"Es war eine lange, lange Reise"

  • Er hält ihn sicher.
    foto: apa/dapd/groll

    Er hält ihn sicher.

Andy Murray besiegt im Finale der US Open den Serben Novak Djokovic in fünf Sätzen und gewinnt als erster britischer Tennisspieler seit Fred Perry 1936 ein Grand-Slam-Turnier

New York - Vorher, gestand Andy Murray nachher, war ihm gar nicht wohl gewesen: "Ich saß in der Kabine und hatte Zweifel. Niemals zuvor hatte jemand fünf Endspiele verloren. Und ich wollte nicht derjenige sein, dem das zuerst passiert."

2008 war er bei den US Open im letzten Moment an Roger Federer gescheitert, in Australien 2010 stoppte ihn wieder Federer, 2011 ebendort schlug ihn Novak Djokovic, 2012 unterlag er im Wimbledon-Finale schon wieder Federer, den er dafür im ebenfalls in Wimbledon ausgetragenen Olympiafinale schlagen sollte.

Und am Montagabend in New York war es so weit. Vier Stunden und 54 Minuten benötigte Murray, um Titelverteidiger Djokovic mit 7:6 (10), 7: 5, 2:6, 3:6, 6:2 niederzuringen. "Es war ein unglaublich hartes Match, aber am Ende hat es sich großartig angefühlt", sagte er. Besonders froh war Murray, dass er sich im fünften Satz noch einmal aufgerafft hatte. " Wenn ich das Match nach der 2:0-Satzführung noch verloren hätte, wäre es sehr hart für mich gewesen." Das gelang bei den Open zuletzt dem US-Amerikaner Ted Schroeder, der 1949 seinem Landsmann Pancho Gonzalez nach einer 2:0-Führung noch 2:3 unterlag.

Und nun ist der Schotte aus Dunblane der erste Brite seit 76 Jahren, der ein Grand-Slam-Turnier gewinnt. Das schaffte zuletzt Fred Perry 1936, ebenfalls bei den US Open. "Es war eine lange, lange Reise bis zu diesem Punkt. Ich verspüre Erleichterung, weil ich mir bewiesen habe, dass ich auch Grand Slams gewinnen kann", sagte Murray. Seine Landsleute Sean Connery (u. a. James Bond) und Alex Ferguson (Manager von Manchester United) sahen zu.

Seit Beginn seiner Profikarriere 2005 wurde er mit der Frage genervt, ob er der nächste britische Major-Sieger nach Perry sein würde. Bereits als Junior trug er das Gewand der gleichnamigen Modelinie der 1995 verstorbenen Ikone. "Und jetzt bin ich mir sicher, dass Fred von da oben runterschaut und sich freut, dass es wieder ein Brite geschafft hat."

Vorbild Lendl

Unten in Flashing Meadows hat sich Ivan Lendl gefreut, der gebürtige Tschechoslowake aus Ostrau, seit 1992 US-Amerikaner, seit Ende 2011 Trainer von Murray. Lendl hatte ebenfalls seine ersten vier Grand-Slam-Endspiele verloren, ehe er 1984 in Paris das erste von insgesamt acht Majors gewann und insgesamt 270 Wochen lang die Weltranglistenspitze schmückte. "Er hat mich gelobt und gesagt, dass er stolz auf mich ist", erzählte Murray. Und der geschlagene Djokovic meinte anerkennend: "Ich hatte heute einen großen Gegner. Er hat diesen Grand-Slam-Sieg mehr als irgendjemand anderer verdient. Er war schon so oft knapp dran." Die beiden egalisierten den Rekord des bisher längsten Finales der US Open. 1988 hatte Coach Lendl 4:54 Stunden gebraucht, um gegen den Schweden Mats Wilander in fünf Sätzen zu verlieren.

Schon durch den Finaleinzug überholte Murray in der Weltrangliste den pausierenden Spanier Rafael Nadal, ist neuer Dritter. Von den Top vier hat heuer jeder einen Grand-Slam-Titel geholt. Djokovic, die Nummer zwei, in Melbourne, Nadal in Paris, Federer, die Nummer eins, in Wimbledon und Murray in New York: Und jetzt will der Schotte ganz hoch hinaus: "Ich wäre liebend gerne die Nummer eins. Ich werde es versuchen, doch es wird sehr schwierig." (sid, APA, bez, DER STANDARD, 12.9.2012)

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