Rote Flügel für den schwarzen Obmann

Von Spindeleggers Doping und dem "Schmäh" der SPÖ vor Faymanns ORF-Sommergespräch: Die Stimmung war schon besser in der Koalition

Wien - Vizekanzler und ÖVP-Chef Michael Spindelegger hat zur Vorbereitung auf sein Sommergespräch mit Armin Wolf ein Red Bull getrunken, angeblich sein erstes. Das verbreitete Wolf selbst auf Twitter. Und ärgerte sich dort auch darüber, dass der ORF "monatelang" von der SPÖ hingehalten wurde, ob das Gespräch mit Bundeskanzler Werner Faymann am Montagabend live gesendet oder so wie die bisherigen vier schon am Nachmittag aufgezeichnet werden würde. Die Entscheidung fiel schließlich auf live, der Kanzler habe am Nachmittag Termine gehabt - oder auch nicht, wie sich Wolf vorab ärgerte. Offenbar habe der Kanzler den ORF "am Schmäh gehalten", twitterte Wolf.

Faymann war dem ORF-Moderator bisher konsequent aus dem Weg gegangen und hatte Einladungen ins ZiB-2-Studio stets ausgeschlagen. Angenommen hatte er eine solche Einladung in die ZiB 2 erst, als Wolf kurzfristig erkrankt war und das Gespräch nicht selber führen konnte.

Reserve-Staatsanwalt

Was die SPÖ an Wolf so ärgert: Dass dieser als "Reserve-Staatsanwalt" auftrete und die Interviews wie ein Verhör führe. Das hatte auch die ÖVP befürchtet, dann war die Gesprächsführung aber überraschend moderat, fast jovial. Was vielleicht auch daran lag, dass Spindelegger Wolf als ehemaliges Mitglied der Jungen ÖVP outete - eine strategische "Schnapsidee" von ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch, wie in der SPÖ geätzt wird.

Rauch selbst ist mit dem Auftritt seines Chefs im ORF durchaus zufrieden, in den wöchentlichen Umfragen sei diesmal sogar ein Aufwärtstrend erkennbar. Die Kritik seines Chefs an Faymann teilt Rauch. Spindelegger hatte dem Kanzler am Wochenende im Standard-Sommergespräch Inhaltsleere vorgeworfen. Rauch: "Das betreibt die SPÖ doch als politische Strategie. Faymann hat keine Inhalte, ganz bewusst. Wenn man nichts macht, kann man auch nichts falsch machen."

Fuchsteufelswild sei der Kanzler gewesen, hört man - und auch das Gegenteil: Er habe ganz gelassen auf diese Kritik des Koalitionspartners reagiert. Jedenfalls reden die beiden noch.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter sieht trotz der aufkommenden Wahlkampftöne noch keine Koalitionsbelastung. Kräuter: "Ich habe ein gewisses Verständnis, dass es auch in der Spitzenpolitik Emotionen gibt. Alle Parteien haben ja schwierige Phasen, das muss man vielleicht auch noch im Zusammenhang mit jener in der ÖVP sehen." Dennoch sei es gelungen, den Text für die Volksbefragung zur Wehrpflicht schnell und im Konsens zu lösen.

Eine Retourkutsche für die Vorwürfe des Vizekanzlers werde es nicht geben, sagt Kräuter. "Es gibt genug Sorgen und Probleme, da hält so etwas nur auf und lenkt von den wirklichen Themen ab. Gegen Pointierungen oder harte Sachdiskussionen spricht nichts, aber ins Persönliche sollte es nicht gehen."

Spindeleggers Vorwurf richte sich im übrigen selbst, urteilt Kräuter, denn gerade der in Planung stehende SPÖ-Parteitag im Oktober bringe eine "ganz klare sozialdemokratische Positionierung". Dort wird einmal mehr die "Verteilungsgerechtigkeit" thematisiert. (Peter Mayr, Michael Völker, DER STANDARD, 11.9.2012)

Chat mit Armin Wolf

am Dienstag von 12 bis 13 Uhr auf derStandard.at/Etat

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