200 Stunden über dem allgemeinen österreichischen Durchschnitt.

http://www.oecd-ilibrary.org/docserver... 048871E45D

http://www.keepeek.com/Digital-A... hers-spend

Der Vergleich macht Sie sicher 2

Standard:"Ebenfalls überdurchschnittlich fällt bei Österreichs Lehrern die Gehaltssteigerung aus: Nach 15 Berufsjahren liegt das Einkommen 1.800 bis 3.800 Dollar über dem OECD-Schnitt. "
Presse:"Ebenfalls überdurchschnittlich fällt bei Österreichs Lehrern die Gehaltssteigerung aus: Nach 15 Berufsjahren liegt das Einkommen 2300 bis 4800 Dollar über dem OECD-Schnitt."

Der Vergleich macht Sie sicher 1

Standard:"In Österreich verdienen Lehrer in der Volksschule beim Einstieg laut der Studie rund 24.000 Euro Jahresgehalt , im OECD-Schnitt sind es knapp 22.300 Euro."
Presse:"In Österreich verdienen Lehrer in der Volksschule beim Einstieg rund 30.800 US-Dollar Jahresgehalt (kaufkraftbereinigt), im OECD-Schnitt sind es knapp 28.500 Dollar.

Standard:"Lehrer der Sekundarstufe I starten mit 25.000 Euro. Der OECD-Schnitt liegt hier bei 23.300 Euro, Lehrer der Sekundarstufe II mit 25.600 Euro, während die Länder im OECD-Schnitt 24.200 Euro verdienen."
Presse:"Lehrer der Sekundarstufe I starten mit 32.200 Dollar (OECD-Schnitt: 29.800), Lehrer der Sekundarstufe II mit 32.700 Dollar (OECD-Schnitt 30.900)."

na sowas!

na, ich fürchte, dann gibst keine projektwochen, schulschikurse und sprachaufenhalte mehr: wenn ich die zeit veranschlage, die für die vorbereitung solcher untenehmen notwendig ist, dann überholt ein lehrer ich jeden an arbeitszeit, der in der privatwirtschft tätig ist und die überstunden schwarz bezahlt bekommt!

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