Schienenkartell traf sich im Bordell

11. September 2012, 12:49

"Schienenfreunde" vergnügten sich nach Preisabsprechen im Rotlichtmillieu, voestalpine dementiert Konnex zu Rotlicht-Affäre

Wien - Neues Ungemach im Dunstkreis des Schienenkartellverfahrens gegen den österreichischen Stahlkonzern voestalpine in Deutschland: Die sogenannten "Schienenfreunde" - darunter auch die deutsche Thyssen-Krupp GfT Gleistechnik - sollen auch "Rotlicht-Freunde" gewesen sein, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Beteiligte. Zuvor getätigte illegale Preisabsprachen wurden demnach im Bordell gefeiert. Entsprechende Rechnungen liegen vor. "Aus unserer Sicht ergibt sich kein Hinweis, dass diese schwerwiegenden Verfehlungen eines ehemaligen Geschäftsführers und das Kartell zusammenhängen", sagte voestalpine-Sprecher Peter Felsbach heute, Dienstag.

Dem Zeitungsbericht zufolge sollen aber nicht nur Kartellmitglieder, sondern auch wichtige Kunden - etwa Mitarbeiter der Deutschen Bahn aus dem Bereich Logistik und Einkauf - zur Feier ihrer Geschäfte ins Berliner Bordell "Bel Ami", die sogenannte "Nebenstelle", eingeladen worden sein. Die Rechnungen dafür - vorerst dokumentiert sind 35 Besuche in der Zeit vom April 2005 bis Mai 2009 mit Ausgaben über 71.276,24 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer - zahlte die voestalpine. Dem Handelsblatt sind die Namen von 28 Teilnehmern bekannt, die mindestens ein Mal an derartigen Treffen teilgenommen haben sollen.

Einem Insider zufolge, der selbst bei mehreren Besuchen im Bel Ami dabei war, sollen diese Abende der Kitt für den Zusammenhalt des illegalen Schienenkartells gewesen sein, schreibt die Zeitung. Die Truppe habe auch "Die Eule" im deutschen Ratingen und den Oberhausener "Swingertreff" besucht. Zuvor hätten sie beim Abendessen Preise und Mengen abgesprochen.

Dementi

Die voestalpine bestreitet, dass es einen Zusammenhang zwischen den Bordellbesuchen und dem Kartell gegeben habe. Thyssen-Krupp und die Deutsche Bahn erklärten dem "Handelsblatt" zufolge, sie wüssten nichts von derlei Ausflügen. Die Sprecher aller drei Unternehmen betonten, dass Nachtclub-Besuche gegen die "Compliance"-Richtlinien des Unternehmens verstießen.

Der involvierte Ex-Mitarbeiter der voestalpine - damals Geschäftsführer der deutschen Tochter Voestalpine Kloeckner Bahntechnik (VAKB) - führte bei den von ihm eingereichten Bordellrechnungen als Zahlungsempfänger eine Gastronomiebetriebs GmbH an, hinter der sich das Bel Ami verbarg. Die Führungskraft sei bereits 2010 fristlos entlassen worden, heißt es beim Mutterkonzern, - ein Jahr bevor das deutsche Bundeskartellamt und die Staatsanwaltschaft in Bochum das Kartellverfahren gegen die namhaften Schienenhersteller aus Deutschland und Österreich eingeleitet haben.

"Sobald wir Hinweise auf die Machenschaften dieses Geschäftsführers hatten, haben wir darauf reagiert, den Sachverhalt geprüft und Konsequenzen gezogen", so Felsbach. Der ehemalige Mitarbeiter habe das verprasste Geld mittlerweile zurückbezahlen müssen. Laut "Handelsblatt" war der voestalpine-Manager internen Untersuchungen des Konzerns zufolge "Teil des Kartells".

Keine Einzelfälle

Das "Handelsblatt" schreibt aber weiters, dass die nächtlichen Ausflüge auf Firmenkosten keine Einzelfälle waren. Die aufgelisteten Bordellbesuche seien nur die Spitze des Eisbergs. Neben dem Ex-Geschäftsführer sollen auch zwei weitere voestalpine-Mitarbeiter Nachtclub-Rechnungen an den Konzern weitergereicht haben. Zumindest behauptete dies der gefeuerte Voest-Tochter-Chef in einer Klage gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber beim Landgericht Duisburg. "Ich weiß, dass ich nicht der einzige Mitarbeiter der voestalpine war, der Geschäftskunden bewirtet hat", sagte er zum "Handelsblatt".

Allerdings dementiert er einen direkten Zusammenhang zwischen den umtriebigen Ausflügen ins Nachtleben und dem Schienenkartell: "Mir ist nicht bekannt, dass bei den Bewirtungen, die auf den infrage stehenden Bewirtungsbelegen genannt sind, Preisabsprachen stattgefunden haben."

"Verfehlungen weiterer Mitarbeiter können wir nicht bestätigen - das prüfen wir noch und es entspräche klarerweise nicht den bestehenden Konzernrichtlinien. So etwas wird von uns in keinster Weise toleriert und ist auch keine gängige Praxis in unserem Unternehmen ", betonte Felsbach im Gespräch mit der APA.

Die illegalen Preisabsprachen unter den Kartellmitgliedern wurden nach Angaben der deutschen Wettbewerbsbehörde von 2001 bis 2008 und zum Teil sogar bis 2011 praktiziert. Geschädigt wurde dadurch vor allem die Deutsche Bahn, die jahrelang zu hohe Preise für ihre Schienen zahlte. Der Schaden infolge der jahrelangen Praxis soll sich inoffiziellen Schätzungen zufolge auf mehr als 500 Mio. Euro belaufen.

Im Juli verhängte das deutsche Bundeskartellamt bereits Bußgelder in Höhe von insgesamt 124,5 Mio. Euro gegen vier Stahlfirmen - ThyssenKrupp Gleistechnik, die seit 2010 zum Vossloh-Konzern gehörende Firma Stahlberg Roensch, die voestalpine-Töchter TSTG Schienen-Technik und die voestalpine BWG. Drei weitere Firmen waren an dem Kartell beteiligt - bei zwei davon sind die Vorwürfe verjährt, eine ist mittlerweile insolvent. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Die voestalpine strebt Kronzeugenstatus an. Wie berichtet zog der Stahlriese auch bereits personelle Konsequenzen bei sechs leitenden Mitarbeitern: Bei drei der in das Schienenkartell involvierten Manager wurde das Dienstverhältnis gelöst, drei weitere wurden ihrer Funktion enthoben. (APA, 11.9.2012)

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buh hu, als ob das was neues wäre, steht doch auf der Tagesordnung bei wichtigen Geschäftsabschlüssen!

also wie jetzt?

die VA hat einen rausgeschmissen, weil er angeblich private puffbesuche am spesenkonto abgerechnet hat, aber irgendwie waren die doch nicht so ganz privat, sondern kartell- und verkaufsfördend. und die VA will jetzt petzen, um möglichst billig davonzukommen. oder versteh ich da was falsch?

lieber strohsack, bitte zuhören!

Wo sonst sollten die Herren feiern?????

In der Oper bei einer Aufführung von Cosi fan tutte wäre wohl zu platt.....:-)

na, die rotstrichler verstehn wohl kein italienisch ;)

Prostitution ist sittenwidrig aber von der Steuer absetzbar?

Na Hauptsache man hat die Voest privatisiert...

In D ist Prostitution nicht mehr sittenwidrig

Ein spritziger Vertrag, den's da ausgehandelt haben ...

Die armen Manager!

Hat sich der Stress schon so hemmend auf ihr Libido ausgewirkt, dass sie zur Spezialbehandlung ins Puff müssen, sozusagen-

"Die Schienen sind unter Dach und Fach,

jetzt müssen wir noch die "Weichen" stählen?"

Verlegen

die jetzt Schienen oder Rohre?

Schließlich muss die Privatisierung

auch für das Management lohnen.

Sie werden doch hoffentlich die anstrengenden nächtlichen Überstunden auch honoriert bekommen!

welches management tut das nicht

part of the game und auch noch steuerlich absetzbar

"welches management tut das nicht"

Die Redaktion der Emma?

Glauben Sie wirklich, die Leckschwestern können sich für diese Art von Spielen nicht begeistern?

die gehen nicht zum spaß ins puff, die arbeiten dort...

Wen wunderts?

Vermutlich 30% aller B2B-Geschäftsabschlüsse werden so oder ähnlich gefeiert ...

Ich wage mal zu behaupten, dass ohne solche Aktionen ein Großteil der Wirtschaft nicht einmal funktionieren würde ^^ ;)

das ist mit ein grund für die glass-ceiling, mit frauen kann man geschäftsabschlüsse nicht so feiern.

kartell

ist zu verurteilen.

bordell besuch - was genau is da schlimm dran?

Geschäftsleute gehen in ein Puff....

...was für eine Sensation!!! ^^

Viele Leute gehen ins Puff - sonst gäbe es nicht so viele davon

Was ist daran also soo schrecklich ?

ja, eben. *facepalm*

Der Neid der Buchhalter und Controller ...

... ist ja wohl klar, dass man sensible Themen nicht im Kaffeehaus aufarbeiten kann ... und ... wo sonst sollte man Diskretion erwarten können.

Hart, wie Kruppstahl ist er ihnen gestanden...

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