Neuer Run auf deutsche Plattenbauten

11. September 2012, 14:44

Internationale Investoren wollen auslaufende Kredite mit Verkaufserlösen zurückzahlen - Heuer könnten noch 100.000 Wohnungen gehandelt werden

100.000 Wohnungen könnten heuer in Deutschland noch verkauft werden, schätzen Marktbeobachter - und viele davon werden sich in den ansonsten eher schlecht beleumundeten ostdeutschen Plattenbauten befinden. Internationale Immobilieninvestoren haben nämlich bis zum Jahr 2008, als die US-Immobilienkrise sich zu einer globalen Wirtschafts- und Finanzkrise auswuchs, viele Immobilienkredite aufgenommen, die per Ende 2014 fällig werden. Die Rückzahlung soll in vielen Fällen mit den Erlösen aus Verkäufen finanziert werden, berichten mehrere deutsche Medien.

Zigtausende Wohnungen sind heuer ohnehin schon gehandelt worden. Im Mai übernahm beispielsweise Bawag-Mutter Cerberus - wie damals berichtet - 22.000 Wohnungen von der insolventen Speymill Deutsche Immobilien. Das überwiegend westdeutsche Portfolio enthielt auch einige Plattenbauten.

Gagfah will zum Buchwert verkaufen

Der hochverschuldete Immobilienkonzern Gagfah, hinter der US-Finanzinvestor Fortress steht, nimmt gerade noch Angebote für seine 38.000 "Woba"-Wohnungen in Dresden entgegen, die bis Jahresende verkauft werden sollen. Es handelt sich dabei großteils um Einheiten in Plattenbauten. Mehrere US-Unternehmen haben ihr Interesse bekundet. Gagfah will die Wohnungen mindestens zum Buchwert von 1,8 Milliarden Euro verkaufen, um damit einen Teil der Schulden von 3,1 Milliarden Euro zu bezahlen.

Schon im März hatte sich der US-Konzern Blackstone mit dem insolventen Investor Level One auf die Übernahme von 8.000 Wohnungen geeinigt, von denen ebenfalls viele in ostdeutschen Plattenbausiedlungen liegen. Level One wurde von dem Österreicher Cevdet Caner gegründet, der mit der fremdfinanzierten Übernahme von Plattenbau-Wohnungen das große Geld machen wollte. (Seine Story ist in diesem Spiegel-Artikel von 2009 ausführlich beschrieben.)

"Plattenbauten sind sehr effizient", begründete Christian Schulz-Wulkow, Partner bei der Ernst & Young Real Estate GmbH in Berlin, den Trend zur "Platte" jüngst gegenüber der Tageszeitung "Die Welt". "Man kann viele davon an einem Standort kaufen und hat dann tausend Wohnungen, die alle sehr ähnlich sind und auf dieselbe Art verwaltet werden können."

"Leer gefegte Märkte"

Ganz generell mangelt es am deutschen Immobilienmarkt derzeit nicht an Abnehmern. Die Angst vor dem Euro-Kollaps, die historisch niedrigen Zinsen, der Mangel an Anlage-Alternativen: Das alles drängt auch deutsche Privatanleger weiterhin zur Immobilie. "In Städten wie München, Hamburg oder Düsseldorf ist der Markt schon fast leer gefegt", schrieb die Tageszeitung "Die Welt" vor wenigen Tagen. Für Wohnungen und Häuser in guter Lage werden mitunter absurd hohe Preise verlangt - beispielsweise mehr als eine Million Euro "für eine zwölf Jahre alte Doppelhaushälfte am Münchner Westpark".

So mancher Marktbeobachter warnt aber immer lauter davor, dass die jüngsten enormen Preissteigerungen auch den Beginn einer Blase markieren könnten. "Investitionen in den deutschen Wohnungsmarkt haben im Moment einen sehr spekulativen Charakter, und das macht sie risikoreich", sagt Steffen Sebastian, Leiter des Instituts für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg. "Vor allem ausländische Investoren betrachten Deutschland als sicheren Hafen. Aber der deutsche Immobilienmarkt ist nicht unabhängig vom Rest Europas", so Sebastian gegenüber der "Welt". (red, derStandard.at, 11.9.2012)

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11 Postings
nicht an der Wohnung verdient man, sondern an deren Mieter

der Mieter ist das eigentliche Spekulationsobjekt.

Von dem was er sich erhackelt muss er viele Steuern für den Systemerhalt - von dem er kaum was hat - zahlen.

Der Rest wird ihm dann durch Miete abgepresst.

Na, ob man das ohne Zweitjob und Samstagarbeit (zur Gewinnmehrung des Kapitals) schafft?

Das geht auch nur begrenzt - wer seine Mieter jahrelang quält, der steht irgendwann ohne Einnahmen dar.

Ja, wer hätte das gedacht, dass die viel geschmähten Hinterlassenschaften des sozialen Wohnbaus der DDR einmal den Reichen als Anlage- und Spekulationsobjekte dienen werden.

Wer in sowas wohnen will (& sich das auch noch kaufen muß), ist selber schuld.

Hier geht es aber nur ums kaufen...wer das kauft wird nicht drinnen wohnen.

Stimmt, danke für den Hinweis - hilfreicher als der Zynismusvorwurf zudem! =)

Die Betroffenen können Ihren Zynismus sicher gut gebrauchen!

Ehrlich mit -h- natürlich...

Erlich gesagt war das nicht zynisch gemeint - läßt somit mehr auf Sie schließen, nicht?

Wird nicht besser...

... wenn Sie's wiederholen!

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