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Aussterben wird die offene Chirurgie nicht, denn Organe wie die Bauchspeicheldrüse sind nur über größere Schnitte erreichbar.
"Ich wundere mich selber, wie wir das vor 20, 30 Jahren gemacht haben", sagt Josef Karner, Leiter der Chirurgischen Abteilung im Kaiser-Franz-Josef-Spital in Favoriten. "Der Herr Doktor kam, dann wurde operiert und fertig. Es war fürchterlich."
Das Verhältnis zwischen Chirurg und Patient hat sich seit damals stark gewandelt, ebenso wie viele der Behandlungsmethoden. Gleich geblieben sind die hohe Arbeitsbelastung und der oftmals schwierige Umgang mit dem Tod von Patienten.
In Karners Team arbeiten derzeit 25 Ärzte und mehr als 100 Mitarbeiter im Bereich der Pflege. Die Abteilung ist auf onkologische Chirurgie spezialisiert. Für die behandelnden Mediziner ergibt sich daraus eine wesentliche Frage im Umgang mit den Patienten: Wie gewinnt ein Chirurg das Vertrauen eines Menschen, der eventuell zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung die Diagnose "Krebs" erhält? "Durch unglaubliche Offenheit", lautet Karners Antwort. "Sie dürfen den Patienten nie alleine lassen und müssen versuchen, in einer für ihn verständlichen Sprache zu sprechen."
Der Patient - und sei er todkrank - dürfe nie ohne einen "Hoffnungsschimmer" entlassen werden, erklärt der Chirurg. Damit sei nicht das Versprechen auf Heilung gemeint, sondern etwa die Aussicht auf schmerzfreie letzte Tage. Oder einfach nur die Möglichkeit, bis knapp vor dem Ende noch selbstständig essen und trinken zu können. Kontaktaufnahme und behutsamer Umgang zu Verwandtschaft und Begleitpersonen gehören in Karners Beruf dazu.
Andere Spezialisierungen der Chirurgie verlangen den Ärzten weniger ab. Fingerspitzengefühl ist dennoch gefragt. Orthopädische Chirurgen etwa entscheiden nicht selten über die weitere Karriere eines verletzten Profisportlers. Im Feld der plastischen, ästhetischen und rekonstruktiven Chirurgie wiederum geht es einerseits darum, die von den Klienten gewünschten Schönheitsideale umzusetzen. Andrerseits ermöglicht die "wiederherstellende" Kunst der Chirurgen Unfallopfern ein normales Leben.
32 Stunden Dienst am Stück, am Wochenende sogar 48. Wenn Nachwuchschirurg Matthias Paireder (30) über seine Arbeitszeiten am Wiener AKH spricht, bleibt eine Frage offen: Wie ist Operieren unter solchen Bedingungen noch konzentriert möglich?
In jedem Fall heißt es für den jungen Chirurgen, das Leben dem Job unterzuordnen. Junge Operateure sollten "nahezu geil" darauf sein, Neues zu erlernen, sagt Karner und gibt die passende Maxime aus: "Da muss ich dabei sein. Ich will das sehen. Das will ich bald selber machen."
Paireder betrachtet die Angelegenheit eher pragmatisch: Die Personalknappheit am AKH lasse kürzere Dienste gar nicht zu. Die gute Bezahlung motiviert ihn ebenso wie die Tatsache, dass die Übertretung der maximalen Arbeitszeit heute strenger kontrolliert wird. Mehr als sechs 32-Stunden-Schichten pro Monat sind nicht erlaubt.
Zur hohen Arbeitsbelastung kommt vielfach noch das Ableben von Patienten als weiterer Stressfaktor dazu. "Mein erster Fall ging mir sehr nahe", erzählt der Facharzt in Ausbildung, in dessen Bereich auch die Versorgung von Krebspatienten fällt. Zwar sei der Behandelte schwer krank gewesen, der Tod kam dennoch überraschend.
An Paireders Abteilung werde relativ viel über das Erlebte geredet, was bei der Verarbeitung helfe. Theoretisch bestünde für ihn auch die Möglichkeit, die Hilfe der klinischen Psychologen im Spital in Anspruch zu nehmen.
Der wichtigste Punkt der Verarbeitung kommt aber bereits viel früher, bei der realistischen Einschätzung, welche Chancen der Patient hat. "Es ist die Aufgabe meiner Wenigkeit und des Leiters der Anästhesie, dies den Ärzten und Schwestern zu vermitteln", so Karner. Auf der Chirurgischen Abteilung des Kaiser-Franz-Josef-Spitals sind die Details der Fälle Thema bei der täglichen Morgenbesprechung und nach Visiten.
Karner setzt auf Ehrlichkeit: "Wir haben diesen Patienten unter dem Aspekt der Inoperabilität doch noch für einige Wochen und Monate eigentlich aussichtslos behandelt. Dazwischen ist es ihm extrem gut gegangen, wir haben Hoffnung geschöpft. Aber es muss uns klar sein, dass wir auf der Verliererstraße waren", lautet die Botschaft, die er oft an sein Team richten muss.
Der Trend in der Kunst mit dem Skalpell geht in weiten Bereichen der Chirurgie weg vom großen Eingriff. Im Vordergrund steht die Interdisziplinarität, die Kooperation mit anderen medizinischen Fachrichtungen. "Vieles wird man gar nicht mehr operieren müssen", sagt Karner. An die Stelle einer Operation trete beispielsweise eine Antikörper-Therapie, auf die im Anschluss eine operative Entfernung verbleibender kleiner Zellnester folgt.
Die "offene Chirurgie" wird Karner zufolge aber nicht aussterben. Eingriffe an der Leber und dem Pankreas blieben eine Domäne der großen Schnitte. Auf der anderen Seite hält die Entwicklung zur "minimalinvasiven Chirurgie" an. Bei dieser Art von Eingriff ist nur eine winzige Wunde notwendig. Eine Kamera überträgt die Bilder aus dem Inneren des Körpers auf einen Bildschirm. Der Vorteil: Die Wundheilung erfolgt schneller.
Obwohl sich der Job oftmals nicht mit einem normalen Familienleben vereinbaren lässt, drängen laut Karner immer mehr Frauen in die Männerdomäne Chirurgie. Er bilde derzeit drei Frauen und einen Mann aus. Karner begrüßt die Entwicklung, spiegle sie doch die Gesellschaft außerhalb des Krankenhauses wider.
Ein weiterer Trend gibt jedoch Anlass zur Sorge: Es fehlt zusehends an Nachwuchs. Immer weniger Medizinstudenten interessieren sich für die Chirurgie. Zudem werden gut ausgebildete Jungärzte von anderen Staaten abgeworben. Der Berufsverband Österreichischer Chirurgen versucht mit der Aktion "Mach den ersten Schnitt" gegenzusteuern. Anfang September werden wieder Schnupperkurse für interessierte Studenten angeboten. (Philip Pfleger, derStandard.at, 13.9.2012)
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null minuten links rechts unterscheidung:
http://www.oe24.at/oesterrei... t/78757156
tja... an akademiker sprich 99/100 und medizinischen hochstaplern sollte man dieses recht einfache wissen, wo ist links, wo ist rechts, ohne checkliste, nicht voraussetzen.
nein , keine ausreden...es war kein notdienst, geplante op
bzw. einen weißkittel und stethoskop träger muss man auch im tiefschlaf aufwecken können, er sollte seinen namen, seinen beruf und links ist wo der daumen rechts ist, auf abfrage sagen können.
wenn nicht, dann NICHT AUF UNSCHULDIGE POTENZIELLE OPFER loslassen.
Wer nach 32 oder 48 Stunden Wachzeit unters Chirurgenmesser kommt, sollte sich halt bewusst sein, dass die Leistungsfähigkeit nach so viel Zeit ohne Schlaf ähnlich ist wie die nach ein paar Krügel Bier zuviel.....
Im Hinblick auf die menschliche Leistungsfähigkeit sind derartige Arbeitszeiten massiv unverantwortlich und werden auch durch gute Bezahlung nicht sicherer.
die unfallchirurgen kommen hier wohl nicht zur sprache.. aber gerade dort herrschen katastrophale zustände..
ich habe durch verwandte guten einblick:
*in den letzten 10 jahren haben sich die notfallanlieferungen praktisch verdoppelt
*eben so die schreibarbeit pro patient
*während die abteilungen seit der selben zeit chronisch unterbesetzt sind..
beste aussage: "weiß du, wir sind echt gut. es ist egal, was passiert, sogar ein krieg.. das wartezimmer ist sowieso immer komplett voll und die geräte, die dann nicht funktionieren würden, funktionieren jetzt auch nicht und wir schaffen es trotzdem."
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