Die Liste mit den 100 am stärksten bedrohten Arten

8.000 Forscher aus aller Welt einigen sich bei IUCN-Kongress auf jene Tier-, Pflanzen- und Pilzarten die zuerst von der Erde verschwinden könnten

Cheju/Berlin/Wien - Das Tarzan-Chamäleon, der Kalifornische Schweinswal und das Zwergfaultier könnten bald aussterben, warnen Wissenschafter: Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat am Dienstag auf ihrem Kongress auf der südkoreanischen Insel Cheju eine Liste mit den 100 am stärksten bedrohten Arten veröffentlicht. Sie leben - noch - in 48 verschiedenen Ländern, werden aber als Erstes komplett von der Erde verschwinden, wenn keine entsprechenden Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Die IUCN (Genf) ist das weltweit größte Netzwerk staatlicher und nichtstaatlicher Umweltorganisationen.

"Alle aufgelisteten Spezies sind einzigartig und nicht zu ersetzen. Wenn sie verschwinden, kann sie kein Geld mehr wiederbringen", kommentierte die Mitverfasserin der Liste, Ellen Butcher von der Zoologischen Gesellschaft von London (ZSL). Zwergfaultiere etwa sind ausschließlich auf einer kleinen Insel vor der Küste Panamas beheimatet. Erst vor zwei Jahren hatten Forscher von der Entdeckung einer neuen Chamäleonart berichtet, die sie nach dem Fantasie-Dschungelhelden Tarzan benannten. Das Tier lebt in den Regenwäldern Madagaskars. Auf der Liste der am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten stehen auch das Saola-Wildrind, das Java-Nashorn, der Zagros-Molch sowie Pflanzen und Pilze.

Lebensraum Europa

Für die nun veröffentlichte Studie "Priceless or Worthless?" (Unschätzbar oder wertlos?) haben sich mehr als 8.000 Forscher aus aller Welt getroffen. Manche der 100 am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten werden in der Publikation mit Namen aufgelistet, manche mit Foto und näherer Beschreibung hervorgehoben. Unter letzteren finden sich folgende in Europa lebende Arten: Der Schöne Wasserstern Callitriche pulchra auf der griechischen Insel Gavdos, der Baum-Pilz Cryptomyces maximus im walisischen Pembrokeshire, die Laubheuschrecke Psorodonotus ebneri im türkischen Antalaya, der Engelhai Squatina squatina in den kanarischen Gewässern und die Fischart Valencia letourneuxi in Südalbanien und Westgriechenland (eine eine Gattung der Zahnkärpflinge).

WWF: Hohe Rate des Aussterbens durch Menschen verursacht

Der WWF bewertete die IUCN-Liste als äußerst alarmierend. "Die 100 Arten auf dieser Liste sind nur die Spitze des Eisbergs und symptomatisch für das globale, menschenverursachte Massenaussterben, das derzeit auf der Erde wütet", warnte Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland. Neueste Erhebungen würden davon ausgehen, dass die durch den Menschen verursachte Rate des Aussterbens um den Faktor 100 bis 1.000 über dem natürlichen Wert liege. Die Ursachen seien ungebremste Lebensraumzerstörung, Klimawandel, Wilderei, die Einführung invasiver Arten in sensible Ökosysteme und die Übernutzung durch den Menschen.

Um den akut bedrohten Arten das Überleben zu sichern, brauche es mehr spezifische Sofortprogramme, forderte Homes. Die Ausweisung von Schutzgebieten allein genüge in vielen Fällen längst nicht mehr. (APA/red, derStandard.at, 11.9.2012)

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