Rote Flügel für den schwarzen Obmann

Peter Mayr, Michael Völker
10. September 2012, 18:50

Von Spindeleggers Doping und dem "Schmäh" der SPÖ vor Faymanns ORF-Sommergespräch: Die Stimmung war schon besser in der Koalition

Wien - Vizekanzler und ÖVP-Chef Michael Spindelegger hat zur Vorbereitung auf sein Sommergespräch mit Armin Wolf ein Red Bull getrunken, angeblich sein erstes. Das verbreitete Wolf selbst auf Twitter. Und ärgerte sich dort auch darüber, dass der ORF "monatelang" von der SPÖ hingehalten wurde, ob das Gespräch mit Bundeskanzler Werner Faymann am Montagabend live gesendet oder so wie die bisherigen vier schon am Nachmittag aufgezeichnet werden würde. Die Entscheidung fiel schließlich auf live, der Kanzler habe am Nachmittag Termine gehabt - oder auch nicht, wie sich Wolf vorab ärgerte. Offenbar habe der Kanzler den ORF "am Schmäh gehalten", twitterte Wolf.

Faymann war dem ORF-Moderator bisher konsequent aus dem Weg gegangen und hatte Einladungen ins ZiB-2-Studio stets ausgeschlagen. Angenommen hatte er eine solche Einladung in die ZiB 2 erst, als Wolf kurzfristig erkrankt war und das Gespräch nicht selber führen konnte.

Reserve-Staatsanwalt

Was die SPÖ an Wolf so ärgert: Dass dieser als "Reserve-Staatsanwalt" auftrete und die Interviews wie ein Verhör führe. Das hatte auch die ÖVP befürchtet, dann war die Gesprächsführung aber überraschend moderat, fast jovial. Was vielleicht auch daran lag, dass Spindelegger Wolf als ehemaliges Mitglied der Jungen ÖVP outete - eine strategische "Schnapsidee" von ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch, wie in der SPÖ geätzt wird.

Rauch selbst ist mit dem Auftritt seines Chefs im ORF durchaus zufrieden, in den wöchentlichen Umfragen sei diesmal sogar ein Aufwärtstrend erkennbar. Die Kritik seines Chefs an Faymann teilt Rauch. Spindelegger hatte dem Kanzler am Wochenende im Standard-Sommergespräch Inhaltsleere vorgeworfen. Rauch: "Das betreibt die SPÖ doch als politische Strategie. Faymann hat keine Inhalte, ganz bewusst. Wenn man nichts macht, kann man auch nichts falsch machen."

Fuchsteufelswild sei der Kanzler gewesen, hört man - und auch das Gegenteil: Er habe ganz gelassen auf diese Kritik des Koalitionspartners reagiert. Jedenfalls reden die beiden noch.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter sieht trotz der aufkommenden Wahlkampftöne noch keine Koalitionsbelastung. Kräuter: "Ich habe ein gewisses Verständnis, dass es auch in der Spitzenpolitik Emotionen gibt. Alle Parteien haben ja schwierige Phasen, das muss man vielleicht auch noch im Zusammenhang mit jener in der ÖVP sehen." Dennoch sei es gelungen, den Text für die Volksbefragung zur Wehrpflicht schnell und im Konsens zu lösen.

Eine Retourkutsche für die Vorwürfe des Vizekanzlers werde es nicht geben, sagt Kräuter. "Es gibt genug Sorgen und Probleme, da hält so etwas nur auf und lenkt von den wirklichen Themen ab. Gegen Pointierungen oder harte Sachdiskussionen spricht nichts, aber ins Persönliche sollte es nicht gehen."

Spindeleggers Vorwurf richte sich im übrigen selbst, urteilt Kräuter, denn gerade der in Planung stehende SPÖ-Parteitag im Oktober bringe eine "ganz klare sozialdemokratische Positionierung". Dort wird einmal mehr die "Verteilungsgerechtigkeit" thematisiert. (Peter Mayr, Michael Völker, DER STANDARD, 11.9.2012)

Chat mit Armin Wolf

am Dienstag von 12 bis 13 Uhr auf derStandard.at/Etat

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Juhu! Der Faynachtsmann kann auch sprechen!

Reserve-Staatsanwalt

ist das nicht ein kompliment?

Die "Verteilungsgerechtigkeit wird thematisiert"?

Na hoffentlich bleibt's nicht nur beim Thematisieren...

Wolf/Faymann

Ich finde Herr Wolf hat das sehr gut gemacht. Er hat Hr. Faymann die Bühne geboten sich selbst zu entlarfen. Es müßte nun für alle klar sein wer und was Hr. Faymann eigentlich ist. Er hat es z.B. nicht einmal zu einer Berufsausbildung gebracht.

Faymann macht seine Sache nicht schlecht!

Es ist m.E. völlig unerheblich, ob jemand eine Berufsausbildung, einen Akademinkergrad oder sonstige Meriten vorweisen kann.
Faymann hat bis dato die Republik Österreich passabel in dieser Krise geführt und ich sehe keine bessere Alternative - derziet!
Nehmen Sie z.B. ihren Text her, das Wort "entlarfen" ist falsch geschrieben, da es von "Larve" abstammt - ist das jetzt wichtig - erkennt man nicht auch den Sinn, wenn man "entlarfen" schreibt.
Genauso verhält es sich in der Politik - auf den Sinn kommt es an!
In diesem Sinne...

berufsausbildung?

was ist spindelegger beruflich? oder damals schüssel? dagegen hat der strache eine berufsausbildung. macht ih das irgendwie besser?

Ich möchte die Schwarzen ja nicht unbedingt in Schutz nehmen, aber:

* Spindelegger ist Doktor der Rechtswissenschaften
* Schüssel ist Doktor der Rechtswissenschaften
* Faymann ist... nun ja, Faymann eben

was für eine gefährliche drohung

"...denn gerade der in Planung stehende SPÖ-Parteitag im Oktober bringe eine "ganz klare sozialdemokratische Positionierung". Dort wird einmal mehr die "Verteilungsgerechtigkeit" thematisiert...."
denn wie wir aus erfahrung wissen, wurden diese themen immer forsiert. und in den letzten 40 jahren (fast ohne unterbrechung) ist diese positionierung immer so ausgegangen, dass die so "vertretenen" drauf gezahlt haben und es den "oberen 80.000" nur noch besser gegangen ist.
dass sind eben die positionierungen der rostigen sozialdemokraten und deren ergebnisse.

Ich fand diese Gespräche sehr aufschlussreich ... alle.

Wahrscheinlich aufgrund meiner Erwartungshaltung, war ich entsetzt über das Gespräch mit Faymann.

Auf mich wirkte er oberflächlich, ignorant, mauernd, die Argumentations-Schlüssigkeit war nicht gegeben n (ähnlich wie bei Strache, aber von dem habe ich mir das bereits im Vornherein erwartet) , einfach unprofessionell. Ganz sicher nicht so, wie ich mir einen österreichischen Kanzler von seinen Kompetenzen her vorstelle.

Ich fand das Gespräch von Anfang bis zum Ende nur noch peinlich.

Aber mein Respekt an Hrn. Wolf, er hat seine Kandidaten "selbst wirken" lassen und deren Persönlichkeit gut zur Geltung gebracht.

Nichts desto trotz, ich bin noch immer entsetzt was unseren Kanzler anlangt ... das sage ich als heimatlose "Link

ein unguter typ ist er schon der herr wolf

soweit hat der bundeskanzler schon recht. neben der thurnher kann man ja leicht glänzen. in einem ernsthaften öffentlich-rechtlichem sender, etwa in deutschland, wäre er eher portier oder redaktionsassistent.

die spö wähler brauchen hier keinem zu sagen, was er irgendwo anders wär...euer niveau ist nicht zu unterbieten!

Der Herr Wolf ist nichts weiter als ein Skandalreporter, der in unangenehmer Form jedem ins Wort fällt, keine Antworten zu Ende bringen läßt und im Wesentlichen nur in der Gerüchteküche herumwühlt, statt sich auf Themen, die für Österreich von Bedeutung sind, zu konzentrieren; dieser Stil passt Allenfalls zur Kronenzeitung.

herr wolf

weiter so!

Studium

Die Frage betreff Studium war ein Treffer.

Die Umfrageergebnisse betreff Charisma und Intelligenzwahrnehmung zu strapazieren war ein Gag - und? Was wollte Wolf damit bezwecken?

Die Politiker(innen) bei solchen Sendungen zu zwicken mag ja lustig sein, aber informativ ist das wirklich nicht.

Fragen zu Sachthemen und die Antworten kritisch zu hinterfragen, wäre interessant gewesen. Da hätten ein paar Fragen zur Inseratenthematik auch gepasst. So habe ich diese Serie ein wenig entäuschend gefunden.

Thema verfehlt, so würde das Urteil in der Schule lauten!

Wolf hat sich als ganz schlechter Boulevard-Journalist geautet und diese Informationssendung als Inquisition missbraucht. Der interssierte Zuschauer sollte eigentlich Informationen über die zukünftige Politik, über Europa, die Wirtschaft und die Gesamtlage erhalten. Geworden ist es peinliches Spektakel mit inquisitorischen Charakter. Traurig, dass ein bisher scheinbar so renomierter Journalist, sich für so eine Art Journalismus hergibt. Der ORF sollte seine RedakteurInnen endlich darin schulen, wie man Informationssendungen gestalten sollte, denn diese Art der Inquisition zieht sich bereits seit einigen Jahren durch sämtliche I-Sendungen.

lol - was erwartens sich denn für informationen von faymann & co?! die leut sind unfähig, korrupt und hoffentlich nicht mehr lang im amt...das wars, jeder bürger mit verstand braucht sich nichts mehr zu erwarten ausser rücktritte!

Zu Ihrer Aussage erübrigt sich jeder Kommentar!

Faymanns Studium

Unfassbar, wass sich der Herr Faymann da leistet. Inskribiert lediglich auf der Uni für das Studium Rechtswissenschaften und schreibt in seinem Lebenslauf, dass er das Studium absolviert hat. Ist er nun auch Finanzexeperte, weil er ab und zu die Börsenews liest und Spezialist in sozialen Themen, weil er mal mit einem Obdachlosen gesprochen hat? In Deutschland würde es Rücktrittsforderungen hageln. Bei uns? ... Part of the game.

Nein, er ist Spezialist für Medienkorruption, weil er fleissig in allen Boulevardblättern inserieren lässt.

Nicht zu vergessen,dass man mit dem Studentenausweis viele finanzielle Vorteile lukrieren kann.Vor allem in Wien.

"...dass er das Studium absolviert hat"

schreibt faymann genau wo? also. erzählen sie keine märchen. und überhaupt: es ist mir auch völlig gleich ob der spindi ein doktor, magister oder diplomingenieur ist - auf die politik kommts an, die die herrschaften machen. beim minister hahn wars mir letztlich auch wurscht, obwohl man über bei hahn - im gegensatz zum bundeskanzler - sehr wohl über "fremde federn" spekulieren durfte.

Lebenslauf auf der Seite des Parlaments

Bildungsweg " Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien" ... Sorry, aber das stinkt gewaltig und ist ein Schlag in das Gesicht jedes anständigen Menschen, der sich seinen Studienabschluss hart erarbeitet. Faymann hat inskribiert, möglicherweise ein paar Vorlesungen besucht und fertig. Das in einen Lebenslauf zu schreiben ist pure Mogelpackung

Seine Formulierung ist richtig, wenn er sagt, dass er studiert hat. Kein Wort von einer Graduierung, also rein fachlich und auch sprachlich korrekt.

Ich bin graduiert und fühle mich von seinen Aussagen in keiner Weise belästigt oder Ähnliches.

Unglaublich, dass ich mal Fayman verteidige ;-)

wenn sie sonst keine probleme haben (faymann masst sich ja keinen akad. titel an).

schreibt faymann sein (nicht abgeschlossenes) studium nicht rein jammern sie dann über "lücken". seit gestern wissen wir, dass er eine prüfung in kunstgeschichte absolviert hat - soll er das jetzt in seinen lebenslauf reinschreiben oder nicht? egal wie er es macht, für sie wirds wahrscheinlich immer falsch sein.

Ich bin kein Fayman Fan, aber wo hat er geschrieben bzw wo wurde behauptet, dass er es abgeschlossen habe?

Zwischen ich habe eine Studienrichtung studiert oder ich habe studiert und mit Graduierung abgeschlossen, ist meiner Meinung nach schon ein gravierender Unterschied.

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