Im Steirereck hat mich meine Rübe sehr beeindruckt

Ansichtssache |

Selbst-ver-ständlich ist es nicht normal, zu zweit für 425 Euro essen zu gehen. Mehr als ein halbes Monatsgehalt zum Beispiel von Medienmenschen, die dafür höchst qualitätvolle Arbeit leisten, und das mit einem Zeitaufwand, der anderen auch für zwei Monate reicht. Verputzt in zweimal sechs bis sieben Gängen mit gut ebenso vielen begleitenden Weinen, einem halben Dutzend gemüsigen Grüßen davor und Petits Fours danach, in dreieinhalb Stunden, zugegebenermaßen spannenden wie schönen ...

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foto: katharina schell

Die Petits Fours rollen uns mit dem nächsten Wagen nach zum Rauchertischchen am Eingang - inszeniert als - von einem Wiener Juwelier gebrandete - Schmuckstücke. Wirklich spannend-fruchtlastig, sag selbst ich Süßmuffel, der sich da allerdings schon stark zurückhielt. Aber ein goldig-schokoladiges "Nugget aus dem Wien-Fluß" musste dann doch noch sein. Schon um meinem Ruf gerecht zu werden, vor nichts zurückzuschrecken - also selbst vor vermeintlichen Fundstücken aus dem innerstädtischen Rinnsal nebenan nicht.

Womöglich saßen wir dann doch einen Tick zu lange an dem Rauchertischchen und erweckten so den Eindruck, dass wir so auffällig fotografiert haben, um doch noch in den Genuss einer kleinen Aufmerksamkeit zu kommen. Stimmt zwar so nicht, aber Frau Reitbauers freundliche Einladung auf zwei Gläser Jahrgangschampagner in Rosé aus dem Hause Gobillard wollten wir dann doch nicht ausschlagen. Ein klarer Fall von Anfütterung, dieser Abend, keine Frage.

Ich back dann wieder eine Zeit etwas kleinere Brötchen, wie man wohl in Teilen Deutschlands sagen würde. Und bin schon gespannt, ob Schmeck's (ohne mein Zutun) womöglich noch Einblicke in die  Dreisternegastronomie des großen Nachbarn bekommt - und wie sie auf die in Österreich wirken. Ich jedenfalls bin gespannt. Bleiben Sie dran. (Harald Fidler, derStandard.at, 11.9.2012)

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