Steirischer Herbst: Marathon-Campen am Puls der Zeit

11. September 2012, 15:15
  • Die Aktionistinnen von Femen kommen nach Graz.
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    foto: reuters/anatolii stepanov

    Die Aktionistinnen von Femen kommen nach Graz.

  • Nenad Duda Petrović (OTPOR!): Truth is concrete #15.
    foto: steirischer herbst

    Nenad Duda Petrović (OTPOR!): Truth is concrete #15.

Festival erörtert Beziehung von Kunst und Politik unter dem Motto "Truth is concrete"

Graz - Zwischen hämmernden Arbeitern, unter bedrohlich vibrierenden Decken und schwankenden Lustern stellte Veronica Kaup-Hasler am Dienstag in der Thalia, wo heuer das Festivalzentrum einziehen wird, das Programm des Steirischen Herbstes vor. Dieses ist in vielerlei Hinsicht anders als in den Jahren zuvor. Die Thalia wird der derzeit temporär zu einem 24-Stunden-Marathon-Camp umfunktioniert.

Das Architektenkollektiv Raumbüroberlin macht den Hauptraum des ehemaligen Tanzcafés in ersten Stock über eine Treppe direkt begehbar. Dort, in den umliegenden Räumen und in der benachbarten Galerie Zimmermann Kratochwill werden ab 21. September mehr als 200 Künstler, Aktivisten und Theoretiker und 100 Stipendiaten aus aller Welt eine Woche lang vortragen, spielen, diskutieren, wohnen und über die Zukunft der krisengeschüttelten Welt diskutieren. Titel des Camps, das auch eine Verbeugung an die Occupy-Bewegung ist: "Truth is concrete." (Die Wahrheit ist konkret, ein Hegel-Zitat)

Die 24-Stunden sind ernst gemeint. Wer das in seiner Fülle eigentlich nicht konsumierbare Programm halbwegs erfassen will, kann über Nacht bleiben. Das Camp ist Tag und Nacht frei zugänglich. Über 100 Betten stehen zur Verfügung. Einen Eröffnungsabend mit Politikerreden und Sekt wird es nicht geben.

Unter den Aktivisten sind einige, die jüngst größere Bekanntheit erlangten, wie die ukrainische Feministinnen-Gruppe Femen, die als Gast des Theaters im Bahnhof einen frühen Termin um fünf Uhr morgens bestreitet. Dass man unter Gefahr und am Puls der Zeit arbeitende Künstler eingeladen hat, zeigen nicht planbare Umstände: Nicht inhaftierte Mitglieder der russischen Band Pussy Riot sollen kommen - ob sie ausreisen können, ist aber noch unklar. Die Künstlergruppe Voina aus Russland wird erwartet. Der politische Cartoonist Aseem Trivedi aus Indien wurde erst vor wenigen Tagen verhaftet. Auch seine Teilnahme ist nun unsicher. (cms, DER STANDARD, 12.9.2012)

Das Karten- und Infobüro nimmt ab dem 12. September seinen Betrieb im zukünftigen Camp/Festivalzentrum am Opernring 5 auf.

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9 Postings
Super Foto!

Wenn ich mir so vorstelle: ich, in dieser Situation, die Motorsäge in der Hand...yeah!...;)

Grüße vom Arbeitsinspektorat

Mit den langen offenen Haaren mit einer Motorsäge arbeiten ?!?! - also wenn sich die Haare in der Maschiene verfangen, dann gute Nacht !

Meines Wissens hat die Aktivistin das Absägen des Kreuzes nicht im Rahmen eines Anstellungsverhältnisses ausgeübt.

Die Wahrheit ist aus Beton?
Aktivismus auf sicherem Gelände (eingefriedet)

die wahrheit ist persönlich....

Ausgerechnet in Graz

wo man nicht einmal ein Bierchen aus'm Billa-Kühlregal zwitschern darf, ohne polizeiliche Strafverfolgung zu riskieren

Wer in anderen Ländern in der Kirche randaliert, gilt als Held

Im Bekämpfen des eigenen Regimes ist man nicht so tapfer

Kein Protesttrinken, kaum eine einsame Protest-Bettel-Aktion

Ihr falschen Fuffziger.

Die Verlogenheit im Umgang mit den Pussy Riots zeigt sich wohl eher bei der Berichterstattung über Assange.

Und dass die Pussy Riots bei der ÖVP als Heldinnen gelten, bezweifle ich außerdem...

Assange ist böse, Pussy Riots ist cool ...

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