Kampfansage: Aliyun OS soll es mit Android aufnehmen

  • Aliyun OS soll in China mit Android gleichziehen.
    foto: alibaba

    Aliyun OS soll in China mit Android gleichziehen.

Das Cloud-basierte System soll von Alibabas E-Commerce-Plattformen profitieren

Chinas E-Commerce-Riese Alibaba will es mit Google und seinem Betriebssystem aufnehmen. Schon jetzt sieht man steigende Nachfrage nach dem selbstentwickelten, Linux-basierten Aliyun OS. Die Verkäufe von Smartphones mit dem OS sollen sich heuer verfünffachen.

"Wollen genauso stark sein"

"Wir wollen in China genauso stark sein wie Android", so Firmenstratege Zeng Ming gegenüber dem Wall Street Journal. Man habe dafür bereits ein paar Partner gefunden, wie weitere Telefone produzieren würden. "Wäre ich ein Hersteller und meine einzige Option wäre Android, hätte ich Angst", so Zeng. "Jede Firma sollte zumindest zwei Auswahlmöglichkeiten haben."

Aliyun - "Yun" lässt sich mit "Wolke" übersetzen - ist ein komplett Cloud-basiertes Betriebssystem ohne lokal installierter Apps. Alle Programme laufen auf Servern, inklusive selbstentwickeltem E-Mail-Client und eigenem Kartendienst. Alibaba könnte vom Patentkonflikt zwischen Google und Apple und dem Disput zwischen Samsung und Apple profitieren, der einiger Hersteller bezüglich der Betriebssystemwahl verunsichert haben könnte.

Markt mit großem Potenzial

China bietet als Markt großes Potenzial und dürfte die USA als solcher heuer überholen. Eine Milliarde Nutzer von Mobiltelefonen lebt in der Volksrepublik, laut IDC werden heuer 26,5 Prozent aller weltweiten Smartphone-Lieferungen dorthin gehen.

Google mit Schwierigkeiten

Google führt aus Zensurgründen chinesische Google-Suchen über Hongkong aus. Für viele Nutzer sind GMail und Google Maps nur kaum oder gar nicht zugänglich. Der Webriese verliert mit einigen Diensten kontinuierlich an Marktanteilen. "Android bietet in China keine gute Nutzungserfahrung, wir schon", meint Zeng dazu. Der globalen Dominanz von Android hat das bislang jedoch keinen Abbruch getan, hier könnte das Google-OS heuer die 70-Prozent-Marke knacken.

Alipay, Taobao, Tmall

Bei Alibaba geht man davon aus, dass es wohl einige Zeit dauern wird, bis man sich unter den Großen etabliert haben wird. Punkten will man mit hauseigenen Lösungen wie dem Bezahldienst AliPay sowie den Shopping-Webseiten Taobao und Tmall. Hier könnte Aliyun als treibende Kraft für den Aufschwung des E-Commerce dienen, der laut Zeng einer der "Lichtblicke in Chinas Wirtschaft" ist.

Taobao und Tmall sollen dieses Jahr insgesamt 158 Milliarden Dollar in Transaktionen bewegen. Der Onlinehandel boomt nach wie vor in dem Land, 2015 könnte China mit einem Marktvolumen von 360 Milliarden Dollar sogar die USA überholen. Schon jetzt kaufen mit 193 Millionen Menschen mehr Leute Waren online ein, als in den Staaten, wo es 170 Millionen sind. (red, derStandard.at, 10.09.2012)

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