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vergrößern 900x623Béla Czóbels "Nackte Knaben" entstand 1906/07 noch sehr unmittelbar unter dem Eindruck der Fauves.
Wien - "Ungarns Highway in die Moderne" führt gewissermaßen in ein Dead End. Denn die Ausstellung des Kunstforums über "Die Acht", wie sich die Gruppe um acht fast ausschließlich in Budapest geborene Maler des frühen 20. Jahrhunderts ab 1911 offiziell nannte, beschreibt ein zeitlich eingeschränktes Phänomen.
1914 endet ihre, der französischen Malerei jener Zeit - Matisse, Picasso, Cézanne, Gauguin - geradezu verfallene Kunst. Berény wird später sogar wieder realistisch malen. Die wichtigste Errungenschaft der Acht und ihrer Mitstreiter aus Musik, Literatur und Philosophie war es, durch radikal Neues die nachfolgende Generation in Richtung Zukunft zu hieven. In Vergessenheit geratene Katalysatoren.
Während die Österreicher zur Jahrhundertwende im eigenen Saft schmorten, weil sie mit Wien ein eigenes, mit genügend Innovationsschub ausgestattetes Laboratorium der Moderne besaßen, zog es die jungen Ungarn zum Studium nach Paris. Im Gegensatz zu Klimt, der dort nichts für sich mitnehmen konnte, prägten die erneuerungswütigen Gemüter Ereignisse wie der Aufruhr um die Fauves 1905, die erstmals die Farbe von illusionierender Funktion befreiten, oder die große Retrospektive von Paul Cézanne.
"Die Acht" sind Károly Kernstok, Ödön Márffy, Lajos Thihanyi, Bertalan Pór, Dezsö Czigány, Béla Czóbel, Dezsö Orbán und Róbert Berény - auch in Kunstkreisen bisher Unbekannte. Selbst in ihrer Heimat würdigte man sie erst 2010 mit einer großen gemeinsamen Schau. Nun sollen die Kreise weiter, der Kunstmarkt erreicht werden. Ambitionierte Ziele.
Betrachtet man ihre Werke, scheint es, als hätten sie die europäische Moderne tief in sich aufgesogen, um sie dann in einer in die Steppe der ungarischen Tiefebene getauchten Farbpalette wieder auf die Leinwand zu bringen. "Ausdruck durch die Farbe, aber nicht den Seufzer", sagt Evelyn Benesch, einer der drei Kuratoren, im Hinblick auf die dem Sentiment eine Abfuhr erteilende Malerei der Acht.
Umso gefühlvoller fällt die Reaktion auf ihre, die Moderne oft geradezu collagierenden Gemälde aus: Denn manch ungarischer Variation haftet etwas Karikierendes an. Pórs klassizistischen Muskelmutationen, Kernstoks verkitschten Akten, Tihanys grotesk verzerrten Porträts oder Berénys esoterisch-religiösen Orgien kann man schwer mit respektvollem Ernst begegnen. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 11.9.2012)
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