Österreichs Lehrer unterrichten weniger

Nur Volksschullehrer stehen so lange in der Klasse wie Kollegen in anderen Industriestaaten

Wien - Die aktuelle Ausgabe der OECD-Vergleichsstudie "Bildung auf einen Blick" liefert sowohl Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) als auch der Lehrergewerkschaft Argumentationshilfe im laufenden Ringen um eine Reform des Dienstrechts: Erneut wird belegt, dass Österreichs Lehrer im Vergleich mit ihren Berufskollegen in den anderen 34 Industrienationen kürzer in der Klasse stehen, gleichzeitig aber mehr verdienen. Allerdings zeigen die Daten auch auf, dass Pädagogen hierzulande im Vergleich mit Akademikern in anderen Bereichen eher schlecht bezahlt werden.

Befeuert wird durch die Daten Schmieds Ansinnen, dass Lehrer länger in der Klasse stehen sollen. Einzig Österreich Volksschullehrer unterrichten mit 779 Stunden pro Jahr etwa so viel wie ihre Berufskollegen im OECD-Schnitt (782 Stunden). Pädagogen in der Sekundarstufe I (Hauptschule, AHS-Unterstufe, Neue Mittelschule) und Sekundarstufe II (AHS-Oberstufe; berufsbildende mittlere und höhere Schule, BMHS) kommen unterdessen mit 607 bzw. 589 Stunden pro Jahr auf deutlich weniger Unterricht in der Klasse als Lehrer im OECD-Schnitt (704 bzw. 658 Stunden pro Jahr).

Österreichs Lehrer verdienen mehr

Beim Einkommen (exklusive Zulagen) verdienen Österreichs Lehrer etwas mehr: Die Einkommen sind bereits zu Berufsbeginn in allen Lehrergruppen höher als im OECD-Vergleich. In Österreich verdienen Lehrer in der Volksschule beim Einstieg laut der Studie rund 24.000 Euro Jahresgehalt , im OECD-Schnitt sind es knapp 22.300 Euro. Lehrer der Sekundarstufe I starten mit 25.000 Euro. Der OECD-Schnitt liegt hier bei 23.300 Euro, Lehrer der Sekundarstufe II mit 25.600 Euro, während die Länder im OECD-Schnitt 24.200 Euro verdienen.

Ebenfalls überdurchschnittlich fällt bei Österreichs Lehrern die Gehaltssteigerung aus: Nach 15 Berufsjahren liegt das Einkommen 1.800 bis 3.800 Dollar über dem OECD-Schnitt. 

Andere Akademiker bekommen mehr Gehalt

Andreas Schleicher, OECD-Sonderbeauftragter für Bildungspolitik, relativiert diese Zahlen jedoch: So würden Lehrer in Österreich nicht schlecht verdienen, "aber im Vergleich zu anderen Tertiärabsolventen schneiden Lehrer schon relativ schlecht ab". Das trifft unabhängig davon zu, ob sie eine dreijährige Ausbildung an einer Pädagogischen Hochschule (PH) oder eine fünfeinhalbjährige an der Uni gemacht haben: Die an den PH ausgebildeten Volks- und Sonderschullehrer verdienen in Österreich lediglich 58 Prozent von Akademikern, die in anderen Bereichen arbeiten. Bei 62 Prozent liegt der Wert in der Sekundarstufe I, wo an der Hauptschule Lehrer mit PH-Abschluss und an der AHS-Unterstufe Pädagogen mit Uni-Abschluss unterrichten. Die an den Unis ausgebildeten Lehrer für AHS-Oberstufe und BMHS erhalten 64 Prozent vom durchschnittlichen Gehalt anderer Akademiker. (APA, 11.9.2012)

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