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Dass Facebook-Nutzer vorwiegend über neue Anwenderdesigns lamentieren und Fotos putziger Kätzchen herzeigen, ist nur ein Teil der Wahrheit.
Junge Menschen sind dumm. Sie sind scheue, von Lady Gaga besessene Äffchen, Sklaven des Konsums, die verzückte Kommentare mit vielen Ausrufungszeichen (OMG!!!*) posten, sobald sich Justin Bieber mit einer neuen Frisur zeigt oder jemand ein weiteres entzückendes Foto von kleinen Kätzchen auf seine Facebook-Seite stellt. Die Zukunft kann man nicht der Jugend anvertrauen.
So dachte ich noch vor einer Woche in Alpbach, beim diesjährigen Europäischen Forum, als ich las, dass junge Twitter-Nutzer - eine ungeheuer große Anzahl von ihnen - keine Ahnung haben, wer Neil Armstrong ist. Es war einige Tage, nachdem der Astronaut im Alter von 82 Jahren an Komplikationen nach einer Operation gestorben war und folgende Bemerkungen die sozialen Netzwerke: "RIP* Neil Armstrong. Du warst so jung! Ich liebte How I Met Your Mother :(" oder "RIP Neil Armstrong. Es tut mir leid, dass sie dir deine 7 Tour-de-France-Siege aberkannt haben."
Ich fand es sehr passend, als an diesem Tag Richard Rogers, der sich an der Universität Amsterdam mit der Epistemologie digitaler Netzwerke befasst, in seiner Rede über die Wechselbeziehungen sozialer Medien wie Facebook und Twitter meinte, dass die Vorstellung der jungen Generation von Revolution und Aktivismus bedeutet, auf den"Gefällt mir"-Button zu klicken, wenn jemand über Facebooks neue Benutzeroberflächen lamentiert.
Eine Studie dieser Universität ergab, dass die vorherrschend sichtbare Form von Aktivismus auf Facebook genau das war - sich über veränderte Designs der Anwendung zu beklagen. Man kann die Zukunft nicht einfach in die Hände von ignoranten, egozentrischen, oberflächlichen Menschen legen, die den ersten Menschen auf dem Mond mit einem Radsportler verwechseln bzw. dem Schauspieler einer Sitcom oder, wie NBC News in einer seiner Schlagzeilen, dem Sänger Neil Young.
Natürlich zog ich meine Schlüsse über die scheuen Äffchen in einem Augenblick bitterer Enttäuschung angesichts jener Anthologie von Dummheiten der jungen Netzwerknutzer. Das Europäische Forum Alpbach, das sich dieses Jahr zur Gänze den Perspektiven und der Zukunft der Jugend widmete, schaffte es schließlich, mich davon abzuhalten, meine Hoffnung in die neuen Kids völlig aufzugeben. Es war jedoch nicht die Eloquenz der Vortragenden der Politischen Gespräche, die meine Meinung änderte, noch waren es die Politiker, deren Reden über die Herausforderungen der europäischen Zukunft ich wenig inspirierend fand - voller leerer Phrasen und, nun ja, langweilig.
Die Offenbarung kam später, während der Diskussionen und Fragen-und-Antworten-Sitzungen, die dem formellen Teil der Symposiumveranstaltungen folgten. Es war das aktive und aufmerksame Publikum, das mich den Stempel "oberflächlich und ignorant", den ich in meinem Ärger der jungen Generation aufgedrückt hatte, überdenken ließ: Denn der Großteil der klugen Einsichten kam von den jungen Intellektuellen und Studierenden, die an dem Programm in Alpbach teilnahmen. Sie waren es, die mit ihren frischen und aufschlussreichen Beiträgen die Diskussion über soziale Medien und politische Teilhabe "retteten", die von der alten, konservativen Vorstellung geprägt war, das Internet sei eine Bedrohung für die traditionellen Werte und die Kultur im Allgemeinen.
Sie waren es auch, die die Eröffnung der Politischen Gespräche "retteten", die dem österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer und dem kroatischen Präsidenten Ivo Josipović vorbehalten war. Beide zeichneten sich dadurch aus, dass sie nette Phrasen ohne Inhalt wiederholten: Josipović sprach zum Beispiel fortwährend davon, dass Optimismus eine Voraussetzung für Fortschritt sei, die Krise eine Quelle von Chancen, die EU-Erweiterung eine Stärke der Union - und nichts davon hatte angesichts der Tatsache, dass 5,5 Millionen Menschen unter 25 in der Europäischen Union arbeitslos sind, eine Bedeutung. Erst nach den offiziellen Reden wurden die Gespräche interessant und relevant - dank den intelligenten jungen Menschen im Publikum, die eine dynamische, relevante Diskussion anregten.
Um wieder auf die sozialen Medien zu kommen: Es mag schon stimmen, dass Facebook-User viel Zeit damit verbringen, über unwichtige Dinge, wie das Design der Website, zu jammern und ekstatische OMGs!!! zu schreiben, aber nicht alle von ihnen sind harmlose Katzenliebhaber oder Justin-Bieber-Fans. Es war schließlich die junge Facebook-Generation, die "Slutwalks" initiierte, um Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt zu unterstützen, die Opfer von Vergewaltigungen werden und dafür auch noch die Schuld zugewiesen bekommen.
Sie waren es, die auf die Straßen Zagrebs gingen, um gegen die frühere rechtsorientierte kroatische Regierung zu protestieren. Sie waren es, die die Occupy-Wall-Street-Bewegung initiierten und gesellschaftlich an den Rand gedrängten und wirtschaftlich ausgebeuteten Menschen Macht gaben. Und sie sind, wie es der Wissenschaftler für digitale Medien Julian Ausserhofer aus Graz formuliert, dafür verantwortlich, die wichtige öffentliche Debatten als Erste zu lancieren, indem sie diese in die Massenmedien bringen.
Daher nehme ich zurück, was ich zu Beginn gesagt habe. Wie es der Titel eines kürzlich erschienenen Hollywoodfilms formuliert: The kids are all right.
Ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass das Europäische Forum Alpbach (EFA), so perfekt es auch organisiert und so angesehen es aufgrund seiner Tradition und seiner einflussreichen Teilnehmer auch sein mag, nicht wirklich zu einer soliden, praxisnahen Problemlösung beiträgt. Ganz und gar nicht. Die zukünftigen Generationen, die Hauptthema des EFA waren, werden von den hohlen Phrasen der Politiker nicht profitieren. Sie werden ihre Zukunft auf ihre Weise gestalten - indem sie sich vernetzen und zu einer dynamischen Gruppe von Denkern UND Machern organisieren.
Die Politiker sind nicht diejenigen, die ihnen zeigen wie das geht. Dan Perjovschi, ein rumänischer Künstler, der seine politisch und sozial bewussten Zeichnungen in Alpbach präsentierte, ist jemand, der das tun könnte - indem er die Kunst dafür nutzt, die Menschen zum Handeln aufzurufen, und Kreativität als politischen Aktivismus postuliert. "Tu, was du kannst, tu, was du tun musst, und tu es mit all dem, was dir zur Verfügung steht" - das scheint die Botschaft zu sein. Und das klingt doch schon mal nicht so schlecht.
Neben den sozialen Netwerken wird es eine gute Ausbildung und Kultur sein, die es den jungen Menschen ermöglichen wird, eine bessere Zukunft zu gestalten und damit einen riesigen Schritt für die Menschheit zu tun. (Maja Hrgovic, DER STANDARD, 11.9.2012)
* OMG: Oh mein Gott (engl.: Oh my God / Oh my goodness)
* RIP: Ruhe in Frieden (engl: Rest in Peace)
Maja Hrgovic ist Kulturjournalistin bei der kroatischen Tageszeitung "Novi list" und Schriftstellerin. Am Forum Alpbach nahm sie als Mitglied der Fellow-Community der Erste Stiftung und ehemalige Preisträgerin des Balkan Fellowship for Journalistic Excellence teil.
Der Vertrauensverlust einer perspektivlosen Jugend als größte Gefahr
Die Wirtschaftskrise scheint uns alle - ob jung oder alt - unsere Perspektiven geraubt zu haben und lässt uns am Erfolg eines vereinten Europas zweifeln
Jugendliches Leben braucht imho* den Skandal, um sich von den vorigen Generationen abzuheben. Das Problem der Jungen ist, dass nach den vorigen Generationen kein Skandal mehr möglich ist und ein biederes Leben die Eltern am meisten Schockiert (die Schwiegermutter einer Freundin: "An deiner Stelle würde ich ab und zu fremdgehen - ich verrate dich sicher nicht. Der 2¢ schaut doch gut aus". Allerdings ist sie mit ihrem Mann recht glücklich, auch wenn er bisserl dick ist.)
Nur leider fügt sich die heutige Jugend dadurch widerstandslos in eine Zukunft in der die Arbeit wieder einen zentralen Platz im Leben einnimmt und von Konkurrenzdenken geprägt ist.
*imho = in my humble opinion. Meiner bescheidenen Meinung nach.
die Jugend als einheitliche Gruppe zu sehen. Spätestens in der Pubertät gleicht kein Jugendlicher dem anderen. Es gibt durchaus lernwillige Jugendliche. Es gibt aber auch faule Jugendliche. Jedoch wird meistens auf die zweite Gruppe verwiesen und die erste vergessen. Ich glaube sogar, dass die erste Gruppe in der Überzahl ist!
und staatliche interessen ergänzen sich heutzutage nahezu perfekt.diese tatsache ermöglicht keine individuelle entwicklung.schon kindern u. ju.. wird vermittelt die einzig wichtige komponente ihres daseins sei ihr beruflicher werdegang.sie müssen funktionieren um gute konsumenten zu sein.diese reduzierung ist natürlich für heranwachsende noch schwerer zu ertragen.besonders heranwachsende orientieren sich an werten die ihnen vorgegeben werden.gibt es keine sinnvollen,warum sollten sie sich dann für was begeistern?sich engagieren?einen sinn im leben erkennen?
Liebe Autorin, vielversprechender Einstieg - SIE haben erkannt, dass Vorurteil und Verallgemeinerung unnutz sind. Gratulation, gut für SIE!!
Doch wie sind Sie zu dieser bahnbrechenden Erleuchtung gekommen? Durch etwas, was sich bei diesem Forum ereignet hat, Diskussionen und Q&A's, okay. Aber das wichtigste - nämlich der konkrete INHALT dieser Diskussionen, der Grund für die "RETTUNG" der Eröffnung (und somit offenbar der Generation Facebook) bleibt uns vorenthalten?!
So ist Ihr Artikel selbst voll netter Phrasen ohne Inhalt (wohlgemerkt mit Verweisen auf Vergangenes - Slutwalks, Occupy-Wall-Street - und OMG & RIP-Fußnotenerklärung, danke, das wussten wir alles schon!)
NOT ALRIGHT!
Was anderes als eine "schriftliche Zusammenfassung" kann ein Bericht über ein gewisses Geschehen wohl nicht sein! ;)
Also ja, ich hätte mir eine schriftliche Zusammenfassung erhofft, INSBESONDERE und VOR ALLEM der Punkte, die die geehrte Autorin zur ihrer so sehr signifikanten Umstimmung verholfen haben, die sie ja selbst in der ersten Hälfte des Artikels groß ankündigt!
es handelte sich um lehrstellen im agenturbereich also eigentlich was cooles&kreatives. angefangen von vor rechtschreibfehlern strotzenden hingenudelten bewerbungsunterlagen bis zu jungen menschen die sich nicht mal "normal" am telefon melden konnten. termine wurden nicht eingehalten: eine halbe stunde zu spät zum vorstellungstermin zu kommen war "kein problem", einfach nicht kommen ohne abzusagen war usus. beim schnuppertag wurde erwartet gleich mal ein model im fotoshop bearbeiten zu dürfen etc. wenns um einfache arbeiten ging wurde das gesicht verzogen und es waren keine firmen wo lehrlinge zum wurschtsemmel holen benutzt wurden...
... ja, nur solche Beschwerden hör ich seit 20 Jahren konstant.
Als junger Mensch macht man halt Fehler und lernt draus: Eine schlampige Bewerbung und kein Praktikum? Dann lernt er's oder wird halt Leiharbeiter. Zu spät zum Bewerbungsgespräch kommen und heimgeschickt werden? Beim nächsten Mal kommt er hoffentlich 20 Minuten zu früh.
... naja, ich hab sowas als Jugendlicher halt auch gemacht: Einen Job als Pizzakoch hingeschmissen, weil der Lagerraum so ekelhaft war, alles vergammelt (am Glockenspielplatz in Graz); grottenschlechte Bewerbungen abgegeben; bi der Bewerbung für den schlecht sitzenden neuen Anzug ausgelacht werden; usw
das waren persönliche eindrücke und ich war einfach (negativ) überrascht wie manche jugendliche drauf sind. wir verlangen weder anzug noch einen super notendurschnitt oder wollten "high potentials" mit supertollen vorkentnissen. wir wollten einfach einen aufgeweckten, interessierten jungen menschen dem es spaß macht in einer agentur zu arbeiten. bestimmte soziale fahigkeiten und so dinge wie höflichkeit/pünktlichkeit und nicht einen spruch wie aus der gosse setzen wir halt voraus, da es auch um kundenkontakt geht... scheint aber schon zu viel zu sein :(
Der erste Absatz des Artikels sagt nichts über die Jugend aus, aber sehr viel über das geistige Alter der Autorin, die offensichtlich schon sehr früh ihre eigene jugendliche Neugier verloren hat, sonst hätte sie eine fundiertere Ahnung...
Fazit - die jugendsprache wurden immer rüder und abwertender - man will die eltern ja schokieren. Fragt sich nur wie die kinder der heutigen jugend reden werden - eine attrakives mädchen als "heiße hure/schlampe" zu bezeichnen ist ja schwer zu überbieten (wobei 75% der jugend wahrscheinlich nicht weiss was bitch heißt) , aber lassen wir uns überraschen^^
ist das bei weitem nicht so vulgär und herblassend wie die wörtl Übersetzung "geile Hure" gemeint (hot bedeutet nämlich geil in diesem Beispiel und nicht heiss, "hot dog" hingegen...)
und zweitens gab es im Prolo Milieu der 60-70er ordinäre Ausdrücke, dagen ist sogar geile Hure ein Lob, zB leiwande F.tna
wenn man über die Blödheit der Jugend zum Schimpfen anfängt, dass man alt wird.
Trotzdem. Wir bilden jetzt seit 20 Jahren IT-Fachkräfte aus und ich könnte nicht behaupten, dass die 20-25 jährigen dümmer wären wie wir damals.
Was mir jedoch schon auffällt, sind vermehrte Probleme bei:
- Soziale Kompetenz
- einen Job alleine fertig zu machen
- Höflichkeit
- zu wissen, wie man sich in einer Firma verhält
- Annehmen/Umsetzen von konstruktiver Kritik
- gewissenhaftes Arbeiten
- aus Fehlern lernen
Es geht hutzutage außerhalb des Berufslebens ohne diese "Tugenden" (ich halte sie eigentlich für Mindeststandards, nicht für Tugenden). Daher erlernt sie keiner mehr. Blöd nur, daß man gerade soziale Kompetenz, den Umgang mit Kritik usw. als Erwachsener kaum noch nachlernen kann.
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