Me & Taxi in New York

Kolumne |

Im offenen Camaro auf der falschen Spur

Ein kleiner Reisebericht: Ich war in New York. Der Einfachheit halber gleich mit dem Auto. An einem Montag bin ich direkt von Philadelphia rübergestochen, eigentlich raufgestochen. Das Auto war ein offener Camaro, entliehen in Washington, es war der Sechszylinder, typisch Leihwagen.

Das Navi führte mich grundsätzlich nur über mautpflichtige Straßen, und an der Zahl der Spuren auf der Autobahn erkannte ich: Wir nähern uns New York. Ich zählte bereits zwölf Spuren. Das Navi tat mir nicht den Gefallen, mich über eine der fantastischen Brücken in die Stadt zu führen, obwohl es derer wirklich genug gäbe. Das Navi wählte wiederum Maut und Stau - und den Tunnel. Es war der Lincoln-Tunnel unter dem Hudson River, noch dazu eine Baustelle mit reduzierten Fahrspuren und Umleitung gleich nach dem Auftauchen. 

Abreise und Schießerei

Die Plötzlichkeit, mit der man dann aber in Manhattan auftaucht, ist überwältigend, das wirft einen glatt um. Da muss man den Wagen gleich in der Garage abstellen, nachdem man cool vor dem Hotel vorgefahren ist. Dort war gerade ein Fleckerl frei, niemand hat's gesehen. New York, Sightseeing, Shopping, Spazierengehen, Moma, Burger, Hot Dog und so weiter.

Dann Abreise. Frühverkehr. Und eine Schießerei vor dem Empire State Building, Umleitung, Stau, Chaos. Spurwechsel quer drüber, dann endlich eine Spur gefunden, auf der es halbwegs ein Vorankommen gibt. Jeder Taxler in New York glaubt, er ist per Du mit mir und hupt mich an. Dann eintauchen in den Tunnel, wieder Auftauchen, die Skyline im Rückspiegel. Und die späte Erkenntnis: In Manhattan gibt es eine Taxispur. Das erklärt auch die Huperei. (Michael Völker, DER STANDARD Printausgabe, 7.9.2012)

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